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Konservierende Bodenbearbeitung

Versuch: Bodenleben ohne Pflug und Glyphosat

Drohnenfoto Feldtag
am Mittwoch, 04.11.2020 - 14:07 (Jetzt kommentieren)

Die Alternative für Pflugverzicht hieß bisher Glyphosateinsatz. Ein Projekt soll jetzt untersuchen, ob konservierende Bodenbearbeitung auch ohne Glyphosat geht.

Auf einem Feldtag in Niedersachsen hat die Gesellschaft für Konservierende Bodenbearbeitung e.V. (GKB) kürzlich den aktuellen Stand ihres Projektes „Smarte Unkrautkontrolle“ präsentiert. Das Projekt untersucht Alternativen zum Glyphosateinsatz im pfluglosen Ackerbau. Die Versuchsflächen bewirtschaften die beiden Landwirte Burkhard Fromme und Holger Bese aus Königslutter. Sie sind in der GKB aktiv und wirtschaften selbst seit Jahren pfluglos.

Unkraut mechanisch, elektrophysikalisch oder biologisch bekämpfen

In diesem Sommer etablierten Fromme und Bese nach der Sommergerste zunächst eine vielfältige Zwischenfruchtmischung.  Anfang Oktober folgte schließlich die Aussaat des Winterweizens mit der Direktsaatdrille SLY Boss. Die Drille schlitzt das Saatgut seitlich in den Boden, um die Erde und Erntereste unberührt zu lassen. Zur Unkrautkontrolle im Versuch wählten die Landwirte folgende Methoden:

Auf biologische Weise sollen Untersaaten das Unkraut unterdrücken. Diese wurde bereits im letzten Jahr, im Körnermais etabliert. Die Zasso Electroherb tötete das Unkraut hingegen auf elektrophysikalische Weise ab.

Außerdem wurden noch drei mechanische Optionen getestet: Auf diesen Parzellen liefen jeweils die Kurzscheibenegge Crosscutter von Väderstad, der Flachgrubber Corona von Kerner und schließlich noch der Feingrubber Allrounder von Köckerling, der normalerweise im Betrieb läuft. Eine Kontrollparzelle wurde zusätzlich mit Glyphosat behandelt.

Pfluglos hilft Mykorrhizapilzen

Eine besonders wichtige Rolle spielt im Projekt das Bodenleben. Deshalb erfasst die GKB die Regenwürmer auf den Versuchsflächen. Das kooperierende Institut für Pflanzenkultur untersuchte die Flächen hingegen auf Mykorrhizapilze.

Regenwürmer gelten als leicht erfassbare Zeigerart für ein vitales Bodenleben. Mykorrhizapilze sind für Pflanzen hingegen wichtige Nützlinge, sie gehen Symbiosen mit Pflanzenwurzeln ein und helfen bei der Nährstoffaufnahme.

Auf den beiden Versuchsflächen gab es verhältnismäßig hohe Mykorrhiza-Vorkommen; 20 beziehungsweise 10 Prozent der Wurzeln waren mykorrhiziert. Carolin Schneider vom Institut für Pflanzenkultur erklärt sich die Ergebnisse mit dem langjährigen Verzicht auf den Pflug.

Auf konventionellen, regelmäßig gepflügten Feldern seien oft keine aktiven Mykorrhiza zu finden, berichtete sie. Einige pfluglosen Biobetriebe erreichten hingegen sogar 30 Prozent.

Besonders viele Pilzsymbiosen fanden sich in der durchgehend begrünten Parzelle: hier gingen fast 30 Prozent der Pflanzen eine Symbiose mit den Pilzen ein. Insgesamt gab es zwischen den einzelnen Varianten jedoch keine signifikant großen Unterschiede.

Regenwürmer lieben Pflanzenreste

Mykorrhizapilze können als Sporen jahrelang im Boden schlummern. Sie werden erst, wenn Bedingungen und Kultur stimmen. Einige Hersteller bieten Mykorrhiza als Biostimulanzien an. Carolin Schneider sieht die aber mit gemischten Gefühlen, denn wie aktiv die verkauften Sporen sind, ist vor dem Kauf nicht bekannt.

Beim Erfassen der Regenwürmer werden die Tiere mithilfe von Senföl in ein zuvor ausgehobenes Loch hochgetrieben und gezählt. Die endgültigen Regenwurmzahlen waren zum Zeitpunkt des Feldtages noch nicht verfügbar.

Aber vorherige Zahlen zeigten, dass die Verfügbarkeit von Nahrung in Form von Pflanzenresten für Würmer wichtiger als die Bodenbearbeitung ist. Auf der mit Glyphosat behandelten Parzelle und in der Untersaat werden daher mehr und größere Regenwürmer erwartet.

Strom schadet Bodenleben nicht

Anders als oft angenommen, gab es bei der elektrophysikalischen Unkrautbekämpfung keine negativen Effekte auf das Bodenleben. Weder aktive Mykorrhizapilze noch Regenwürme schienen die unter Strom gesetzte Fläche zu meiden. Allerdings war diese Variante mit 150 bis 170 € pro Hektar die kostspieligste. Trotzdem schaffte sie es nicht, alles Unkraut zu beseitigen.

Das Projekt läuft noch bis 2023. Gefördert wird das EIP Agri-Projekt vom Land Niedersachsen und der EU.

Über Videos lässt sich das Projekt auch direkt auf der Webseite der GKB verfolgen.

Mit Material von GKB e.V.

Statt Glyphosat: Mechanik, Bio und Strom

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