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Forschung

Zucker könnte Glyphosat ersetzen

Cyanobakterien im Reagenzglas
am
06.02.2019

In Blaualgen haben Wissenschaftler jetzt eine Zuckerform gefunden, die eine unkrautabtötende Wirkung zeigt. Der Mechanismus ähnelt der Wirkungsweise des umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat.

Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen haben einen Naturstoff entdeckt, der dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat Konkurrenz machen könnte: Das Zuckermolekül aus Cyanobakterien hemmt das Wachstum verschiedener Mikroorganismen und Pflanzen, ist aber für Menschen und Tiere ungefährlich.

Das Tübinger Forschungsteam aus der Chemie und Mikrobiologie stieß auf dieses Zuckermolekül mit bestechend einfacher chemischer Struktur.

Blockiert Stoffwechsel, aber ungefährlich für Mensch und Tiere

Anders als gewöhnliche Kohlenhydrate, die in der Regel als Energiequelle für Wachstum dienen, hemmt diese Substanz das Wachstum verschiedener Pflanzen und Mikroorganismen, wie zum Beispiel Bakterien und Hefen.

Der „7dSh“ genannte Zucker blockiert dabei ein Enzym des sogenannten Shikimatwegs. Dieser Stoffwechselweg kommt nur in Mikroorganismen und Pflanzen vor und ist deshalb unbedenklich für Menschen und Tiere.

Zucker ähnelt in der Wirkung Glyphosat

Einer der bislang bekanntesten Inhibitoren genau dieses Stoffwechselwegs ist das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat.

„Anders als bei Glyphosat handelt es sich bei dem neu entdeckten Zucker um ein reines Naturprodukt. Wir erwarten für 7dSh eine gute Abbaubarkeit und eine geringe Ökotoxizität“, sagt Prof. Klaus Brilisauer vom Institut für Organische Chemie der Uni Tübingen. Gemeinsam mit seinen Kollegen Prof. Stephanie Grond und Prof. Karl Forchhammer arbeitet er an dem Projekt.

7dSh hemme das Pflanzenwachstum vielversprechend. „Wir sehen hier eine hervorragende Chance, es als natürliches Herbizid einzusetzen.“

Ersatz für konventionelle Herbizide

Langfristiges Ziel der Wissenschaftler: umstrittene Herbizide und damit deren gesundheitlich bedenkliche Abbauprodukte zu ersetzen.

Die Wirksamkeit im Feld, Abbaubarkeit im Boden und Unbedenklichkeit gegenüber Nutztieren und Mensch müssten für 7dSh wollen die Forscher jetzt in umfassenden Langzeitstudien weiter erforschen.

Die Studie der Tübinger Professoren ist im Fachjournal Nature Communications erschienen.

Mit Material von Universität Tübingen

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