Login
Pflanzenschutz

Zehn Fakten zu Neonicotinoiden

© agrar-press
von , am
22.01.2016

Im Mai 2013 schränkte die EU-Kommission die Verwendung der neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Pflanzenschutzmitteln ein. 2017 steht eine Neubewertung durch die EFSA an. Wir haben zehn Fakten zu den Neonicotinoiden zusammengestellt.

Seit 2008 sind Beizmittel mit den neonicotiden Wirkstoffen Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam für den Mais verboten. © Mühlhausen/landpixel

Neonicotinoide sind eine Gruppe von hochwirksamen Insektiziden. Sie alle sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die sich an die Rezeptoren der Nervenzellen binden und so die Weiterleitung von Nervenreizen stören. Neonicotinoide wirken auf die Nervenzellen von Insekten weit stärker als auf die Nerven von Wirbeltieren. Die bekanntesten drei neonicotinoiden Wirkstoffe sind Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam.

2. Neonicotinoide werden vor allem als Beizmittel eingesetzt

Die meisten Neonicotinoide können zur Blattbehandlung, als Beizmittel und zur Bodenbehandlung eingesetzt werden. Etwa 60 Prozent der Anwendungen entfallen aber auf Beizmittel und Bodenapplikationen.

3. Neonicotinoide werden für das Bienensterben verantwortlich gemacht

Seit Anfang der 2000er Jahre stehen bestimmte in der Saatgutbehandlung verwendete Pflanzenschutzmittelwirkstoffe im Verdacht, für das "Bienensterben" mitverantwortlich zu sein. In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen wurden seitdem die Wirkungen der sogenannten Neonikotinoide auf die Bienen beschrieben.

4. EFSA identifiziert Risiken für Bienen

Nach Bekanntwerden neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über subletale Auswirkungen auf Bienen beauftragte die EU-Kommission die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Wissenschaftler der EFSA haben Risiken für Bienen identifiziert, die von den drei Neonicotinoid-Insektiziden Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam ausgehen.

  • Exposition durch Pollen und Nektar: Nur die Verwendung bei Nutzpflanzen, die für Honigbienen uninteressant sind, wurde als akzeptabel erachtet.
  • Exposition durch Stäube: Ein Risiko für Honigbienen bestand bzw. konnte nicht ausgeschlossen werden, mit einigen Ausnahmen, wie bei der Verwendung für Zuckerrüben oder Nutzpflanzen, die in Gewächshäusern angebaut werden, und bei der Verwendung einiger Granulatformen.
  • Exposition durch Guttation: Nur die Risikobewertung für mit Thiamethoxam behandeltem Mais konnte abgeschlossen werden. Hier zeigen Feldstudien eine akute Wirkung auf Honigbienen, die dem Wirkstoff mittels Guttationsflüssigkeit ausgesetzt waren.

5. Saatgutbehandlung im Raps wird verboten

Auf der Grundlage des Berichts der EFSA schränkte die EU-Kommission mit der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 485/2013 vom 24. Mai 2013 die zulässigen Verwendungen für drei neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Pflanzenschutzmitteln ein. Gemäß dieser Verordnung dürfen Pflanzenschutzmittel mit diesen Wirkstoffen nur noch für gewerbliche Anwendungen zugelassen werden. Weiterhin sind in bestimmten Kulturen Saatgut- und Bodenbehandlungen gar nicht mehr zulässig und Blattbehandlungen nur nach der Blüte. Auch das Pflanzenschutzmittel Cruiser Osr zur Saatgutbehandlung im Raps wurde verboten. Die als besonders kritisch angesehene Saatgutbehandlung von Mais mit Neonicotinoiden ist in Deutschland bereits seit 2008 verboten.

Laut Durchführungsverordnung sind folgende Verbote und Ausnahmen für die Landwirtschaft interessant:

  • Weizen und Gerste: Saatgut- und Bodenbehandlungen sind nur dann erlaubt, wenn die Aussaat zwischen Juli und Dezember erfolgt. Blattbehandlungen sind verboten.
  • Mais, Raps, Sonnenblume: Saatgut- und Bodenbehandlungen sind verboten. Blattbehandlungen sind nur nach der Blüte erlaubt.
  • Zuckerrübe: Ist nicht von Verboten betroffen (da die Ernte vor der Blüte erfolgt).

6. Verbot von behandeltem Saatgut

Laut Durchführungsverordnung der EU ist seit 1. Dezember 2013 auch die Verwendung und das Inverkehrbringen einer Reihe von Saatgutarten verboten, die mit Clothianidin, Imidacloprid oder Thiamethoxam behandelt wurden, es sei denn, das Saatgut wird in Gewächshäusern verwendet.

7. Verbot löst Diskussionen aus

Das Echo auf das Verbot der drei neonicotinoiden Wirkstoffe war zweigeteilt. Während Imker und Umweltverbände das Verbot begrüßten, hielten die Landwirtschaft und die Pflanzenschutz- und Saatgutindsutrie das Verbot für überzogen. Für den Deutschen Imkerbund.e.V war die Entscheidung eine Weichenstellung für Bienen - und Umweltschutz in der Europäischen Union: "Nach langem Tauziehen konnte die EU-Kommission ihren Vorschlag durchsetzen, bienengefährliche Anwendungen von Insektiziden aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide zu verbieten." Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) gab zu denken, dass Flächenspritzungen mangels Wirksamkeit bei relevanten Schädlingen die insektizide Beizung nicht ersetzen könnten.

8. Neonicotinoide stehen unter Verdacht, auch Vögel zu schädigen

Wie auf Pflanzenforschung.de berichtet wird, stellen Forscher in den Niederlanden einen indirekten Effekt zwischen der Pestizid-Konzentration des häufig verwendeten Imidacloprid in der Umwelt und abnehmenden Vogelzahlen fest. Die Forscher fordern nun eine Neubewertung in der Verwendung von Neonicotinoiden in der Landwirtschaft.

9. Neubewertung in 2017

Bis Januar 2017 soll die EFSA eine Neubewertung der Risiken der neonicotinoidhaltigen Insektizide Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid beim Einsatz zur Saatgutbehandlung und als Granulat befassen . Neue Daten aus Studien, Forschung und Überwachung, die seit der Durchführung der vorigen Bewertungen ans Licht kamen, in Betracht genommen werden.

 

Auch interessant