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Zikaden

20.000 ha geschädigt: Neue Krankheit SBR befällt Rüben im Südwesten

Gelbes Zuckerrübenblatt
am Freitag, 11.09.2020 - 06:02 (Jetzt kommentieren)

Blattläuse haben die Rüben mit Viren bereits geschwächt. Jetzt kommt über Zikaden regional eine neue Bakterienkrankheit dazu.

Die Zuckerrübenbestände sind vielerorts von Blattkrankheiten gezeichnet. Im Südwesten Deutschlands kommt zu den Viren auch noch die Bakterienkrankheit Syndrome Basse Richesse (SBR). Ein Grund für Alarmstimmung bei der Jahreshauptversammlung des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer.

Das SBR-Bakterium wird von Zikaden verbreitet. Die Symptome bei den Rübenpflanzen: Verstopfte Leitungsbahnen, lanzettförmige Blätter und Vergilbungen. Dadurch betreiben die Rübenpflanzen weniger Fotosynthese; 20 bis 40 Prozent weniger Zucker sind die Folge.

Pandemie bei der Zuckerrübe

In Frankreich und der Schweiz ist SBR schon weit verbreitet. In Deutschland ist bislang erst der Rheingraben mit seinem warmen Klima betroffen. Doch allein in diesem Jahr sind die SBR-verbreitenden Zikaden 30 km weiter nach Norden vorgedrungen.

Bislang sind laut Experten des Projekts NIKIZ (Nachhaltiges Insekten- und Krankheitsmanagement im Zuckerrübenanbau der Zukunft) bereits 43.900 ha Zuckerrüben im Südwesten Deutschlands mit Viren befallen; bei rund 20.000 ha vermuten die Experten eine Doppelinfektion mit dem SBR-Bakterium.

Das Jahr 2020 mit seinem milden Winter war für Blattläuse und Zikaden besonders günstig; sie konnten sich bereits vor der Aussaat gut vermehren und haben viele Rübenbestände infiziert. Die NIKIZ-Experten erwarten, dass der nächste Winter ähnlich mild verlaufen wird. Sie rechnen daher mit einer deutlichen Ausbreitung in den nächsten Jahren.

Frankreich unterstützt Rübenanbauer

Die hessischen und pfälzischen Zuckerrübenanbauer rechnen damit, dass sich die Situation des Rübenanbaus in Deutschland weiter verschärft und fordern Unterstützung von der Politik. Die wachsende Krankheitsproblematik treffe auf die ohnehin angespannten Situation auf dem weltweiten Zuckermarkt und Wettbewerbsverzerrung innerhalb der EU.

Andere europäische Länder haben bereits angekündigt, den Rübenanbauern unter die Arme zu greifen. Insgesamt 12 Länder planen eine Notfallzulassung von Neonikotinoiden. Darüber hinaus hat Frankreichs Regierung einen Aktionsplan vorgelegt, um die heimischen Rübenanbauer zu unterstützen. Er beinhaltet

  • die Notfallzulassung von Beizmitteln, 
  • Entschädigungszahlungen an Landwirte und
  • Investitionen in Forschung nach Alternativen im Pflanzenschutz.

Auch Österreich hat nach einer drohenden Zuckerfabrikschließung Mittel für die Forschung angekündigt.

Mit Material von Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer
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