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TV-Tipp: Die Kornmacher von Gatersleben: Pflanzenforscher für die Welt

Einkorn Ähren in einer Hand auf einem Feld
am Dienstag, 15.11.2022 - 10:29 (Jetzt kommentieren)

Eine Doku dreht sich am Dienstag um das Genetik-Institut in Gatersleben. Hier geht es um die Nutzpflanzen der Zukunft in Zeiten des Klimawandels. Und eine der größten Genbanken der Welt.

Am Dienstagabend um 21 Uhr dreht sich die TV-Dokumentation „Die Kornmacher - 80 Jahre Genforschung in Gatersleben“ im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), die auch schon hier in der Mediathek zu finden ist, um das Genetik-Institut IPK.

Denn der Hotspot für Pflanzenforschung in Europa liegt nicht etwa in Rom, Paris oder Berlin, sondern in Gatersleben. Einem kleinen Dorf am Rande des Harzes in Sachsen-Anhalt.

Nutzpflanzen der Zukunft: Klimawandel als Forschungsauftrag

Hier forschen die Wissenschaftler des IPK an den Nutzpflanzen von morgen. „Die Sorten, die wir die letzten einhundert Jahre angebaut haben, werden nicht die sein, die uns in Zukunft ernähren“, so Forscher Nils Stein. Der Klimawandel sei für die 550 Mitarbeiter aus vierzig Ländern kein Schreckensszenario, sondern ein klarer Forschungsauftrag.

Es geht um Weizen, Roggen, Gerste und Co., die große Hitze und lange Trockenheit aushalten, weniger Stickstoff brauchen, widerstandsfähig gegen Krankheiten sind und zudem noch ertragreich sein sollen. Eigentlich eine „eierlegende Wollmilchsau“.

150.000 Pflanzenmuster: Eine der größten Genbanken der Welt

Schließlich werden um 2030 bereits neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Und die Ansprüche an den ökologischen Fußabdruck unserer Lebensmittel werden auch immer größer. „Wenn man hier arbeitet, hat man schon im Hinterkopf, dass wir beitragen wollen, die Welternährung zu sichern und die Landwirtschaft nachhaltiger zu machen,“ so Robert Hoffie, Junior-Forscher am IPK.

Das Institut in Gatersleben kann dabei auf einen wertvollen Schatz zugreifen - eine der größten Genbanken der Welt. Hier lagern rund 150.000 Pflanzenmuster von knapp dreitausend Arten aus mehreren Jahrhunderten. Eine immense biologische Vielfalt.

Große Hoffnungen: Wildtypen von Gerste und Weizen

Vor allem mit den unscheinbaren und struppigen Wildtypen von Gerste und Weizen verbinden die Forscher derzeit große Hoffnungen, ihrem Ziel näher zu kommen.

Eine Methode ist dabei die Gentechnik. Seit Jahrzehnten hoch umstritten und von zahlreichen Ängsten begleitet. „Es ist extrem fahrlässig, auf eine solche Technologie a priori zu verzichten. Gentechnik ist längst keine Risikotechnologie mehr“, argumentiert Institutsdirektor Andreas Graner und öffnet dem MDR-Kamera-Team weit die Türen der Labore, Pflanzhallen und zu den Versuchsfeldern.

Fundamentaler Fortschritt und Gentechnik-Gegner

Ein Blick hinter die Kulissen eines weltweit agierenden Wissenschaftsunternehmens, das seine Wurzeln im Dritten Reich hat. Vor gut 80 Jahren in Wien gegründet, folgte es dem erschreckenden Ungeist jener Zeit, die Welt durch Züchtung bei Mensch, Tier und Pflanzen zu perfektionieren, die ihren negativen Höhepunkt in den menschlichen Rassentheorien fand.

Das gehört zur Institutsgeschichte dazu, genauso wie der langjährige Kampf gegen die unwissenschaftlichen Theorien von Lyssenko in den 1950er Jahren, bis hin zu den Feldzerstörungen von Gentechnik-Gegnern im Jahr 2008. Letztlich habe das Institut drei Systeme überdauert, weil es jenseits aller Ideologien fundamentalen Fortschritt gebracht habe, so der MDR.

Mit Material von MDR

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