Login
Forst

Waldzustandsbericht: Seit 1984 keine gesünderen Kiefern

von , am
05.02.2013

Berlin - Bestwerte bei Kiefern, Buchen, die sich erholen - dem Wald in Deutschland geht es besser. Nur bei Eichen sieht es nicht so rosig aus: Sie leiden unter Raupen und Pilzbefall.

Die Bilanz nach dem Orkan "Xaver": Keine erwähnenswerten Schäden. © Sabine Hornbostel/pixelio
Der Zustand des Waldes in Deutschland hat sich 2012 im Vergleich zum Vorjahr weiter verbessert. Das zeigt die jüngste Waldzustandserhebung, den das Bundeslandwirtschaftsministerium am Montag veröffentlicht hat.
 
Erholt haben sich vor allem die Buchen. Der Kiefer geht es so gut wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Eichen weisen hingegen schon seit rund zehn Jahren einen schlechten Kronenzustand auf. Dieser Trend setzt sich aufgrund eines hohen Befalls von Raupen und der Pilzkrankheit Mehltau fort.
 
Insgesamt haben 39 Prozent der Waldfläche keine Schäden an den Baumkronen, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 36 Prozent der Bäume weisen leichte Schäden auf (2011: 35 Prozent). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Kronenverlichtungen ist von 28 Prozent im Jahr 2011 auf nun 25 Prozent gesunken. Im Durchschnitt hat sich die Kronenverlichtung von 20,4 auf 19,2 Prozent vermindert.

Fichten bleiben unverändert

Bei der Fichte beträgt der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen unverändert 27 Prozent. Auf die Schadstufe 0 entfallen 38 Prozent, gegenüber 40 Prozent im Vorjahr.

Kiefern im bestem Zustand seit Beginn der Erhebung 1984

Bei der Kiefer beträgt der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen nur noch elf Prozent, 50 Prozent der Bäume wiesen gar keine Kronenverlichtung auf. Die mittlere Kronenverlichtung der Kiefer ist mit 14,5 Prozent so gering wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984.
 
Das ist nicht zuletzt der konsequenten Überwachung und den bei Bedarf ergriffenen Forstschutzmaßnahmen zu verdanken, resümiert das Bundeslandwirtschaftsministerium.

Buchen deutlich gesünder

Der Zustand der Buchen hat sich stark verbessert. Der Anteil der deutlichen Kronenverlichtung ist von 57 auf 38 Prozent gesunken, der Anteil der Bäume ohne Schaden ist von zwölf auf 22 Prozent gestiegen.
 
Die hohe Verlichtung des Jahres 2011 war unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Bäume viele Bucheckern gebildet hatten. Dies bedeutet für die Bäume einen Kraftakt, der sich in einer entsprechend schlechteren Belaubung niederschlägt. 2012 haben die Bäume fast gar keine Bucheckern getragen und konnten sich daher erholen.
 
Der Kronenzustand ist jedoch noch immer schlechter als vor 2004. Damals gab es ebenfalls viele Bucheckern, und die Bäume litten an den Folgen des Extremsommers 2003.

Zustand der Eichen verschlechtert sich

Bei der Eiche ist der Anteil der deutlichen Kronenverlichtung von 41 auf 50 Prozent angestiegen. Nur noch 17 Prozent weisen keine Schäden auf.
 
Der Zustand der Baumart geht vor allem auf Schäden durch Insekten zurück, da die Raupen verschiedener Schmetterlingsarten im Frühling die jungen Blätter fressen. Besonders bedeutend sind der Grüne Eichenwickler sowie der kleine und der große Frostspanner. Diese Raupen können ganze Eichenwälder kahl fressen. Zunehmend kommt es auch zu Schäden durch den Eichenprozessionsspinner. Von seinen Raupen kann eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit ausgehen, da ihre Brennhaare Hautreizungen und pseudoallergische Reaktionen hervorrufen.
 
Die Eichen können den durch Raupenfraß verursachten Blattverlust durch Neuaustrieb ausgleichen, der jedoch häufig von Mehltau befallen wird. Das weiße Pilzgeflecht entzieht den Blättern Nährstoffe; stark befallene Blätter sterben ab. Der wiederholt starke Befall durch Raupen und Mehltau hat viele Eichen geschwächt.

Gesundheitsindikator Baumkrone

Rund ein Drittel der Landesfläche in Deutschland besteht aus Wald (11,1 Millionen Hektar).
 
Die häufigsten Baumarten sind hierzulande
  • Fichte (28 Prozent)
  • Kiefer (24 Prozent)
  • Buche (15 Prozent)
  • Eiche (zehn Prozent).
Alle vier Baumarten nehmen zusammen rund drei Viertel der Waldfläche ein.
 
Als Indikator für den Zustand des Waldes dient den Förstern die Bewertung der Baumkrone. Die Abweichung von einem voll benadelten/voll belaubten gesunden Baum der jeweiligen Art (Kronenverlichtung) wird in mehreren Stufen ermittelt.
 
Die Schadstufen 2, 3 und 4 werden der Kategorie "deutliche Kronenverlichtungen" zugeordnet. Das entspricht einer Kronenverlichtung von mehr als 25 Prozent. Schadstufe 1 mit Kronenverlichtungen zwischen elf und 25 Prozent gilt als Warnstufe. Schadstufe 0 umfasst alle Bäume mit bis zu zehn Prozent Kronenverlichtung. Die mittlere Kronenverlichtung ist der Mittelwert aller untersuchten Bäume. 

Waldzustand wird seit 1984 beobachtet

Der Waldzustand wird seit 1984 basierend auf einem systematischen Netz von Stichproben jährlich in den Monaten Juli und August von den Ländern erhoben. Die erhobenen Daten werden von den Ländern an das Institut für Waldökosysteme des Thünen-Instituts übermittelt und dort im Auftrag des BMELV ausgewertet. 

Holz als alternative Energiequelle

Auch interessant