Login
Glyphosat

Mit weniger auskommen

Prof. Dr. Bernhard Streit,/Fabienne Bauer/bes
am
13.11.2015

Mit diesen Tipps können Sie den Einsatz von Glyhosat auf ein Minimum reduzieren. Düsenwahl, Wassermenge und -härte sowie Zusätze sind ebenso bedeutsam wie der Spritztermin.

Glyphosat ist mengenmässig das am meisten eingesetzte Herbizid weltweit. Die öffentliche Meinung tendiert derzeit dazu, den Einsatz zu beschränken pder gar zu verbieten. So ist in jedem Fall ein sorgsamer Umgang mit der wertvollen Hilfe angesagt. Werden dabei einige Regeln beachtet, lässt sich der Einsatz vielfach auf ein Minimum reduzieren.

1. Wassermenge und Düsenwahl anpassen

Das Wirkstoffmolekül an sich wird nicht sehr gut von den Grünteilen der Zielpflanzen aufgenommen. Versuche zeigen, dass nebst der Wirkstoffmenge pro Fläche die Konzentration in den Wassertropfen über die Aufnahme in die Pflanzen entscheidet. Wassermengen weit unter 200 l/ha ermöglichen es, die Wirkstoffmenge zu reduzieren oder zumindest die Wirkung zu verbessern. Voraussetzung ist immer die gleichmässige Benetzung der Pflanzenteile. Dazu ist die Ausbringtechnik anzupassen. Manchmal reicht eine höhere Fahrgeschwindigkeit. Besser ist es, die Düsenwahl anzupassen.

2. Umweltbedingungen stärker berücksichtigen

Die Umweltbedingungen während der Spritzung haben gerade bei geringen Wassermengen einen großen Einfluss auf die Wirkung. Die relative Luftfeuchte sollte nicht zu tief und die Temperatur nicht zu hoch sein, wobei oft konkrete Anhaltspunkte dafür fehlen. Studien dazu ergaben, dass der ideale Ausbringungstermin vor Sonnenaufgang liegt. 

3. Formulierung und Zusatzstoffe exakt erfragen

Glyphosat kann mit Kationen und besonders mit Calcium-Ionen (Ca2+) eine Bindung eingehen, die so stark ist, dass der Übertritt in die Pflanzen und die Wirkung am Zielort behindert werden kann. Deshalb verbessert die Zugabe von Ammoniumsulfat (AMS) zur Spritzbrühe die Wirkung signifikant. So wird besonders bei hartem Wasser mit hohem Kalkgehalt die Bildung von Calcium-Sulfat-Komplexen gefördert. Anstelle mit Calcium bindet sich Glyphosat dann vermehrt an Ammonium-Ionen (NH4+).

Auch tragen Netzmittel dazu bei, dass der Übertritt des Wirkstoffs in die Pflanze verbessert wird. Es sind vermutlich diese Zusatzstoffe, die in einzelnen Versuchen dazu geführt haben, Amphibien und andere Organismen mit dünner und verletzlicher Außenhaut zu beeinträchtigen, und nicht zwingend der Wirkstoff selbst.

4. Alternative Präparate in Erwägung ziehen

Einige Arten, etwa Ackerwinden, Weißklee oder Storchenschnabel, reagieren weniger sensibel auf Glyphosat als andere. Gut entwickelte Unkräuter, die bei der Bestellung nicht absterben, werden wegen ihrer Größe nach der Herbizidausbringung oft verzögert oder ungenügend erfasst. So entwickelten sich in Versuchen kräftige Raygras- und Roggenpflanzen auch nach einer Mischung verschiedener Sulfonylharnstoffe gegen Gräser in Mais weiter und behinderten die Maisbestände signifikant. Werden hingegen die Bestände vor der Maissaat geschnitten oder allenfalls gemulcht, erfassen Gräserherbizide die wieder ausgetriebenen Unkräuter und -gräser sicher, ohne dass dabei die Flächen bearbeitet werden müssen.

5. Neue Technologien in Betracht ziehen

Neuere Technologien, die den Einsatz von breit wirksamen Herbiziden in bisher unverträglichen Kulturen ermöglichen, können künftig ebenfalls eine Glyphosatapplikation ersetzen. Beispiele dafür sind

  • so genannte Duo-Sorten in Mais (Cycloxydimtoleranz),
  • die Clearfield-Technik (Imidazolinon- Toleranz) in verschiedenen Kulturen, etwa Sonnenblumen oder Raps, sowie
  • die Sulfonylharnstofftoleranz in Sonnenblumen und Zuckerrüben.

Dabei wirken auch in diesen Systemen die Herbizide nur auf kleine Zielpflanzen sicher.

6. Nur Teilflächen behandeln

Precision Farming im Pflanzenschutz ist bereits länger bekannt, aber noch wenig umgesetzt. Problemunkräuter wie Disteln, Quecken oder Winden treten in der Regel nesterweise auf. Die Nester lassen sich mit nur etwas Übung vom Traktor aus erkennen und auf diesen Teilflächen mit Spezialherbiziden bekämpfen.

Ebenso wachsen viele Unkräuter und Ungräser vom Rand her in die Felder ein. Deshalb trägt die intensive Unkrautbekämpfung entlang der Feldränder ebenfalls zur Reduktion der Ausbringungsmengen bei.

7. Nicht systematisch vor der Bodenbearbeitung

In der Fachwelt werden pflugloser Anbau und besonders Direktsaat als Hauptanwendungsgebiete von Glyphosat genannt. Angesichts des flächenmäßig noch recht geringen Anteils dieser Anbausysteme wird der Großteil der jährlich verkauften Menge nach wie vor auf Flächen mit intensiver Bodenbearbeitung oder nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebracht. Bodenbearbeitung als mechanische Unkrautbekämpfung erfasst bereits gekeimte Unkräuter. Bei unproblematischem Druck ist deshalb Glyphosat kaum gerechtfertigt.

8. Boden bedeckt halten

Ziel der unkrautunterdrückenden Wirkung von Gründüngern ist es, den Boden in der gesamten Vegetationsperiode möglichst lückenlos zu bedecken und so die Neukeimung von Unkräutern zu unterdrücken. Erlaubt die Fruchtfolge eine Lücke zwischen Vor- und Folgekultur von mehr als 40 bis 60 Tagen, übernehmen sofort nach der Ernte gesäte Zwischenfrüchte diese Bedeckung. Sie verhindern das Keimen der Unkräuter. Ansaaten später als zwei Wochen nach der Ernte wirken nicht mehr. Damit die unkrautunterdrückende Wirkung der Gründünger auch nach der Saat der Folgekultur erhalten bleibt, muss möglichst viel Material an der Bodenoberfläche bleiben. Solche Strategien lassen sich nur in Direktsaat ohne ganzflächige Bodenbearbeitung optimal umsetzen. Nach einer Bearbeitung keimen Unkräuter ungehindert.

Auch Mulchen soll vermieden werden, da anschließend die feinen Pflanzenteile rasch und unkontrolliert abgebaut werden und der Boden dann wieder unbedeckt ist.

9. Arten zur Gründüngung sorgsam wählen

Eine große Herausforderung in solchen Systemen ist es, zu verhindern, dass die Gründüngungspflanzen sich zu Unkräutern entwickeln. Das wird in erster Linie durch die gezielte Wahl der Arten erreicht. Als Grundsatz hat sich bisher die Wahl abfrierender Gründünger bewährt. Besonders vor Mais sind ebenfalls nicht abfrierende Gründünger anzusäen.

Ebenso kommen Gründünger in Frage, die vor der Saat der Hauptkultur blühen. Sie treiben in der Regel nach Abschluss des vegetativen Stadiums und einer mechanischen Zerstörung nicht mehr aus und sterben ab

10. Mähen oder Messerwalzen einsetzen

Zur Beschleunigung werden vermehrt Messerwalzen eingesetzt. Es hat sich aber gezeigt, dass deren Wirkung unter hiesigen Bedingungen oft überschätzt wird. Einerseits werden bei der Durchfahrt mit der Direktsämaschine die Gründüngungspflanzen durch die Tiefenführungsrollen bereits zusammengedrückt. Andererseits erfassen die Messerwalzen kleinere Unkräuter, die sich unter der Gründüngung entwickeln, nur ungenügend. In diesem Fall hat sich das ganzflächige Mähen der Bestände bewährt.

Auch interessant