Login
EU-Entscheidung

Neonicotinoide: Alarm vor der Abstimmung!

AF_Zuckerrüben3-Blattstadium
Thumbnail
Karl Bockholt, agrarheute
am
26.04.2018

Einen Tag vor der EU-Entscheidung in Brüssel, den Einsatz von Neonicotinoiden im Freiland zu verbieten, machen Betroffene nochmals Druck. Vor allem auch Rübenbauer.

Auch Rübenanbauer wird die Entscheidung der EU-Kommission hart treffen. Die deutsche Zuckerwirtschaft etwa warnt die EU-Mitgliedstaaten, dem Vorschlag der EU-Kommission zu folgen und Neonicotinoide im Freiland zu verbieten. Die spezifischen Bedingungen im Rübenanbau werden nicht beachtet:

  • Zuckerrüben blühen während des einjährigen Anbaus überhaupt nicht.
  • Die tropfenförmige Abgabe von Tauwasser durch Blätter ist bei Rüben für Bienen bedeutungslos.
  • Das Saatgut wird mit Neonicotinoiden ausschließlich in geschlossenen Räumen und nach höchsten Sicherheitsstandards behandelt.
  • Bei den Folgekulturen handelt es sich in 90 Prozent um Getreide, das für Bienen nicht attraktiv ist.

 

Mehr Flächenspritzungen als Folge

Ein Verbot der Neonics auch im Rübenanbau zwingt die Anbauer, anstelle der gezielten Beizung auf kostenintensive Flächenspritzungen auszuweichen. Ein solcher Rückschritt widerspricht einem nachhaltigen Pflanzenbau. Zudem ist er teurer und weniger wirksam.

Denn Pyrethroide wirken nicht mehr überall. Auch längst vergessene Krankheiten und Schädlinge könnten wieder auftreten, etwa die Grüne Pfirsichblattlaus als Überträger für Vergilbungen und Virosen. Das würde selbst Bioanbauer treffen.

Alarm auch in Österreich

In Österreich sollen vor allem im Weinviertel und im Tullnerfeld dieses Jahr schon 6.000 ha vom Rüsselkäfer geschädigt sein. Das ist ein Vorgeschmack auf die Zeit nach den Neonics. Auch wegen des warmen Aprils richtet der Rübenerdrüssler, in Österreich auch Rüsselkäfer genannt, in vielen Zuckerrübenfeldern dort bereits jetzt große Schäden an.

„Ein Rüsselkäfer frisst in seiner Entwicklung vier bis fünf Rübenpflanzen. Das bedeutet, dass ein Acker mit 1 ha Fläche, auf dem sich 100.000 Pflanzen befinden, binnen einem Tag totgefressen ist“, zitiert noen.at Georg Mauser, Vorsitzender der Rodegemeinschaft Weinviertel, die derzeit nur dort 3.000 ha erntet – etwa 6,7 Prozent der österreichischen Rübenfläche.

Schon vergangenes Jahr verschärfte sich demnach die Schädlingssituation. Der Grund: Dem Saatgut wurden weniger Neonicotinoide zugesetzt, zum Schutz der Bienen. Die Folge: Weniger Schutz für die Rüben. Und jetzt verschärft sich die Situation noch weiter, weil die EU ein Verbot von Neonicotinoiden anstrebt. Morgen wird in Brüssel abgestimmt.

Mit Material von WVZ, noen.at

Mehr Themen im agrarheute Magazin

Aktuelles Heft Oktober 2018

Auch interessant