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Sortenschutz

Superfood: Erste deutsche Chia-Sorte geschützt

Chiasamen
am Mittwoch, 19.05.2021 - 05:03 (1 Kommentar)

Die erste deutsche Chia-Sorte ist da. Sie lässt sich auch unter hiesigen Bedingungen anbauen. Dadurch können auch deutsche Landwirte in Zukunft vom Superfood-Boom profitieren.

Als erste Chia-Sorte hat das Bundessortenamt die Sorte Juana nun in seine Liste eingetragen. Damit ist schon bald ein Anbau in Deutschland möglich. Chia gilt als Superfood, ließ sich in Deutschland bislang aber noch nicht anbauen.

Die neue Sorte kommt schon im Sommer zur Blüte und ist damit auch an mitteleuropäische Verhältnisse angepasst. Neu gezüchtet wurde die Sorte durch die Arbeitsgruppe Anbausysteme und Modellierung der Universität Hohenheim.

Ökologische Probleme durch Superfood-Importe

Als sogenanntes Superfood sind Chia-Samen in den vergangenen Jahren in Deutschland in Mode gekommen. Die Samen, die auch Aztekengold genannt werden, haben einen hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und Vitaminen. Im Lebensmitteleinzelhandel sind die Samen mittlerweile fast überall erhältlich. Dort kosten die Samen aktuell rund 8 €/kg, teilweise sogar mehr. 

Viel Kritik gab es aber an den ökologischen Auswirkungen des Booms. Chia wird bislang größtenteils aus Mittel- und Südamerika importiert. Das sorgte nicht nur für hohe CO2-Emissionen. Auch die Preise vor Ort stiegen an. Die örtliche Bevölkerung konnte sich ihr bisheriges Grundnahrungsmittel zuletzt immer weniger leisten.

Anbauhindernisse Frost und Tageslängen

Eigentlich ist Chia (Salvia hispanica L.) eine sogenannte Kurztagspflanze. Um zur Blüte zu kommen und Samen zu bilden, benötigt sie kurze Tage, wie sie etwa in Mexiko vorkommen. Im deutschen Sommer sind die Tage für die Pflanze zu lang. Im Herbst haben die Tage zwar eine optimale Länge, aber es ist zu kalt für die Chiapflanze. Wegen ihrer Frostempfindlichkeit war das bisher ein Problem für den Anbau. Die neue Sorte kommt nun auch mit langen Sommertagen zurecht.

Die blau blühende Pflanze liefert nicht nur die wertvollen Samen, sie eignet sich auch als Bienenweide. „Wir schaffen damit attraktive Produkte und auch neue Einnahmequellen für die hiesigen Landwirte“, erklärt Prof. Dr. Simone Graeff-Hönniger.

Schon 2015 begannen die Hohenheimer Pflanzenforscher im Rahmen des Projekts BioÖkonomie Chia-Chain nach geeigneten Sorten zu suchen.  In Bolivien fand die Forschergruppe schließlich geeignetes Zuchtmaterial zur Selektion.

Zuchtunternehmen für die neue Nische gesucht

Die Pflanzenforscher suchen nun Saatzuchtunternehmen, die die neue Sorte in ihr Programm aufnehmen, um sie Landwirten zu Verfügung zu stellen. Ansprechpartner ist Dr. Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt in Hohenheim.

Mit Material von Uni Hohenheim
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