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Forschungsstudie

UBA: Immer mehr Menschen haben Glyphosat im Urin

In Notfallsituationen werden Pflanzenschutzmittel für eine eingeschränkte Verwendung zugelassen. © Mühlhausen/landpixel
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Katharina Krenn , agrarheute
am
22.01.2016

Das Umweltbundesamt hat die Ergebnisse seiner Langzeitstudie zu Glyphosat veröffentlicht. Sie belegen, dass über die Jahre bei immer mehr Menschen Glyphosat im menschlichen Urin feststellbar ist.

In einer rund 400 Proben umfassenden Stichprobe über einen Zeitraum von 15 Jahren konnte das Umweltbundesamt UBA“ eine eindeutige Anreicherung von Glyphosat im Urin“ feststellen, erklärt das Umweltbundesamt in seiner Pressemitteilung. 2001 ließ sich der Stoff im Urin bei nur zehn Prozent der studentischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nachweisen, 2013 fand man es bei knapp 60 Prozent der Testgruppe, zuletzt im Jahr 2015 seien es 40 Prozent.

Grenzwerte werden nicht erreicht

Weiter erklärte das Umweltamt, dass der höchste gemessene Wert um den Faktor 1.000 niedriger war als die EU-Lebensmittelbehörde für vertretbar hält. „Falls sich jedoch – wie von der WHO befürchtet – Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ herausstellt, muss über den Stoff neu diskutiert werden.“, so die Feststellung. Daher empfiehlt das UBA weitere Forschungen.

EFSA antwortet auf Kritiker-Brief

Vor Kurzem hat die EFSA auf einen offenen Brief zur den widersprüchlichen Bewertungen von Glyphosat geantwortet. Ende November hatten Kritiker aus Wissenschaft und Politik einen Brief an die EU-Behörde gesandt und um Stellungnahme gebeten. Im Antwort-Brief erklärt Bernhard Url, Direktor der EFSA, dass die Screening-Bewertung der Internationalen Krebsforschungsagentur nicht mit der umfassenderen Risikobewertung, wie sie von Behörden wie der EFSA durchgeführt wird, vergleichbar sei.

Glyphosat sei zudem nicht der erste chemische Stoff, bei dem ein Unterschied zwischen dem IARC-Screening und der abschließenden umfassenden Bewertung durch Zulassungsbehörden besteht, heißt es in den Brief. Das breite Screening von IARC decke sowohl den Wirkstoff Glyphosat als auch Glyphosat-basierte Pflanzenschutzmittel-Rezepturen ab, während die EFSA sich nur auf den Wirkstoff konzentrierte, wie es das EU-Recht vorschreibt. Um wissenschaftliche Divergenzen zwischen den beiden Behörden entgegen zu wirken, plant die EFSA in 2016 ein Treffen mit der IARC, um die unterschiedlichen Nachweisverfahren und Methoden zu diskutieren, die in den beiden Organisationen zur Anwendung kommen.

 

Arbeitsgemeinschaft Glyphosat warnt vor Hysterie

Peter Hefner von der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG) warnt vor Hysterie und weist auf die wichtige Aussage des Umweltbundesamtes(UBA) hin, dass bei den Untersuchungen "der höchste gemessene Wert um den Faktor 1.000 niedriger ist, als die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) für vertretbar hält". Heute sei mit den hochempfindlichen Analysemethoden quasi alles nachzuweisen, was gesucht wird. Daher gehe es nicht um den Nachweis eines Stoffes, sondern um die gefundenen Mengen und die Wirkung, wenn man solche Befunde sachgerecht bewerten will.

Die AGG fordert, die Risiken nicht zu überzeichnen und den Nutzen des Wirkstoffs Glyphosat nicht unter den Teppich zu kehren. "Glyphosat gehört seit Jahrzehnten weltweit zu den wichtigsten Wirkstoffen für die Unkrautbekämpfung und ist ein Wegbereiter für bodenschonende Anbauverfahren. Der Wirkstoff ist weltweit umfassend von Zulassungsbehörden geprüft worden, stets mit positivem Ergebnis", betont Hefner

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