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Pflanzenbiotechnologie

Wissenschaftler kritisieren Stopp der Gentechnik-Forschung

Gentechniker nehmen Probe von Maiskolben
am Mittwoch, 29.07.2020 - 13:02 (1 Kommentar)

Mehr als 100 Wissenschaftler kritisieren in einem offenen Brief Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der grüne Politiker hatte vorige Woche ein Forschungsprogramm zum sogenannten Genome Editing an Pflanzen gestoppt. Das mit 5 Mio. Euro dotierte Programm "für eine nachhaltige Landwirtschaft" war zuvor von seiner grünen Forschungsministerin Theresia Bauer aufgelegt worden.

In dem Schreiben zeigen sich deutsche und internationale Wissenschaftler, die überwiegend auf dem Gebiet der Gentechnik und Pflanzenforschung arbeiten, von Kretschmanns Entscheidung zu Genome Editing „irritiert und besorgt“. Dieser Beschluss schade sowohl dem Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg als auch Deutschland massiv, so die 122 Unterzeichner.

Es sei unbedingt notwendig, die Forschung über Genome Editing zuzulassen, damit Potenziale und Risiken differenziert abgeschätzt werden könnten.

Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen

Die Forscher verweisen auf eine Stellungnahme des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC), wonach zur Lösung der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in der Landwirtschaft wie etwa Bevölkerungswachstum, Land- und Ressourcenknappheit sowie Klima- und Biodiversitätsschutz eine umfassende Lösungsstrategie notwendig sei. Diese beziehe biotechnologische Werkzeuge mit ein, um nachhaltige landwirtschaftliche Konzepte zu entwickeln.

Die Forscher unterstreichen, neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas9 seien nicht nur enorm wichtig für die Forschung. Sie könnten auch ein wichtiger Baustein für eine zukunftsfähigere Landwirtschaft sein. Als Beispiele nennen die Experten Resilienz gegenüber Trockenheit, Versalzung oder Pflanzenkrankheiten.

Genome Editing: Chancen für eine nachhaltige Landwirtschaft erforschen

Nach Einschätzung der Wissenschaftler geht von Pflanzen, die mit der sogenannten Genschere verändert wurden, bei Erforschung, Freisetzung und Nutzung kein erhöhtes Risiko für Mensch und Umwelt aus.

„Wir plädieren deshalb dafür, das geplante Forschungsprogramm auszuschreiben und in dessen Rahmen weitere Erkenntnisse über Potenziale und mögliche Risiken der neuen Züchtungsmethoden zu gewinnen“, heißt es in dem offenen Brief. Nur darauf könne eine sachliche und konstruktive Debatte basieren, die Chancen und Risiken im Sinne einer nachhaltigen, produktiven Landwirtschaft abwäge.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens zählen unter anderem Urs Niggli, Schweizer Agrarforscher und ein Vordenker des ökologischen Landbaus, sowie die Professoren Matin Qaim und Stephan von Cramon-Taubadel von der Universität Göttingen.

Den offenen Brief mit der vollständigen Liste der Unterzeichner können Sie hier herunterladen:

Crispr/Cas: Pflanzenzüchtung der Zukunft?

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