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Forst

Thünen-Institut: Borkenkäfer wird wohl noch jahrelang wüten

Schadholz durch Borkenkäferbefall im Taunus
am Mittwoch, 26.08.2020 - 07:11 (1 Kommentar)

Das dritte Trockenjahr in Folge bedeutet für Waldbesitzer: Die geschwächten Fichten sind auch 2020 leichte Beute für den Borkenkäfer. Experten schätzen, dass der Befall auch in den nächsten Jahren hoch bleiben wird.

Der Borkenkäfer, oder genauer gesagt Buchdrucker, verbreitet sich ungehindert. Bereits im vergangenen Jahr wurde deutschlandweit fast dreimal so viel Schadholz aufgrund von Insektenschäden geschlagen als 2018:

  • 2017 waren es noch 6 Millionen Kubikmeter
  • 2018 waren es 11 Millionen Kubikmeter
  • 2019 schließlich: 32 Millionen Kubikmeter

Und "wahrscheinlich bleibt der Befall noch weiter auf einem hohen Niveau in den kommenden Jahren". Das sagt Andreas Bolte, Leiter des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, gegenüber der dpa.

Schlaraffenland für den Borkenkäfer

Das Wetter habe die Borkenkäfer-Population dieses Jahr nicht dezimieren können. Bereits 2018 und 2019 konnte sich der Buchdrucker gut vermehren, weil Stürme und Trockenheit den Wald für ihn zum "Schlaraffenland" gemacht hätten, so Bolte. Thomas Weber, Stadtforstdirektor von Fürstenwalde an der Spree, erklärt: "Wenn Wasser fehlt, dann haben Nadelbäume auch keine Abwehrreaktion mehr bei einem Borkenkäferbefall." Denn normalerweise können die Bäume die Eindringlinge mit ihrem Harz übergießen und so unschädlich machen.

Besonders stark ist der Mittelgebirgsraum betroffen. Zu den typischen Fichtenregionen zählen etwa das Sauerland, der Pfälzer Wald, das Erzgebirge, der Thüringer Wald und der Frankenwald. Sachsen meldete kürzlich die "schwerwiegendste Schadsituation seit Beginn der nachhaltigen Waldbewirtschaftung vor 200 Jahren". In Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt wurden sogar Bundeswehr-Soldaten eingesetzt, um die Borkenkäfer-Invasion einzudämmen.

Im Kreis Soest berichteten Forstleute, dass der Borkenkäfer auch Kiefern und Douglasien befallen hat. Laut Julius Kühn-Institut ist das zwar nicht neu, das Thünen-Institut hält dies aber doch eher für Einzelfälle. Allein im Voralpenraum sehe es dieses Jahr wegen etwas mehr Niederschlägen zwar nicht gut, aber etwas besser aus.

Zwei ganz kühle und feuchte Jahre würden gegen den Borkenkäfer helfen

Nach diesen für den Buchdrucker guten Bedingungen sei die Anfangsgeneration laut Bolte in diesem Frühjahr sehr groß gewesen. Viele Käfer konnten überwintern. Bis zu drei Generationen Larven schlüpfen pro Jahr. Nun bräuchte es mindestens zwei "ganz kühle und feuchte Jahre. Zum einen, um die Widerstandskraft der Bäume zu stärken, zum anderen aber auch, damit die Population der Borkenkäfer insgesamt zurückgeht."

Langfristig sei es laut Bolte dagegen notwendig, den Waldumbau voranzutreiben. Durch den Wechsel von Baumarten, etwa hin zu Mischwäldern, die besser mit Trockenheit zurechtkommen, sollen Schadpotenziale eingeschränkt werden.

Holzpreise im Keller: Kein Geld für Waldumbau

Wie neue Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums belegen, haben Stürme, Dürre und Schädlinge den Wäldern ohnehin noch heftiger zugesetzt, als bisher bekannt. Rund 285.000 Hektar müssen aufgeforstet werden - das ist mehr als die Fläche des Saarlandes und etwa 2,5 Prozent der gesamten Waldfläche Deutschlands.

Der Waldumbau dauert aber lange, unter anderem wegen der oft kleinteiligen Parzellen-Struktur im Privatwald. Wie Stadtforstdirektor Weber, der auch Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Brandenburg ist, berichtet, könnten Privatbesitzer den Umbau aus eigenen Kräften nicht zügig vorantreiben. Die Holzpreise sind im Keller und decken oft nicht mal die Kosten des Einschlags. Waldbesitzern fehlt die Liquidität.

So können auch die Eigenanteile für die Finanzspritzen von Bund und Ländern häufig nicht aufgebracht werden: Im "Waldgipfel" wurden 2019 dafür 800 Millionen Euro bereitgestellt. Dazu kommen 700 Millionen Euro aus dem Corona-Konjunkturpaket.

Mit Material von Thünen-Institut, dpa/Lennart Stock

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