Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Worauf Sie bei der Rattenbekämpfung achten sollten

Ratte
am Montag, 19.11.2018 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Sie übertragen Krankheiten und schädigen die Vorräte. Ratten und Mäuse haben im Stall nichts zu suchen! So wird man die kleinen Nager am besten los.

Die Neugierde wird Ratten und Mäusen zum tödlichen Verhängnis. Es ist wichtig, Giftködern bereitzustellen, damit möglichst keine Krankheitserreger im Stall ein- und verschleppt werden. Bei der Bekämpfung von Schadnagern werden hauptsächlich Blutgerinnungshemmer verwendet, sogenannte Atikoagulanzien. Sie führen zu hohen inneren Blutverlusten, wobei die Wirkung des Köders in der Regel nach drei bis fünf Tagen einsetzt. Das soll Köderscheue vermeiden.

Wer Schadnager bekämpfen will, muss einen entsprechenden Sachkundenachweis besitzen

Einer, der sich mit der Bekämpfung von Schadnagern auskennt, ist Dieter Jürgens aus Münster. Der gelernte Agrarwissenschaftler und Sachkundiger im Gesundheits- und Voratsschutz ist bei der Firma Agravis Raiffeisen AG tätig. Dort ist er als Produktmanager für das Segment Tierhygiene verantwortlich. „Bei uns melden sich Landwirte, die bei einem akuten Mäuse- oder Rattenbefall professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen wollen“, sagt Dieter Jürgens. Denn wer Schadnager erfolgreich bekämpfen will, benötigt nicht nur genaue Kenntnisse über das Verhalten von Ratten und Mäusen, sondern muss auch für viele Wirkstoffe über den entsprechenden Sachkundenachweis verfügen, um den Giftköder auszubringen. Zum Einsatz kommen hauptsächlich Schüttköder und Köderpasten. Bei den eingesetzten Schadnagerprodukten, auch Rodentizide genannt, wird zwischen den Wirkstoffen der ersten Generation (Warfarin oder Coumatetralyl) und der zweiten Generation (Bromadiolon, Brodifacoum, Difenacoum, Flocoumafen und Difethialon) unterschieden.
Um Letztere anzuwenden, muss der Verwender über einen entsprechenden Berufsabschluss oder einen Sachkundenachweis verfügen. Ausgebildete Land- und Forstwirte mit Pflanzenschutzanwenderschein gelten als Verwender aus beruflichen Gründen mit Sachkunde und dürfen entsprechende Schadnagerprodukte mit Blutgerinnungshemmern zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen einsetzen.

Die Schadnagerbekämpfung fängt mit der Spurensuche an

Doch bevor die Mittel zum Einsatz kommen, gilt es erst mal, den Schadnagerbefall zu analysieren. Geht es um Ratten oder um Mäuse? Ratten sind köderscheu, Mäuse hingegen sehr neugierig. Das spielt beim Aufstellen von Köderboxen eine erhebliche Rolle. Auch die Suche nach dem Aufenthaltsbereich der Tiere ist wichtig. Tauchen die Nager überall auf oder nur an bestimmten Stellen? Das lässt sich nur vor Ort mittels Rundgang klären. „Bei einer Besichtigung werden bei Problemen mit Wanderratten zunächst die Außenbereiche kontrolliert. Ist es außerdem erforderlich, werden die Stallungen betreten“, sagt Dieter Jürgens. Lagepläne von den Ställen und dem Gesamtbetrieb helfen dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. Zudem können Aufstellungsorte von Köderboxen gleich eingezeichnet werden. Der Rundgang ist wichtig, da externe Berater den Betrieb unbefangen betrachten. Sie nehmen bestimmte Stellen anders wahr, wo sich beim Landwirt vielleicht eine gewisse Betriebsblindheit einschleichen kann. „Besonders unaufgeräumte Hofstellen können eine Ursache für Schadnagerbefall sein. Hier sind nämlich genug Unterschlupfmöglichkeiten vorhanden“, sagt Dieter Jürgens. Weiter ist auf Folgendes zu achten:

  • Futterreste unter Silos im Außenbereich und im Stall locken Schädlinge an.
  • Steinschutt, Geröll, Unrat oder Grünzeug in Stallnähe bieten den Tieren ideale Rückzugsmöglichkeiten.
  • Über undichte Türen oder Löcher in Außenwänden gelangen die Nager in den Stall.
  • In Hohlräumen von nicht abgedichteten Lüftungskanälen fühlen sich Mäuse und Ratten wohl.

Schadnager nachhaltig bekämpfen

Wurde der Betrieb von außen und innen inspiziert, ist ein Bekämpfungsplan mit den dazugehörigen Köderstellen auszuarbeiten. Der Plan dient auch als Nachweis für alle Qualitätssicherungssysteme. Beim Aufstellen der Köderboxen muss darauf geachtet werden, dass keine Nichtzielorganismen wie Nutztiere, Haustiere oder Vögel zu Schaden kommen. Beispielsweise dürfen Köderboxen nur noch direkt an der Stallwand positioniert und befestigt werden. Außenzäune sind in der Regel tabu, denn es besteht die Gefahr, andere Tiere in der Umgebung zu gefährden. Problematisch ist es, wenn Katzen oder Raubvögel direkt Ködermaterial oder Schadnager fressen, die bereits Köder aufgenommen haben. „Am besten sollten die Köderboxen dort aufgestellt werden, wo sich die Schadnager aufhalten. Das betrifft vor allem die Laufwege“, sagt Dieter Jürgens. Die regelmäßige Kontrolle ist für eine erfolgreiche Bekämpfung unerlässlich. Daher müssen spätestens nach einer Woche die Boxen kontrolliert werden, um Köder gegebenenfalls wieder aufzufüllen. Nur so lassen sich Schadnager erfolgreich aus dem Stall vertreiben.

Rechtliche Hintergründe bei der Schadnagerbekämpfung

Seit dem 1. März 2018 gilt eine neue Beurteilung für Wirkstoffe, die dem Bereich der Gefahrenstoffverordnung unterliegen. Alle Produkte mit einer Konzentration von größer oder gleich 0,003 Prozent (30 ppm) eines blutgerinnungshemmenden Wirkstoffs sind als reproduktionstoxisch einzustufen. Diese Stoffe wirken beeinträchtigend auf die menschliche Fortpflanzung sowie die Entwicklung der Nachkommen. Betroffene Produkte sind entsprechend vom Hersteller zu kennzeichnen und in einem Pflanzenschutzraum zu lagern.

EuroTier 2018: Impressionen aus den Messehallen

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...