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EU-Kommission

Verbot endokriner Disruptoren: Getreidefungizide könnten wegfallen

Pflanzenschutzmittel ausbringen auf Gerste
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Julia Eder, agrarheute
am
06.07.2017

Die EU-Mitglieder einigten sich auf Regeln zur Bestimmung endokriner Disruptoren. Die Folge: 26 Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln könnten vom Markt genommen werden. Betroffen sind vor allem Getreidefungizide.

Die EU hat diese Woche einen wichtigen Schritt hin zu einer Regelung gemacht, wenn es darum geht, endokrine Disruptoren im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten zu bestimmen. Vertreter der EU-Mitgliedstaaten einigten sich auf einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission.

Wie werden endokrine Disruptoren künftig bestimmt?

Künftig soll bei der Identifizierung von endokrinen Disruptoren ein solider wissenschaftsgestützter Ansatz zugrunde gelegt und der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefolgt werden. Diese definiert einen Stoff als endokrinen Disruptor, wenn

  • er eine schädigende Wirkung für die menschliche Gesundheit hat
  • er eine endokrine Wirkungsweise aufweist
  • eine Kausalbeziehung zwischen der schädigenden Wirkung und der endokrinen Wirkungsweise besteht.

Damit werden die Schäden für das Hormonsystem mit bisherigen Ausschlusskriterien gleichgestellt, wie karzinogene, mutagene, reproduktionstoxische (CMR) Stoffe.

Was sind endokrine Disruptoren?

Endokrine Disruptoren sind sowohl natürlich vorkommende als auch chemische Stoffe, die die Funktion des Hormonsystems stören und dadurch schädigende Wirkung bei Menschen oder Tieren hervorrufen können. Im Agrarsektor werden mit der Neuregelung vor allem Einschränkungen bei der Bekämpfung von Getreidepilzen befürchtet.

Wann gilt die Regelung für endokrinen Disruptoren?

Wenn die EU-Mitgliedstaaten und das Europaparlament keinen Einspruch erheben, werden die neuen Kriterien für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in einem halben Jahr angewendet. Allerdings fehlen noch Leitlinien für die Einzelheiten, etwa welche Tests vorgenommen werden müssen, um die Eigenschaft festzustellen.

Welche Folgen haben die neuen Bestimmungskriterien von endokrinen Disruptoren?

Die Europäische Lebensmittelbehörde (Efsa) und die Europäische Chemikalienagentur (Echa) arbeiten zurzeit an den Leitlinien, die letztendlich darüber entscheiden, wieviel Pflanzenschutzmittel zukünftig wegfallen werden. Die EU-Kommission geht bisher von 26 Wirkstoffen auf dem Markt aus, die das Hormonsystem schädigen. Betroffen sind vor allem Getreide-Fungizide.

Sobald die Regelung umgesetzt wird, könne sichergestellt werden, dass jeder Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der als endokriner Disruptor für Menschen und Tiere identifiziert wird, geprüft und vom Markt genommen werden kann. Das sagte EU-Kommissar Vytenis Andiukaitis, zuständig für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Er sieht die Abstimmung als Erfolg.

Mit Material von aiz

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