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Kommentar

Verschärfte Düngeverordnung: Schöner Mist

Gülleausbringung
am Montag, 27.01.2020 - 16:45 (Jetzt kommentieren)

Pflanzen benötigen Nährstoffe in einem „ausgewogenen“ Verhältnis, damit sie optimal wachsen. Die verschärfte Düngeverordnung tritt die gute fachliche Praxis mit Füßen.

Die Politik zwingt Landwirte in die Knie. Von der verschärften Düngeverordnung, die 2017 in Kraft getreten ist, ist jeder betroffen: Tierhalter, Ackerbauer und Lohnunternehmer gleichermaßen. „Ich habe die Nase nun endgültig voll,“ mag sich der ein oder andere von Ihnen nun - verständlicherweise – denken.

Verschärft hat sich in der Zwischenzeit vor allem die Stimmung der Landwirte gegenüber der Politik. Denn der Status quo von vor 2 Jahren soll schon wieder überarbeitet und angepasst werden. Auf Druck der EU verschärft Deutschland die Düngeregeln ein weiteres Mal. So wie es derzeit scheint, zu Lasten der Landwirte. Wenn das Anliegen nicht so brisant wäre, würde ich an dieser Stelle sagen: Shit happens.

Wo bleibt der Sachverstand?

Vor genau einem Jahr haben wir uns im agrarheute-Titelthema intensiv mit dem Thema Gülle auseinandergesetzt – und heute tun wir es immer noch. Lässt sich Pflanzenbau weiterhin ökonomisch betreiben, wenn – wie in den Bundesauflagen gefordert – die Düngung mit 20 Prozent unter Bedarf in roten Gebieten zu erfolgen hat oder die Nichtdüngung von Zwischenfrüchten gesetzliche Auflage wird? Meiner Meinung nach nicht, denn die Erträge als auch die geforderten Qualitäten können so nicht mehr erzeugt werden.

Wenn es soweit kommt, dass von Landwirten Maßnahmen abgefordert werden, die jeder guten fachlichen Praxis widersprechen und nicht einmal positive Auswirkungen auf den Umwelt- und Wasserschutz haben, kann man nur den Kopf schütteln und der Politik Versagen vorwerfen. An dieser Stelle wäre es definitiv sinnvoll gewesen, sich vor Veröffentlichung des Referentenentwurfs zur Verschärfung des Düngerechts den Rat von Experten, also Landwirten, einzuholen. Anscheinend habe ich die Aufforderung der Politik bezüglich der Kommunikation falsch verstanden. War die Zauberformel nicht miteinander reden, statt mit dem Finger auf den anderen zu zeigen?

Schnell nach Lösungen suchen

Als Reaktion wird von Landwirten auf bundesweiten Kundgebungen unter anderem Kritik am Messsystem für Nitrat im Grundwasser geäußert. Sind die Messwerte repräsentativ? Fragen sich Betroffene zurecht. Eine Überprüfung wird von dem ein oder anderen Landesoberhaupt nun versprochen.

Eigentlich sollte man gemeinsam für bestehende Zielkonflikte Lösungsmöglichkeiten finden. Was stattdessen kommt, sind von oben diktierte Ausbringmengen und weitere Vorschriften bei der Ausbringtechnik. So sind beispielsweise Prallkopf- und Schwenkverteiler auf Ackerland nach Ende der aktuellen Sperrfrist nicht mehr erlaubt.

EU-Kommission auf hartem Kurs

Die Europäische Kommission bleibt hinsichtlich der geforderten Verschärfung der Düngeverordnung weiter bei ihrer harten Haltung. Der Generaldirektion Umwelt reichen die im Referentenentwurf vorgesehenen strengeren Regulierungen nicht aus. Etwaige Erleichterungen etwa bei der Düngung unter Bedarf in Roten Gebieten oder beim Verbot der Düngung von Zwischenfrüchten rücken damit erst Recht in weite Ferne. Damit dürften etwaige
Erleichterungen bei der Novellierung des Düngerechts in weite Ferne gerückt sein - schöner Mist.

 

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