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Pflanzenschutzmittel-Zulassung

Herbizidresistente Rübensorte & passendes Mittel: Das ist nun erlaubt

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am Dienstag, 26.07.2022 - 08:37 (Jetzt kommentieren)

Das Herbizid Conviso One lässt sich nun auch auf drainierten Flächen mit 1 l/ha in Bandspritzung einsetzen. Möglich ist das in drei Rübensorten. Nur bei vollem Aufwand lässt sich eine saubere Unkrautwirkung erreichen und werden Resistenzen vermieden.

Verminderter Mitteleinsatz, weniger Überfahrten, das sind Argumente für Conviso Smart: Für das System aus einer herbizidresistenten Rübensorte von KWS und dem passendem Unkrautbekämpfungsmittel Conviso One von Bayer ist in Deutschland nun eine novellierte Zulassung erteilt. Bisher drei Rübensorten lassen sich damit behandeln. Konventionelle Rüben würden absterben.

Was legt die neue Zulassung von Conviso One fest?

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Das Herbizid enthält die beiden Wirkstoffe Foramsulfuron (50 g/l) plus Thiencarbazone (28,92 g/l). Der ALS-Hemmer (Acetolactat-Synthase-Inhibitor) ist seit dem 24. August 2020 bei uns erlaubt. Das Zulassungsende für das ölhaltige Suspensionskonzentrat ist der 30. September 2025.

Bisher sind zehn Zulassungen erteilt, oft mit ganzjähriger Drainauflagen (NG405). Jetzt kommen vier weitere Zulassungen hinzu. Die überarbeitete Zulassung vom 13. Juli 2022 legt nun fest:

  • Auf nicht drainierten Flächen darf Conviso One nun auch in der Fläche mit dem Aufwand von 2 x 0,5 l/ha eingesetzt werden.
  • Auf drainierten Äckern sind maximal 0,5 l/ha bei Flächenspritzung möglich. In der Bandspritzung ist hier nun auch der volle Liter oder das Splitting mit zwei Mal 0,5 l/ha möglich. Das war vorher nicht erlaubt.

Die niedrige Aufwandmengen reichte bislang nicht überall, alle wichtigen Unkräuter zu erfassen. Sie ist auch im Sinne des Resistenzmanagements nicht zu empfehlen. Bekämpfen lassen sich etwa Hühnerhirse, Einjähriges Rispengras, Geruchlose Kamille, Klettenlabkraut, Winden- oder Flohknöterich, Vogelsternmiere, Hundspetersilie, Einjähriges Bingelkraut oder Ausfallraps.

Welche Aufwandmengen für den Einsatz in der Fläche sind nun möglich?

Für die bereits bestehenden Indikationen sind die Auflagen gelockert. So ist eben unter anderem auf drainierten Flächen nun der Einsatz von in Summe 1 l/ha im System aus Bandspritzung plus Hacke möglich. Der volle Liter Conviso One ist für eine saubere Unkrautwirkung und zur vor allem zur Vermeidung von Resistenzen nötig. Diese Aufwandmengen sind hinzugekommen:

  • 1 x 1 l/ha in der Fläche auf nicht drainierten Flächen (Auflage NG 405),
  • 2 x 0,5 l/ha in der Fläche auf nicht drainierten Flächen (Auflage NG 405),
  • 1 x 0,5 l/ha in der Fläche (mit Auflage NW 800, nicht vom 1. November bis 15. März),
  • 2 x 0,25 l/ha in der Fläche (ebenfalls mit NW 800, das heißt kein Einsatz vom 1. November bis 15.März.

Wie funktioniert das Anbausystem mit herbizidtoleranten Sorten?

Das System Conviso Smart besteht aus klassisch gezüchtetem Rübensaatgut und passendem Herbizid: Nur die so gezüchteten Zuckerrübensorten vertragen das dazugehörige Herbizid. Die Toleranz gegenüber dem Wirkstoff wurde per Zufall in einer aus über 1,5 Mrd. Rübenzellen entdeckt.  Nur sie sind gegen das entsprechende Unkrautbekämpfungsmittel tolerant. Bayer Crop Science vertreibt das Herbizid Conviso One, KWS züchtet dafür die toleranten Rübenpillen.

Eingeführt wurde das System bereits 2018. Nach Angaben der Anbieter wird es mittlerweile in mehr als 25 Ländern weltweit genutzt. 2023 lässt es sich nun auch in Deutschland als neues System zur Unkrautkontrolle in Rüben nutzen.

Wie klappt die Unkrautkontrolle in Rüben mit Conviso Smart?

Bei der klassischen Unkrautkontrolle sind unter Umständen drei bis fünf Herbizideinsätze pro Saison nötig. Mit Conviso Smart sind lediglich zwei Behandlungen erforderlich. Das bedeutet weniger Überfahrten und eine deutliche Zeitersparnis für Rübenbauern.

Zugleich senkt das den Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln insgesamt. Conviso Smart zeichnet sich laut Anbieter zudem durch gute Kulturpflanzenverträglichkeit aus.

Welche herbizidresistenten Rübensorten lassen sich für das System verwenden?

In Deutschland sind bisher drei Zuckerrübensorten mit verschiedenen Kombinationen von Toleranzen zusätzlich zur Herbizidresistenz zugelassen:

  • Smart Manja KWS,
  • Smart Mirea KWS,
  • Smart Thekla KWS.

Warum ist für das System eine Anti-Resistenzstrategie nötig?

Integriertes Unkrautmanagement ist mit ausgeglichenen Fruchtfolgen und unterschiedlichen Wirkstoffen zu fahren. ALS-Hemmer sind möglichst durch andere Wirkmechanismen zu ersetzen. Zusätzlich empfiehlt sich mechanische Unkrautkontrolle.

Der Verzicht auf ALS-Hemmer in anderen Kulturen, der Pflugeinsatz und ein Vorsaatherbizid kann einer Resistenz vorbeugen. Das System braucht eine sorgfältige Resistenzstrategie mit ackerbaulichen Möglichkeiten und regelmäßigem Monitoring.

Wie steht es um die gesellschaftliche Toleranz herbizidresistenter Sorten?

Neben dem Resistenzrisiko steht die gesellschaftliche Akzeptanz des Systems. Die Anbieter liefern ein neues Verfahren für Rüben, das aktuelle Anbausysteme ergänzt. Die herbizidresistenten Rübensorten sind - im Gegensatz zu vergleichbaren Systemen in den USA - nicht gentechnisch verändert (GVO). Ein volles Umstellen der Produktion, auf das System ist wegen der Resistenzrisiken und dem Mangel an neuen Wirkstoffen hierzulande aber nicht empfehlenswert.

Auf Flächen mit ALS-resistenten Unkräutern ist das System nicht zielführend. Nötig ist damit ein verantwortungsvoller Umgang, ähnlich wie bei Clearfield-Sorten (CL) in Raps. Nur so lässt sich Unkraut auch künftig effizient kontrollieren, auch ohne folgende Beschränkungen.

Was sagen die Anbieter, also Rübenzüchter und Pflanzenschutzindustrie?

Peter Müller, Geschäftsführer Bayer CropScience Deutschland, freut sich, „dass das Conviso One-Herbizid nun mit angepasster Zulassung in Deutschland verfügbar ist. Seiner Ansicht nach stärkt es die Wettbewerbsfähigkeit des Rübenanbaus.

Dr. Peter Hofmann, KWS-Vorstand, sagt, dass die Züchter einen messbaren Beitrag für nachhaltigeren Anbau leisten. Das System vereine Ertragssicherung durch effiziente Unkrautkontrolle und reduzierten Einsatz chemischer Mittel. Für ihn ist das ein „Schlüssel, um den Rübenanbau weiter profitabel und zukunftsfähig zu machen“.

Mit Material von BVL, Bayer, KWS
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