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Artenvielfalt

Studie: Glyphosat schädigt Bienen

Biene an Raps
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
25.09.2018

Amerikanische Wissenschaftler zünden die nächste Raketenstufe bei der Bewertung von Glyphosat: Der Wirkstoff schädige die Darmflora von Honigbienen.

Glyphosat und Artensterben – dieser Zusammenhang wurde in den vergangenen Monaten oft gezogen und genauso oft widerlegt. Der Wirkstoff ist ein Herbizid, wirkt also zunächst ausschließlich gegen Pflanzen und nicht auf Tiere.

Eine Forschergruppe von der US-amerikanischen University of Texas will jetzt festgestellt haben, dass Glyphosat sehr wohl einen Einfluss auf Insekten haben kann – konkret auf Bienen.

Studie: „Darmbakterien werden geschädigt“

Die These, für die die Wissenschaftler Belege gefunden haben wollen:

Glyphosat wirkt auf Pflanzen, weil es dort ein bestimmtes Enzym blockiert, das sich EPSPS nennt. Das Enzym kommt auch in Bakterien vor, nicht aber bei Mensch und Tier. Die amerikanischen Wissenschaftler haben EPSP bei Bakterien gefunden, die im Darm von Bienen leben und dort lebenswichtig für das Insekt sind. Diese Bakterien produzieren EPSPS selbst.

Sind die Bienen Glyphosat ausgesetzt, sagt die Studie, leidet deren Darmflora, sie hungern und haben ein geschwächtes Immunsystem. Die meisten Darmbakterien von Bienen enthielten das Enzym, gegen das Glyphosat wirkt, schreiben die Wissenschaftler.

Das alles sei bei Konzentrationen von Glyphosat durchgeführt worden, die bei Anwendung in der Natur zum Einsatz kommen und als unbedenklich eingestuft sind, heißt es von den Autoren der Studie.

Deutsches Institut BfR: Keine antibakterielle Wirkung

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das an der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln beteiligt ist, hat schon 2012 klargestellt, dass Glyphosat kein Antibiotikum ist und es „bisher keine Anzeichen für eine spezifische antibakterielle Wirkung von Glyphosat“ gibt. Gleichwohl konnte auch für Glyphosat nach landwirtschaftlicher Anwendung zumindest eine zeitweilige Beeinflussung von Bodenbakterien nachgewiesen werden.

In den bis dahin durchgeführten zahlreichen tierexperimentellen Studien seien aber keine Effekte aufgetreten, die auf eine Störung der Darmflora durch Glyphosat zurückgeführt werden könnten.

Vom BfR heißt es weiter: „Selbst bei extrem hohen Konzentrationen von bis zu 5000 μg/mL wurde keine Hemmung des Bakterienwachstums und somit auch keine antibakterielle Wirkung von Glyphosat beobachtet.“ 

Lesen Sie hier einen Kommentar von agrarheute-Pflanzenbauredakteur Klaus Strotmann zu diesem Thema.

Mit Material von University of Texas, BfR

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Aktuelles Heft Dezember 2018

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