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Pflanzenbaukolumne Kopfdünger

Warum wir uns von kranken Sorten verabschieden müssen

Mit Septoria befallener Weizen
am Freitag, 30.10.2020 - 10:14 (Jetzt kommentieren)

Ackerbauer Phillip Krainbring sagt, dass wir uns ertragreiche, aber eher anfällige Sorten künftig nicht mehr leisten können.

Mit der Herbstbestellung legen wir eine wichtige Grundlage für die kommende Ernte. Doch die Herausforderungen steigen, einen gut etablierten Pflanzenbestand in den Winter zu verabschieden.

Schuld daran sind immer extremere Wetterlagen, aber auch politische Entscheidungen, die uns mehr und mehr einschränken. Wenn ich an Themen wie Düngeverordnung, rote Gebiete, Trockenheit und Wegfall von Pflanzenschutzmitteln denke, muss ich im Herbst schon den Blick ins Frühjahr richten.

Kranke Sorten passen nicht zu integriertem Pflanzenschutz

Nicht nur die Herausforderungen wachsen, sondern auch die Möglichkeiten werden vielfältiger.

Schon bei der Sortenwahl ist die Palette deutlich breiter. Robuste Sorten, die wenig anfällig gegenüber Krankheiten sind, rücken in den Fokus. Ich meine, dass wir uns von Sorten verabschieden müssen, die zwar ein hohes Ertragspotenzial haben, aber krankheitsanfällig sind und damit einen höheren Bedarf an Pflanzenschutzmitteln haben.

Die Auswahl solcher Sorten hat nichts mit integriertem Pflanzenschutz zu tun.

Alternative Beizen: mehr Dinge ausprobieren

Auch bei der Saatgutbehandlung beobachte ich viel Bewegung. Physikalische Verfahren und alternative Beizen mit Nährstoffen und ­Bio­stimulanzien sind mehr und mehr am Markt zu finden.

Ich denke, dass wir auch hier noch mutiger sein müssen und einfach Dinge aus­probieren.

Wissensaustausch ist das A und O

Wir müssen diesen Themen offen gegenüberstehen, mutig nach vorne gehen und nicht warten, bis es uns auf einem Teller fertig serviert wird.

Klar, nicht jeder kann alles ausprobieren. Aus diesem Grund ist ein Wissenstransfer zwischen den Betrieben enorm wichtig.

Für jeden Betrieb sind die Entscheidungen ganz individuell, und das ist auch gut so.

Es wird nicht einen Weg geben, auch wenn gerade unsere Politiker sich das gerne wünschen. Die vielfältigen Lösungen bringen uns als Landwirtschaft am Ende weiter nach vorne.

Zum Autor: Phillip Krainbring

Phillip Krainbring

Der Junglandwirt stammt ursprünglich aus Ostholstein und führt heute einen Ackerbaubetrieb in der Magdeburger Börde. Er bloggt mit besonderer Leidenschaft für den Boden auf Instagram, Facebook und auf seiner Seite erklaerbauer.de.

Als Agrarsout schlägt er regelmäßig die Brücke zwischen Bauern und Verbraucher, unter anderem auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Im Oktober 2019 wurde Phillip Krainbring mit dem CeresAward in der Kategorie Ackerbauer ausgezeichnet.

Für agrarheute schreibt er regelmäßig in unserer Kolumne „Kopfdünger“.

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Dieser Kopfdünger-Beitrag ist in der agrarheute-Ausgabe Oktober 2020 erschienen.

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