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Uran im Dünger: Bund sieht keinen Regelungsbedarf

von , am
13.06.2012

Berlin - Die Bundesregierung sieht im Zusammenhang mit möglichen Urangehalten in Düngemitteln nach wie vor keinen Regelungsbedarf.

Teurer Dünger: Die Preise von Harnstoff und Phosphor sind kräftig gestiegen. © Mühlhausen/landpixel
Das hat der Parlamentarische Staatssekretär vom Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser, in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen bekräftigt. Man halte nach derzeitigem Kenntnisstand an der Einschätzung fest, dass weder Kennzeichnungsschwellenwerte noch Grenzwerte für Uran in mineralischen Phosphat-Düngemitteln notwendig seien, heißt es in der Antwort.
 
Danach liegen der Regierung keine wissenschaftlich begründeten Daten vor, "die eine wissensbasierte Entscheidung über die Notwendigkeit zur Einführung von Kennzeichnungs- beziehungsweise Grenzwerten ermöglichen".

Verfügbarkeit von Phosphat-Düngemitteln gefährdet

Zudem fehlten Daten, die eine wissenschaftlich fundierte Ableitung eines gegebenenfalls notwendigen Grenzwertes ermöglichen würden. Der Vorschlag, für Cadmium geltende Grenzwerte auf Uran zu übertragen, würde laut Regierung dazu führen, dass 90 Prozent aller Phosphatdüngemittel nicht mehr verfügbar wären. Bleser wies darauf hin, dass der Wissenschaftliche Beirat für Düngungsfragen des Agrarressorts im Februar 2013 ein Fachgespräch zum Thema Uran in Düngemitteln durchführen werde.

Behm kritisiert unzureichendes Problembewusstsein

Die Sprecherin für Ländliche Entwicklung und für Waldpolitik der Grünen-Fraktion, Cornelia Behm, warf der Bundesregierung vor, sie lasse sich in ihrer Bewertung vorrangig von der Rücksichtnahme auf die Wirtschaft und nicht von der erforderlichen Risikobewertung leiten. Für Behm ist es nicht nachvollziehbar, warum die Bundesregierung weiter davon ausgehe, dass die Urankonzentrationen im Grundwasser weitgehend von der geogenen Zusammensetzung der wasserführenden Gesteine abhängig seien und gleichzeitig die Frage zum geschätzten Anteil des Urans in Grund- und Oberflächengewässern aus der Düngerfracht unbeantwortet lasse. Dazu werde lediglich festgestellt, dass eine direkte Messung des Urananteils in Grund- und Oberflächengewässern, der aus der Düngung stamme, aus methodischen Gründen derzeit nicht möglich sei, so die Grünen-Politikerin in einer Presseverlautbarung.

Mittel- und langfristige Entwicklung beobachten

Hinzu komme, dass es im Zusammenhang mit einem möglichen Handlungsbedarf beim Uran in Phosphatdüngemitteln nicht nur um die Frage gehe, ob der Anteil des düngerbürtigen Urans im Grundwasser bereits jetzt problematisch sei. Vielmehr müsse auch geprüft werden, ob dieser Anteil mittel- bis langfristig problematisch werden könne. Zwar gebe es erste Erkenntnisse, dass Uran im Boden weitaus weniger mobil sei als bisher angenommen. Dies reiche aber noch nicht aus, um diesen Fall ausschließen zu können, betonte die Abgeordnete. Hier seien ausgiebigere Abschätzungen der möglichen Auswaschung nötig.
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