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Winzergenossenschaften bezweifeln offizielle Ernteschätzung

von , am
17.09.2010

Paris - In Frankreich haben die Winzergenossenschaften die ihrer Meinung nach zu optimistische Ernteschätzung des Landwirtschaftsministeriums kritisiert.

© agrarfoto

Die Behörde habe sich bereits zum dritten Mal geirrt, erklärte der Präsident des Dachverbandes der Winzergenossenschaften (CCVF), Denis Verdier jetzt in Paris. Er stellte fest, die Lese 2010 werde entgegen der Prognose des Ministeriums das Vorjahresniveau voraussichtlich verfehlen.

Verdier bezog sich dabei auf Schätzungen der regionalen Genossenschaften, die landesweit hochgerechnet von einer Weinproduktion deutlich unterhalb von 47 Millionen Hektoliter ausgehen. Das Pariser Landwirtschaftsministerium sagte dagegen im August eine Weinernte von 47,6 Millionen Hektoliter voraus; das wären zwei Prozent mehr als 2009.

Schlechtere Ernte erwartet 

Der CCVF-Präsident verwies auf die in diesem Jahr relativ ungünstigen Witterungsverhältnisse. So hätten die Winzer im Frühjahr gegen das Verrieseln angekämpft, womit im Weinbau das Absterben nicht befruchteter Blüten und das Abfallen der Fruchtansätze infolge physiologischer Störungen bezeichnet wird. Hinzu gekommen sei die anhaltende Trockenheit im August, wodurch das Gewicht der Trauben niedriger als gewöhnlich ausfalle. Im Anbaugebiet Bordeaux wird die Lesemenge dem CCVF zufolge vermutlich ähnlich wie im Vorjahr ausfallen. Mit einem höheren Ernteaufkommen rechnen die Genossenschaften lediglich im Loire-Tal und im Jura.

Erzeugerpreise sollen steigen

Mit der Abgabe einer eigenen Prognose will der CCVF vor allem verhindern, dass ein Druck auf die Erzeugerpreise ausgeübt wird, wie dies bei Erwartung einer reichlichen Weinmosternte der Fall wäre. Verdier verwies auch auf die mittlerweile stark geschrumpften Bestände in den Kellereien und den Aufschwung des Weinexports im ersten Halbjahr 2010. Er geht davon aus, dass die Winzer aufgrund der kleineren Ernte einen Preisaufschlag von mindestens 10 Prozent erzielen können. Dieser dürfe jedoch nicht an die Verbraucher durchgereicht werden, warnte der CCVF-Präsident.

Handel in der Pflicht

Der Handel verfüge über ausreichend hohe Spannen, um seine Abnahmepreise aus eigener Kraft zu erhöhen. Darüber hinaus hoffen die Genossenschaften laut Verdier auf die Wirksamkeit des Gesetzes zur Modernisierung der Landwirtschaft und Fischerei, das unter anderem eine strengere Überwachung der Preise und Spannen sowie eine effizientere Vertragspolitik vorsieht. Eine Anhebung der Erzeugerpreise nannte er „unverzichtbar“ für das Überleben des französischen Weinbaus. (AgE)

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