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Studie zu Glyphosatverbot: Die ökonomischen Folgen für den Landwirt

© AG Glyphosat
von , am
18.08.2017

Eine Studie der Kleffmann Group untersuchte die Risiken und ökonomischen Auswirkungen eines Glyphosatverbots für die Landwirtschaftsbetriebe. Die Ergebnisse.

Am Donnerstag stellte die Kleffmann-Group in Frankfurt eine Studie zu den einzelbetrieblichen Folgen eines möglichen Glyphosatverbots vor. Die von der AG Glyphosat - einem Interessensverbund mehrerer Glyphosathersteller -  in Auftrag gegebene Studie füllt eine Lücke: "Über die Folgen für die Landwirtschaft wurde schon oft gesprochen - hierzu gibt es mehrere Studien auch aus anderen europäischen Ländern. Aber die Folgen für den einzelnen Landwirt und die einzelne Kultur wurden bisher nicht beleuchtet“ erklärte Ursula Lüttmer-Ouazane, Sprecherin der AG Glyphosat.

Die Studie hatte zum Ziel, die Risiken und Auswirkungen eines Glyphosatverbotes auf den einzelnen Landwirtschaftsbetrieb zu beziffern. Dafür wurden zunächst Faktoren festgelegt und beziffert, die bei einem Verbot den Deckungsbeitrag der Kultur erhöhen würden. Diese wurden von einer Expertengruppe aus Landwirten und Beratern begutachtet und angepasst.

Aufbau der Glyphosat-Studie

Für die Untersuchung wurden zwei Szenarien angenommen, die beide auf die Kulturen Winterweizen, Wintergerste, Raps, Silomais, Zuckerrüben, Äpfel und Wein angewendet wurden.

  • Szenario 1 ging dabei „nur“ von Kostensteigerungen aufgrund der steigenden Arbeitserledigungs- und Direktkosten durch das Wirkstoffverbot aus.
  • Szenario 2 nahm zusätzlich an, dass das Verbot auch Ertragseinbußen zur Folge haben könnte. Deren Höhe wurde von den Experten zwischen 0 Prozent (%) (Äpfel) und 10 % (Weizen, Gerste, Silomais und Raps) beziffert.

Glyphosat-Verzicht: Auswirkungen auf Kosten im Ackerbau

Studie zu Glyphosat
Glyphosat Studie: Relativer Rückgang des Deckungsbeitrags bei unterschiedlichen Kulturen © Kleffmann Group

Wie erwartet hat der Verzicht Auswirkungen sowohl auf den Ablauf als auch die Kosten des Ackerbaus. Der Verlust eines zwischen den Kulturen anzuwendenden Totalherbizids hat vermehrte Überfahrten, höhere Dieselkosten, steigende Resistenzprobleme und Erosionsgefahr, Bodenschäden und unter Umständen Ertragsminderung zur Folge.

  • So wird für Weizen errechnet, dass die Dieselkosten um 20 %, die Herbizidkosten um 10 % steigen. Der Deckungsbeitrag sinkt um 36 %, in Szenario 2 sogar um 78 %. Im Vergleich der Kulturen (Abb.) ist zu erkennen, dass in Szenario 1 der relative Rückgang der Deckungsbeiträge in den Ackerkulturen zwischen 15 und 72 % beträgt. Unter Szenario 2 liegt er sogar zwischen 28 und 134 %.
  • Der Arbeitsaufwand pro Hektar würde ohne Glyphosat zwischen zwei Stunden/ha in den Marktfrüchten und 6 bzw. 8 Stunden im Obst ansteigen, der Dieselverbrauch zwischen 10 und 23 l/ha. Das hätte auch starke ökologischen Auswirkungen: vermehrte Bodenbearbeitung und Herbizidanwendungen führen zu höherem Dieselverbrauch, was wiederum die CO2-Emissionen in die Höhe treibt - zwischen 28 und 61 kg CO2/ha. Geht man davon aus, dass in Deutschland ca. 3,6 Mio. ha, also 30 % der Ackerfläche, mit Glyphosat behandelt werden, so steigt bei einem Verbot der CO2-Ausstoß demzufolge um 100.800 t - alleine im Ackerbau in Deutschland.

Glyphosat: Wiederzulassung keineswegs gesichert

Ziel der Studie ist nach Aussage von Thoralf Küchler von der AG Glyphosat auch, die Landwirte wachzurütteln und ihnen Argumente an die Hand zu geben. "Wir erleben so eine allgemeine ‚Wird schon alles gut’-Einstellung, aber das ist nicht gesagt", warnt Küchler."Wir brauchen den Einfluss und die Stimme der Landwirte nach wie vor. Und sie sind es auch, die im Kontakt zum Verbraucher Argumente für den Wirkstoff bringen müssen."

Die technische Verlängerung für Glyphosat gilt bis zum 15. Dezember 2017. Bislang gibt es positive Signale aus der EU-Kommission, dass einer Verlängerung um zehn Jahre nichts im Wege steht. Aber noch ist nichts entschieden. Bis zum 1. September sollen die Mitgliedsländer ihre Meinung schriftlich einreichen, bei einer regulären Sitzung des Standing Committee der Kommission am 5./6. Oktober wäre also eine Entscheidung möglich.

Küchler hofft nach wie vor auf eine Verlängerung um 15 Jahre, denn: "mehr kann ein Produkt nicht leisten und mehr kann man inhaltlich dafür nicht tun. Und es hätte Auswirkungen auf andere Wirkstoffverlängerungen."

Die komplette Studie ist im Internet abrufbar.

Mit Material von Kleffmann Group
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