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Zulassung

Umstrittener Pflanzenschutz: Kupfer darf bleiben

Pflanzenschutz im Weinberg
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
03.12.2018

Vor allem im Ökolandbau ist Kupfer unverzichtbar, sagen die Anbauer. Es ist toxisch für Bodenlebewesen, sagen die Gegner. Jetzt wurde die Zulassung verlängert.

Seit Jahren ist Kupfer als Pflanzenschutzmittel mit fungizider Wirkung umstritten. Im Ökolandbau bildet er eine tragende Säule der Qualitätssicherung. Jetzt haben die EU-Mitgliedsstaaten der weiteren Verwendung grünes Licht gegeben; allerdings nur für 7 statt der üblichen 15 Jahre.

Damit darf Kupfer in der Europäischen Union auch künftig eingesetzt werden. Die Mitgliedstaaten billigten den Vorschlag der EU-Kommission. Sie stimmten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) in Brüssel mit qualifizierter Mehrheit für eine Verlängerung der Zulassung.

Gnadenfrist sieben Jahre

Kupferverbindungen werden aufgrund ihrer Persistenz und Toxizität als Substitutionskandidaten eingestuft. Das bedeutet, dass sie vorm Markt verschwinden sollen, sobald es gleichwertige oder bessere Wirkstoffe gibt.

Die Zulassung darf daher, wie geschehen, nur für maximal sieben Jahre ausgesprochen werden. Ansonsten sind für Pflanzenschutzmittel in der Regel maximal 15 Jahre zulässig.

Die bisherige EU-weite Genehmigung für kupferhaltige im Pflanzenschutz läuft am 31. Januar 2019 aus.

Für den Kommissionsvorschlag stimmten 22 Mitgliedsländer, die fast 90 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien. Dagegen votierten Belgien, die Niederlande und Dänemark. Enthaltungen kamen aus der Slowakei, Tschechien sowie Slowenien.

4 kg/ha dürfen es noch sein

Während der kommenden sieben Jahre dürfen die landwirtschaftlichen Betriebe insgesamt eine Höchstmenge von 28 kg reines Kupfer pro Hektar ausbringen, im Schnitt pro Jahr also 4 kg/ha. Noch bis in die 1960-er Jahre wurden beispielsweise im Wein- und Hopfenanbau 50 kg/ha und mehr ausgebracht.

Die EG-Ökoverordnung schreibt für den Ökolandbau schon seit 2006 maximal 6 kg/ha Kupfer fest. Die deutschen Bioverbände haben diese gesetzlichen Vorgaben seit dieser Zeit teilweise noch weitergehend gedrosselt, auf 3 kg/ha bzw. ganz verboten.

Wogegen Kupfer wirkt

Das Edelmetall wird zur Bekämpfung von Pilz- und Bakterienkrankheiten eingesetzt. Das gilt vor allem im Biolandbau, weil dieser keine synthetischen Wirkstoffe nutzen darf.

In Deutschland werden kupferhaltige Pflanzenschutzmittel vorwiegend in den Dauerkulturen Hopfen, Wein und Obst sowie der Ackerbaukultur Kartoffel als Fungizid eingesetzt.

Derzeit können nach Aussage der Experten weder konventionell noch ökologisch wirtschaftende Betriebe in absehbarer Zeit auf Kupfer verzichten.

Mit Material von AgE, JKI
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