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Wintergerste und Raps: Bessere Erträge als im Vorjahr

von , am
01.08.2012

Berlin - Die Schönwetterperiode hat - abgesehen vom Wochenende - gute Druschbedingungen beschert. Der Bauernverband rechnet bei Wintergerste und Raps mit zehn Prozent mehr Erträgen als im Vorjahr.

© landpixel
Deutschlandweit ist die Ernte der Wintergerste - abgesehen von einigen Restflächen in Höhenlagen, den nördlichen Regionen Schleswig-Holsteins und den Marschflächen Niedersachsens - abgeschlossen. Das berichtet der Deutsche Bauernverband (DBV) in seinem zweiten Erntebericht.
 
Die teils ergiebigen Niederschläge im Juni haben vielerorts den Zwiewuchs gefördert, wodurch die Erntearbeiten erschwert werden. Spätere Niederschläge im Juli haben die Ernte hinausgezögert und die Ähren der Wintergerste abknicken lassen. "Die Erträge fallen besser aus als im Vorjahr, doch sind regional sehr unterschiedlich: von knapp fünf Tonnen pro Hektar bis hin zu zehn Tonnen je Hektar", berichtet Dr. Astrid Rewerts vom Deutschen Bauernverband im agrarheute-Interview.
 
Im Bundesdurchschnitt ist nach den bisherigen Ernteergebnissen von einem Ertrag in Höhe von knapp 6,3 Tonnen pro Hektar auszugehen. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr zwar einer Verbesserung der Erträge um etwa zehn Prozent, aber unter Berücksichtigung des Flächenrückgangs wird die diesjährige Erntemenge erneut unterdurchschnittlich ausfallen.
 
Auch die Eigengewichte der Wintergerste fallen sehr unterschiedlich aus. Niedrige Hektolitergewichte wegen kleiner und leichter Körner von nur 55 Kilogramm (kg) bis hin zu 70 kg werden genannt. Überwiegend bewegen sich die Hektolitergewichte im Bereich von 60 kg bis 65 kg und sind damit durchaus zufriedenstellend.

Sommergerste: Ernte zu einem Viertel abgeschlossen

Der Anbau der Sommergerste ist gegenüber dem Vorjahr erneut ausgeweitet worden. Lag die Anbaufläche im vergangenen Jahr noch bei gut 420.000 Hektar, wurden zur Ernte 2012 mehr als 540.000 Hektar Sommergerste angebaut. Dies entspricht einer Anbauausweitung um knapp 30 Prozent. Ursächlich hierfür waren nach Auswinterung des Wintergetreides notwendig gewordene Umbrüche und die Neuansaat mit Sommergetreide, unter anderem Sommergerste.
 
Wichtige Anbauregionen für Sommergerste sind
  • Bayern,
  • Baden-Württemberg,
  • Niedersachsen und
  • Rheinland-Pfalz.
Überwiegend wurde die Sommergerste jedoch erst zu einem Viertel geerntet, so dass sich über Erträge und Qualitäten noch keine gesicherten Aussagen treffen lassen. 

Winterroggen: Erste Erträge über Vorjahresniveau

Auch Winterroggen wurde bisher kaum geerntet. In Brandenburg, das wichtigste Anbaugebiet für Roggen, konnte bisher lediglich auf etwa ein Drittel der Roggenfläche gedroschen werden.
 
Erste Ergebnisse weisen auf Erträge oberhalb des Vorjahresniveaus hin. Allerdings lag der Durchschnittsertrag im Jahr 2011 mit gut 4,1 Tonnen pro Hektar auch deutlich unterhalb des Durchschnitts der Jahre 2005 bis 2010 in Höhe von 4,9 Tonnen pro Hektar. Ob der langjährige Durchschnittsertrag in diesem Jahr erzielt werden kann, ist derzeit noch offen.
 
Die bisher geernteten Partien weisen recht niedrige Fallzahlen - ein wichtiges Kriterium zur Bestimmung der Backqualität - auf. Mit jedem weiteren Regenschauer, der die Ernte unterbricht, drohen die Fallzahlen und damit die Eignung des Roggens als Brotgetreide weiter zu sinken.
 
Winterweizen: Noch kaum geerntet
 
Winterweizen ist die wichtigste Getreidekultur in Deutschland. Naturgemäß wird Winterweizen erst nach den übrigen Getreidearten und später als der Winterraps erntereif. Folglich wurde bis dato kaum Winterweizen geerntet, da die Bestände nach den wochenlangen Niederschlägen im Juni und Juli noch nicht reif sind.
 
Lediglich in Bayern, im Rheinland und in einzelnen Regionen Thüringens konnten bisher mit einem Fünftel der Weizenfläche nennenswerte Anteile geerntet werden.
 
Vielerorts sind die Bestände aufgrund von Auswinterung recht dünn und lassen somit kaum durchschnittliche Erträge erwarten. Positiv ausgewirkt haben könnte sich jedoch die gute Wasserversorgung während der Kornfüllungsphase, wodurch gute Hektolitergewichte erzielt werden könnten.
 
"Für den Weizen ist jetzt gutes Erntewetter wichtig, damit wir die Qualitäten sichern können", erklärt Astrid Rewerts vom DBV.
Winterraps: Ernte weit forgeschritten
 
Weit fortgeschritten ist auch die Ernte von Winterraps. So konnten in Mecklenburg-Vorpommern - dem Bundesland mit der größten Rapsanbaufläche - nahezu drei Viertel der Rapsflächen gedroschen werden. Auch in anderen wichtigen Rapsanbauregionen wie Bayern und den übrigen östlichen Bundesländern wird die Rapsernte - sofern die Witterungsverhältnisse dies zulassen - in Kürze abgeschlossen.
 
Im Gegensatz zum Wintergetreide war Raps durch die Kahlfröste im Februar verhältnismäßig wenig geschädigt worden. Stärkere Auswirkungen auf den Ertrag hatte der spätere Befall mit Grauschimmel.
 
Auch regionale Hagelschäden sorgen unter anderem in
  • Baden-Württemberg,
  • Brandenburg und
  • Sachsen
für Ertragsverluste.
 
Die Rapsernte wird in vielen Anbaugebieten durch eine ungleichmäßige Abreife und eine starke Verunkrautung der Bestände erschwert.
 
Nach den bisherigen Ernteergebnissen liegen die Erträge mit 3,3 Tonnen pro Hektar elf Prozent über dem äußerst niedrigen Vorjahreswert von knapp drei Tonnen pro Hektar. Die diesjährige Erntemenge wird das Vorjahresergebnis wohl übertreffen, den langjährigen Durchschnitt von mehr als fünf Millionen Tonnen Raps jedoch verfehlen.
 
Mais: Bestände stehen gut bis sehr gut da
 
Die Maisbestände zeigen sich derzeit meist in einem guten bis sehr guten Zustand. Die ausreichende Wasserversorgung und die zuletzt hochsommerlichen Temperaturen haben das Wachstum stark befördert. Die regional durch Kühle und Trockenheit zunächst etwas verlangsamte Entwicklung im Frühjahr konnte meist noch ausgeglichen werden.
 
Kartoffeln: Durchschnittliche Erträge
 
Auch die Kartoffelernte kommt voran, wenn auch mit Unterbrechungen. Die Erträge fallen derzeit durchschnittlich aus. Wegen des teilweise etwas höheren Knollenansatzes wird es mehr kleine Kartoffeln geben. In den klassischen Frühkartoffelanbaugebieten - wie beispielsweise der Pfalz - ist die Rodung weit vorangeschritten. Die Qualitäten sind dabei zufriedenstellend.
 
Die dritte und abschließende Erntemeldung wird der Deutsche Bauernverband voraussichtlich am 22. August vorlegen. Der Erntebericht basiert auf tatsächlich geernteten Mengen, die gemeinsam mit den Landesbauernverbänden erhoben werden.
 

Hofreport: Der Mähdrescher rollt auf dem Betrieb Zirngibl

Gute Preise für Raps und Getreide

© Mühlhausen/landpixel

Die Erzeugerpreise für Getreide und Raps befinden derzeit auf einem hohen Niveau. Die Situation der Veredlungs- und Milchwirtschaft ist wegen der hohen Futterkosten schwierig.


Für Futtergerste und Futterweizen werden in etwa 200 bis 230 Euro pro Tonne erzielt, die Brotweizenpreise liegen teilweise leicht darüber. Raps erzielt auf Erzeugerebene zurzeit Preise von 470 bis zu 500 Euro pro Tonne. Allerdings ließen sich diese Preise erst in den vergangenen Wochen realisieren, frühere Vorkontrakte wurden auf einem niedrigeren Preisniveau abgeschlossen.
 
Die äußerst volatilen Terminmärkte erschweren die Vermarktung zusätzlich. Angesichts der hohen Betriebsmittelkosten (Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie Energie), der Kosten für den Umbruch des Wintergetreides und die sich anschließende Neuansaat sowie unterdurchschnittlicher Erträge brauchen die Erzeuger die aktuellen Preise.
 
Deutlich schwieriger ist dagegen die Situation der Veredelungs- und Milchwirtschaft. Hohe Futterkosten können nicht über adäquate Markterlöse kompensiert werden und belasten somit das betriebswirtschaftliche Ergebnis der viehhaltenden Betriebe seit geraumer Zeit stark. (pd)
 
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