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Gassigehen

Überdüngung durch Hundekot? Studie mit eindeutigem Ergebnis

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am Montag, 21.02.2022 - 10:50 (4 Kommentare)

Belgische Forscher haben die Nährstoffeinträge durch Hunde untersucht. Die Höhe der Nährstoffbelastung hat sie überrascht. So hoch sind die Auswirkungen auf die Umwelt.

Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft sind seit Jahren ein großes Thema. Immer wieder werden die Düngegesetze verschärft.

Für viele Naturschutz- und Wasserschutzgebiete sind hohe Stickstoff- und Phosphorimmissionen ein Problem. In der politischen Debatte lag die Schuld bislang ausschließlich bei der Landwirtschaft. Forscher der belgischen Universität Ghent haben nun eine neue Quelle der Überdüngung in den Fokus genommen: Hundehaufen.

Überdüngung durch Gassigehen

In einer Studie haben sie die Nährstoffeinträge durch Hunde in Stadtnähe untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Hunde ebenfalls stark zur Nährstoffbelastung beitragen können. Die Hunde erhalten ihr Futter zuhause und scheiden die Nährstoffe auf Spaziergängen aus.

Für ihre Studie haben die belgischen Forscher 18 Monate lang die Hunde in vier Naturschutzgebieten rund um Gent erfasst. Dabei wurden insgesamt mehr als 1600 Hunde gezählt. Jeder Hund hinterlässt geschätzt

  • 11 kg Stickstoff (N) und
  • 5 kg Phosphor (P) pro Hektar.

Stickstoffeinträge vergleichbar mit Landwirtschaft und Industrie

Damit sind die Einträge vergleichbar mit den Stickstoffeinträgen, die durch die Luft in Naturschutzgebiete eingetragen werden. Diese Luftimmissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft können in Belgien bis zu 25 kg N/ha/Jahr erreichen.

Ebenfalls berücksichtigt haben die Forscher bei ihren Berechnungen Unterschiede zwischen angeleinten und nicht angeleinten Hunden. Insgesamt wurden durchschnittlich

  • 126 kg N/ha am Weg eingetragen und
  • 4 kg N/ha auf den Flächen der Naturschutzgebiete.
  • Wurden die ausschließlich an der Leine ausgeführt, erhöhte sich der Stickstoffeintrag am Wegesrand auf 175 kg N/ha und Jahr.

Haben Hundebesitzer die Haufen entfernt und im Beutel entsorgt, halbierten sich die N-Einträge. Die Phosphor-Immissionen reduzierten sich fast komplett, da Phosphor kaum im Urin vorkommt.

Hundeverbot im Naturschutzgebiet?

„Wir waren überrascht, wie hoch die Nährstoffeinträge durch Hunde sein können“, sagt Prof. Pieter De Frenne, der die Studie geleitet hat. „Atmosphärische Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr bekommen zurecht viel Aufmerksamkeit durch die Politik, aber Hunde wurden in dieser Hinsicht komplett vernachlässigt.“ Der Wissenschaftler möchte Hundebesitzer für das Problem sensibilisieren. Sie sollten die Hinterlassenschaften zumindest im Beutel entsorgen. In besonders empfindlichen Naturschutzgebieten hält er eine Leinenpflicht oder gar ein Hundeverbot für sinnvoll. 

Der deutsche Pflanzenökologe Christoph Leuschner schätzt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, dass die Ergebnisse auf Deutschland übertragbar sind. Die Hundedichten seien vergleichbar. Er schätzt, dass es in Deutschland 11 Millionen Hunde gibt. Das seien enorme Mengen an Nährstoffen.

Mit Material von Universiteit Ghent, The Guardian, Deutschlandfunk

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