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Wetter-Umfrage und BMEL Statement

Trockenheit: Im April zu wenig Regen auf Deutschlands Böden

Landwirt eggt mit einem Traktor ein staubtrockenes Feld
am Mittwoch, 22.04.2020 - 15:45 (Jetzt kommentieren)

Nachdem über die Wintermonate der Bodenwasserspeicher gut gefüllt wurde, setzte im Frühjahr eine Trockenphase ein. Ob der Mai nach dem sehr trockenen April mehr Niederschlag bringt, lässt sich zurzeit noch nicht abschätzen.

Durch die milde Witterung im Winter 2019/2020 begann die Vegetationsperiode in diesem Jahr bereits Mitte März, fast zwei Wochen früher als im vieljährigen Mittel. Nahezu zeitgleich setzte eine sehr niederschlagsarme Witterung ein. Nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fielen vom 14. März 2020 bis zum 18. April 2020 verbreitet weniger als 10 Liter pro Quadratmeter (l/m²) Niederschlag.

Obere Bodenschichten ausgetrocknet

Zugleich sorgte an vielen Tagen Sonnenschein, sehr trockene Luft und zeitweise auch frischer bis starker Wind für hohe Verdunstungsraten von etwa 6 l/m² am Tag. Der Wasserbedarf der Pflanzen war in diesem Zeitraum also deutlich höher als die Niederschlagsmenge und musste aus dem im Boden gespeicherten Wasser gedeckt werden.

Eine Folge: Vielerorts war der potentielle Wasserbedarf der Vegetation im genannten Zeitraum deutlich größer als die Wassermenge, die durch den Bodenwasserspeicher in der durchwurzelten Bodenzone zur Verfügung gestellt werden konnte. Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD: „Die oberen Bodenschichten sind ausgetrocknet. In einigen Gebieten Deutschlands ist die Bodenfeuchte jetzt schon auffällig niedrig."

Umfrage: Haben Sie aktuell mit Trockenheit zu kämpfen?

Umfrage-Ergebnisse Frühjahrstrockenheit

agrarheute wollte von Ihnen wissen, wie die Situation vor Ort ist. Innerhalb von 5 Tagen haben fast 2.000 Landwirte an der Umfrage teilgenommen. Die Reaktionen waren unterschiedlich. Auf den Social-Media-Kanälen sind auch Bilder aus den Regionen zu sehen: vielerorts Staubwolken bei der Aussaat, überschwemmte Wiesen und Felder auf Rügen. Das Bild ist heterogen.

Nur 2 Prozent der Umfrageteilnehmer schätzen sich glücklich. Ihre Böden sind ausreichend mit Wasser versorgt. Etwas mehr als ein Drittel – 37 Prozent – geben an, dass die aktuelle Trockenheit keine Auswirkungen auf Erträge habe, wenn in den kommenden zwei Wochen Regen fällt

Mehr als die Hälfte hat bereits mit den Auswirkungen der Frühjahrstrockenheit zu kämpfen. 5 Prozent der Betriebe nutzen bereits ihre Beregnungsanlagen um der Situation entgegen zu wirken. 56 Prozent befürchten schon jetzt Ertragseinbußen bei der Ernte.

Kommt kurzfristig Regen?

Bis Freitag, 24. April 2020, sagt der DWD trockenes, sonniges und zunehmend warmes Wetter voraus. Zugleich erhöhen sehr trockene Luft und kräftiger Ostwind die Verdunstung. Das führt zu weiter sinkenden Bodenfeuchtewerten und einer hohen bis sehr hohen Waldbrandgefahr.

Am Wochenende nimmt dann der Hochdruckeinfluss ab und Niederschläge werden lokal etwas wahrscheinlicher. Fuchs: „Die Regenmengen, mit denen wir ab dem Wochenende rechnen können, dürften aber vorerst nicht ausreichen, um die aktuelle Trockenheit flächendeckend und nachhaltig zu beenden.“

Ob der Mai nach dem voraussichtlich sehr trockenen April mehr Niederschlag bringt, lasse sich zurzeit noch nicht abschätzen. Ein Blick ins Klimaarchiv des DWD zeige nur: „Nach zu trockenen Aprilmonaten traten in der Vergangenheit trockene und nasse Maimonate etwa gleich häufig auf.“

Mit Material von Deutscher Wetterdienst (DWD), agrarheute

Klöckner und Rukwied äußert sich zur Trockenheit

Angesichts der wochenlangen Trockenheit warnen die Bauern in Deutschland vor neuen schweren Schäden in der Landwirtschaft. "Ein drittes Dürrejahr in Folge würde viele unserer Betriebe noch härter treffen als die letzten", erklärte Bauernpräsident Joachim Rukwied gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der milde Winter und die Trockenheit hätten zudem für größeren Schädlingsbefall auf den Feldern gesorgt. "Wir brauchen dringend einen länger anhaltenden Landregen, damit die Pflanzen sich entwickeln können. Teilweise laufen schon jetzt die Bewässerungsanlagen", so Rukwied.

Die wochenlange Trockenheit lässt auch die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, nicht unkommentiert. In einem Video-Statement betont sie, dass ein weiteres Dürrejahr die Betriebe hart treffen würde und sie die Situation sehr genau beobachte, um bei Bedarf reagieren zu können. Lesen Sie hier mehr über Klöckners Statement zum befürchteten Dürrejahr 2020.

Bauernregeln: Schnee im April gut düngen will

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