Login
Forst

Stilllegung heimischer Forste zerstört Tropenwälder

von , am
19.09.2013

Berlin/Bonn - Eine verstärkte Verwendung heimischen Holzes anstelle von Tropenholz hat der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, Philipp Frhr. zu Guttenberg, angemahnt.

Anlässlich des Tages der Tropenwälder am 14. September fordern Waldeigentümer stärkere Nutzung heimischen Holzes. © guentermanaus/Fotolia
Ansonsten werde die Zerstörung von Tropenwäldern durch Flächenstilllegungen hiesiger nachhaltiger Wälder auch noch gefördert, erklärte zu Guttenberg. Er zeigte sich überzeugt davon, dass nur die garantiert nachhaltige Nutzung heimischen Holzes ein effektiver Schutz gegen den Raubbau in anderen Regionen der Erde ist. Von steigenden Importen aus Ländern mit niedrigen Umweltstandards profitiere in erster Linie die Holzmafia, die mit illegal geschlagenem Holz handle, so der AGDW-Präsident.
 
Nach seiner Einschätzung gibt es hierzulande noch Spielräume beim nachhaltigen Bewirtschaften der Wälder. Zudem könne die nachhaltige Holznutzung hierzulande dabei helfen, der Zerstörung von Regenwäldern entgegenzuwirken. Als kontraproduktiv bezeichnete zu Guttenberg die Pläne von Umweltschützern und Grünen-Politikern, hiesige Waldflächen in Urwälder umzuwandeln. "Urwald in Deutschland zerstört Regenwald auf anderen Kontinenten. Wer heute auf nachhaltig produziertes Holz aus Deutschland verzichten will, muss es morgen aus Afrika, Südamerika oder Russland holen", gab zu Guttenberg zu bedenken. AGDW-Schätzungen zufolge liegt das jährliche Umsatzvolumen aus illegalem Holzhandel bei bis zu 75 Milliarden Euro; rund 13 Millionen Hektar Wald würden so pro Jahr zerstört.

Zertifizierungen wirken positiv

Auch das Kampagnenbüro "300 Jahre Nachhaltigkeit" des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) wies anlässlich des Gedenktages auf das Ausmaß der globalen Waldzerstörungen hin. Seinen Angaben zufolge wird in den Tropen pro Minute eine Waldfläche im Umfang von 35 Fußballfeldern vernichtet. Der jährliche Waldverlust in den Tropen liege bei 14,2 Millionen Hektar, so der DFWR unter Berufung auf Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Dieses Areal sei um drei Millionen Hektar größer als die gesamte Forstfläche der Bundesrepublik. Das Kampagnenbüro verwies in dem Zusammenhang auf die internationalen Waldzertifizierungsprogramme Forest Stewardship Council (FSC) und Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC). Diese hätten Kriterien aufgestellt, wie ein Wald standortgemäß nachhaltig zu bewirtschaften sei und ließen deren Einhaltung in der Praxis überprüfen. So trügen diese Organisationen zum Erhalt und zur nachhaltigen Verwendung der Forsten bei.

Waldfläche in Thüringen legt zu

Thüringens Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz erklärte anlässlich des Tropentages, dass vor dem Hintergrund des dramatischen Tropenwaldverlustes der Wert einer nachhaltigen, naturnahen Forstwirtschaft zur Sicherheit der heimischen Wälder nicht hoch genug einzuschätzen sei.
 
Im Freistaat sei in den letzten zehn Jahren die Waldfläche um fast 400 Hektar gestiegen, und das trotz der Verluste zum Bau von Verkehrsachsen und der Erschließung von Industrie- beziehungsweise Siedlungsraum, betonte der CDU-Politiker. Im gleichen Zeitraum sei der Holzeinschlag nahezu auf gleicher Höhe geblieben. ThüringenForst nutze nur 80 Prozent bis 90 Prozent des möglichen Holzzuwachses aus. Auch die Holzvorräte lägen im Freistaat mit rund 300 Fm pro Hektar auf hohem Niveau; das Waldgebiet Thüringens umfasse rund 540.000 Hektar, berichtete Reinholz. Er riet demjenigen, der aktiv etwas gegen die weltweite Tropenwaldzerstörung tun wolle, dazu, global zu denken und lokal zu handeln und beispielsweise beim Kauf von Holzprodukten auf Nachhaltigkeitszertifikate und die Verwendung heimischer Hölzer zu achten.

Auch Merkel ist für das 5-Prozent-Ziel

In Reaktion auf zu Guttenbergs Wertung, dass die Pläne von Umweltschützern und Grünen-Politikern, hiesige Waldflächen in Urwälder umzuwandeln, kontraproduktiv seien, stellte die Sprecherin für ländliche Entwicklung und für Waldpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Cornelia B e h m , klar, dass dies nach wie vor auch der Plan von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel sei. Diese habe sich im Mai zu dem von der Bundesregierung in der Nationalen Biodiversitätsstrategie beschlossenen Ziel bekannt, fünf Prozent der Wälder einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Aus Sicht von Behm ist die Nachfrage nach Holz weltweit so hoch, dass auch ohne jeden weiteren Nutzungsverzicht in Deutschland mit einem Fortdauern der globalen Waldvernichtung zu rechnen sei. Ohne Schutzregelungen in den Waldländern sei die Forstvernichtung nicht zu stoppen. Der Sprecher der Grünen-Fraktion für Welternährung, Thilo Hoppe, kritisierte, dass die Bundesregierung durch ihre Handels- und Wirtschaftspolitik zur Abrodung der Urwälder beitrage. Sie ignoriere die Bedeutung der Forsten für die Biodiversität und für die Bauern.
Auch interessant