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Düngeverordnung

Wasserwirtschaft kritisiert zu kleine Rote Gebiete

Ein Messwagen kontrolliert die Grundwasserqualität
am Freitag, 22.01.2021 - 13:50 (3 Kommentare)

Die Wasserwirtschaft wirft den Ländern vor, die Roten Gebiete mit Tricks kleinzurechnen. Von den Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie und der Düngeverordnung werde schon wieder abgewichen.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat die Maßnahmen der Länder zur Umsetzung der Bundesdüngeverordnung und der Verwaltungsvorschrift zur Gebietsausweisung überprüft. Das Ergebnis: Nach Auffassung des BDEW werden die Vorgaben und Ziele der EU-Nitratrichtlinie nicht erfüllt.

Im Gegenteil, die Bundesländer wollten die bestehenden Schutzgebiete sogar weiter reduzieren, so der Verband. Sie würden damit „eine noch umfangreichere Düngung landwirtschaftlicher Flächen als bisher“ ermöglichen. Das sei ein Rückschritt für den Gewässerschutz.

BDEW: Nitrat-Überschreitungen werden "wegdefiniert"

Der BDEW kritisiert, dass die mit Nitrat belasteten Gebiete künftig nicht mehr aufgrund tatsächlicher Messwerte, sondern auf Basis einer Modellberechnung ausgewiesen werden sollten. Grundlage für die Berechnung seien Standortfaktoren wie Bodenart, Nitrateintragsrisiken und Witterungsverhältnisse. In der Praxis führe das zu erheblichen Reduzierungen der nitratgefährdeten Flächen, sagt BDEW-Hauptgeschäftsführer Martin Weyand.

„Schleswig-Holstein plant zum Beispiel eine Reduzierung seiner Roten Gebiete um rund 50 Prozent, Nordrhein-Westfalen um 23 Prozent - obwohl die Grundwasserbereiche nach der Wasserrahmenrichtlinie in „schlechtem Zustand“ sind, kritisiert Weyand. Bisherige Nitrat-Überschreitungen im Grundwasser, die im Gegensatz zu den Modellierungsergebnissen stünden, würden „wegdefiniert“ oder als Ausreißer deklariert.

Rote Gebiete erst nach messbarem Erfolg verkleinern

Weyand fordert, die Roten Gebiete dürfen erst verkleinert werden, wenn die Nitratbelastung im Grundwasser tatsächlich – durch Messungen erwiesen – gesenkt worden seien und die Grenzwerte eingehalten würden.

Der BDEW kritisiert ferner, dass die Länder auch die eutrophierten Gebiete nicht richtig auswiesen. Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Bayern hätten gelbe Gebiete bisher noch nicht kartiert, obwohl seit Jahren deutliche Hinweise auf überhöhte Phosphatbelastungen vorlägen. Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz lehnten die Festlegung aufgrund fehlender oder unzureichender Messdaten sogar gänzlich ab.

Länder suchen angeblich Schlupflöcher für die Landwirtschaft

Nach Darstellung der Wasserwirtschaft versuchen darüber hinaus etliche Bundesländer, „mit umfangreichen Ausnahmeregelungen eine Hintertür für große Teile der Landwirtschaft offen zu halten“. So plane beispielsweise Bayern, über 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe pauschal von den Aufzeichnungspflichten zu befreien, selbst wenn sie in einem nitratbelasteten Gebiet liegen. Auch Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wollen Ausnahmen zulassen und begründen dies mit Bürokratieabbau.

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