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Weinlese in Frankreich: Erwartung gedämpft optimistisch

von , am
16.08.2011

Paris - Nach einer vom Statistischen Dienst Agreste des Pariser Landwirtschaftsministeriums vorgelegten Schätzung dürften 2011 in Frankreich 47,9 Millionen Hektoliter Wein anfallen.

Dies wären zwar sechs Prozent mehr als zur Lese 2010, die allerdings mit lediglich 45,4 Millionen Hektoliter zu den niedrigsten der vergangenen Jahre zählte. Der Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2010 würde mit der diesjährigen Ernte um zwei Prozent übertroffen.
 
Laut aktueller Schätzung der Fachleute legen alle wichtigen Weinkategorien zu. Für Weine mit kontrollierter Ursprungsangabe (AOP) wird ein Anstieg um sechs Prozent auf 22,99 Millionen Hektoliter prognostiziert, das wären zwei Prozent mehr als der längerfristige Durchschnitt.
 
Die Cognac- und Armagnac-Grundweine sowie andere Weine zur Spirituosenherstellung, die ebenfalls das AOP-Siegel tragen, dürften nach den ersten offiziellen Prognosen gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um zwei Prozent zulegen, und zwar auf 7,9 Millionen Hektoliter; damit würde die Menge in dieser Kategorie um etwa zwei Prozent über dem fünfjährigen Mittel liegen. Das Aufkommen an Weinen mit geschützter geographischer Angabe (IGP) schätzen die Statistiker des Agrarressorts auf 13,57 Millionen Hektoliter, das wären neun Prozent mehr als im Vorjahr und rund drei Prozent mehr als im fünfjährigen Mittel.

Regional große Unterschiede

Für das Weinbaugebiet Champagne prognostizieren die Statistiker das Aufkommen auf gut 2,7 Millionen Hektoliter, das wären zehn Prozent mehr als im Vorjahr, aber sechs Prozent weniger als der längerfristige Durchschnitt. Die Qualität wird hier als insgesamt gut eingestuft, und die Reife der Trauben ist infolge der diesjährigen Witterungsverhältnisse den Fachleuten zufolge bereits weit fortgeschritten. Im Anbaugebiet Bourgogne-Beaujolais dürfte mit gut 2,5 Millionen Hektoliter das Ergebnis aus dem vergangenen Jahr um elf Prozent und das längerfristige Mittel um ein Prozent übertroffen werden. Der Zustand der Reben wird insgesamt als gut bezeichnet. Der Lesebeginn ist für Ende August vorgesehen.
 
Im Elsass ist der Entwicklungsstand der Trauben witterungsbedingt ebenfalls weiter als zur Vergleichszeit 2010. Aufgrund heftiger Niederschläge im Juni und Juli konnte die zuvor anhaltende Trockenheit kompensiert werden, so dass dort weiterhin eine höhere Traubenernte als im Vorjahr erwartet wird. Die Winzer im Loire-Tal melden einen insgesamt guten Gesundheitszustand ihrer Reben, beobachteten allerdings mit Sorge einen beginnenden Befall von Botrytis, einer gefürchteten Pilzerkrankung, die jedoch mittlerweile weitgehend unter Kontrolle zu sein scheint.

Mehr Bordeaux-Weine erwartet

Das diesjährige Weinaufkommen in Südwestfrankreich, das die Departements Dordogne, Haute Garonne, Gers, Landes, Lot-et-Garonne, Tarn und Tarn-et-Garonne umfasst, soll nach aktuellen Schätzungen mit 5,44 Millionen Hektoliter um acht Prozent höher ausfallen als im Vorjahr. Für das Anbaugebiet Bordeaux wird ein Mengenzuwachs um zwei Prozent auf 6,1 Millionen Hektoliter prognostiziert; der mehrjährige Durchschnitt würde damit um fünf Prozent übertroffen.
 
Im südfranzösischen Anbaugebiet Languedoc-Roussillon, dessen Rebflächen gegenüber 2010 in einzelnen Departements um drei bis vier Prozent reduziert worden waren, dürfte die diesjährige Weinlese nach der kleinen Ernte 2010 bei weiterhin günstiger Witterung insgesamt höher ausfallen. Gemäß der jüngsten Schätzung von Agreste wird dort ein Aufkommen von 13,1 Millionen Hektoliter erwartet, das wären neun Prozent mehr als im Vorjahr, der längerfristige Durchschnitt würde jedoch um vier Prozent verfehlt. In den beiden Departements Charente und Charente-Maritime erwarten die Statistiker einen Rückgang der Erntemenge um zwei Prozent auf 8,56 Millionen Hektoliter, während das Mittel der vergangenen fünf Jahre um sieben Prozent übertroffen werden dürfte. (AgE)
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