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Zuckerrüben

FNL-Hoftag: Nachhaltige Produktion bei Zuckerrüben

von , am
11.10.2014

Im niedersächsischen Wunstorf-Kolenfeld drehte sich vergangene Woche alles um die Zuckerrübe. Am Dienstag lud die FNL zu ihrem Hoftag ein. Tags darauf war dann der 4. Norddeutsche Zuckerrübentag.


Auf 374.000 Hektar wurden 2014 in Deutschland Zuckerrüben angebaut. Rund 27 Prozent davon in Niedersachsen. Folglich war der Ort für den diesjährigen FNL-Hoftag am 07. Oktober gut gewählt. Auf dem Klostergut Mönchehof in Wunstorf bei Hannover zeigte die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft am Vortag des 4. Norddeutschen Zuckerrübentags, dass sich große Technik und Nachhaltigkeit beim Zuckerrübenanbau nicht ausschließen.
 
Der Hoftag fand mit Unterstützung des Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V. (DNZ), der Zuckerrübenanbauverbände Niedersachsen Mitte und Südniedersachsen sowie der Nordzucker AG statt. Unter dem Motto "Die Zuckerrübe - ein Beispiel nachhaltiger Landwirtschaft" waren Vertreter aus Politik und Medien dazu eingeladen, sich einmal selbst ein Bild von der Ernte, der Nutzung und der Lagerung der Zuckerrübe zu machen.
Inhaltlich im Fokus stand dabei die Frage nach der nachhaltigen Erzeugung des Rohstoffs für die Zuckerproduktion. Bei seiner Begrüßung machte Hans-Heinrich Philipps, Inhaber des Klosterguts Mönchehof und DNZ-Vorstandsmitglied, auf die Bedeutung des Rübenanbaus aufmerksam: "Die Zuckerrübe ist seit 130 Jahren eine wichtige Kultur für unseren Betrieb und die ganze Region. In dieser Zeit ist es gelungen, die Zuckererträge erheblich zu steigern und den Aufwand für Arbeit und Betriebsmittel deutlich zu vermindern. Durch den Anbau von Zwischenfrüchten und den Einsatz der Mulchsaat konnten wir gerade in jüngster Zeit die Fruchtbarkeit unserer Böden nochmals verbessern."

Zuckerrübe: Zwischenfrüchte, Erntetechnik, alternative Verwertung

An drei Stationen erklärten anschließend Experten aus der Praxis, dass beim Anbau der Zuckerrübe neben der Wirtschaftlichkeit auch der Schutz des Naturhaushalts und die Artenvielfalt entscheidend sind. Ohne gesunden Boden keine gute Ernte. Bei der ersten Station ging es um mögliche Zwischenfrüchte für die Rübe. Die beeindruckenden Maße und technischen Hintergründe eines modernen Rübenroders konnten an der zweiten Station diskutiert werden. Dazu wurden innovative technische Lösungen zur Minimierung von Ernteverlusten erläutert sowie alternative Nutzungsmöglichkeiten der Zuckerrübe als "grüner" Energieträger aufgezeigt. Sascha Hermus, vom 3N Kompetenzzentrum zeigte die Wirtschaftlichkeit der Zuckerrübe in der Biogaserzeugung auf.
FNL-Geschäftsführer Dr. Anton Kraus erklärte zur Veranstaltung: "Gemeinsam konnten wir moderne, nachhaltige Landwirtschaft erlebbar machen, als Ansprechpartner für Politik und Medien zur Verfügung stehen und ein klares Signal für die Dialogbereitschaft der Branche setzen." Dr. Lars Gorissen, Agrarvorstand der Nordzucker AG, ergänzte: "Die Zuckerrübe ist ein Musterbeispiel an Steigerung der Ökoeffizienz: z.B. steigende Zuckererträge bei gleichbleibendem oder sinkendem Düngeraufwand. Auch die Gewinnung des Zuckers aus der Rübe erfolgt so, dass alles verwertet wird. Ein effizientes System seit vielen Jahrzehnten."

4. Norddeutscher Zuckerrübentag

Im Anschluss an den FNL-Hoftag konnten die geladenen Gäste noch die Möglichkeit nutzen, am Verbandstag des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V. und Begrüßungsabend zum 4. Norddeutschen Zuckerrübentag teilzunehmen. Rund 7.800 Zuckerrübenbauern sind Mitglied des DNZ.
 
Der Vorsitzende Helmut Bleckwenn machte den versammelten Teilnehmern des diesjährigen Verbandstages im Hinblick auf das Auslaufen der Zuckerquote zum 30. September 2017: "Wir müssen uns weiter auf allen Ebenen anstrengen, um dem künftigen Wettbewerb gewachsen zu sein. Unsere Chancen im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen sind aber gar nicht so schlecht." Zu den Delegierten der neun Mitgliedsverbände und zahlreichen Gästen aus Politik und Zuckerwirtschaft bekräftigte Bleckwenn das klare Ziel der norddeutschen Rübenanbauer, auch künftig im Geschäft bleiben zu wollen.
Richtung Politik forderte der DNZ-Vorsitzende, dass die EU den europäischen Zuckermarkt nicht durch weitere Zugeständnisse für zollfreie Zuckerimporte aushöhlen dürfe. Ferner erteilte er den Tendenzen zur Renationalisierung der EU-Agrarpolitik eine klare Absage. Einige Mitgliedstaaten hätten in Brüssel neue Anträge für an den Rübenanbau gekoppelte Direktzahlungen gestellt. Bleckwenn wörtlich: "Dies bedeutet, dass ein Teil der Produktionskosten nicht über die Markterlöse erwirtschaftet werden müssen sondern vom Staat bezahlt werden." Derartige Beihilfen seien in Deutschland seit langem nicht mehr zulässig und würden den Wettbewerb unnötig verzerren.
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