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Analyse

Niedrige Zuckerpreise: Schwieriger Start ohne Zuckermarktordnung

Dieser Artikel ist zuerst im Agrarmanager erschienen.

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© Daniel Fuhr/Fotolia
von , am
06.10.2017

Das Ende der Zuckermarktordung fällt in eine Phase sehr niedriger Zuckerpreise. Ursache ist die sehr kräftige Produktionsausweitung in Europa und am Weltmarkt.

Damit starten die  deutsche und europäische Zuckerwirtschaft unter sehr ungünstigen Rahmenbedingungen in den freien Markt. Welche Auswirkungen die niedrigen Zuckerpreise auf die Entwicklung der Zuckerproduktion und die Situation der Zuckerwirtschaft haben könnten, zeigt eine Studie des Thünen-Instituts aus dem Jahr 2016.

In der Studie geht es  unter anderem um die Folgen der Marktliberalisierung auf die Entwicklung am Zuckermarkt in Deutschland und Europa bis zum Jahr 2020/21. Deutlich wird dabei, dass die Höhe der Zuckerpreise erhebliche Auswirkungen auf die weitere Entwicklung am  europäischen Zuckermarkt hat.

Zuckerpreis entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit

Grundlage für die Bewertung Wettbewerbsfähigkeit der  europäischen und deutschen Zuckerindustrie sind neben der vorhandenen Verarbeitungskapazität, der Effizienz der Herstellungsverfahren sowie den Transportwegen, vor allem die Produktionskosten. Während sich die deutsche Zuckerindustrie bei den ersten drei Faktoren in der europäischen Spitzengruppe bewegte, sind die Produktionskosten in Deutschland rund 20 % höher als beim günstigsten europäischen Hersteller (etwa Polen).

Innerhalb der Europäischen Union bestehen sogar Kostenunterschiede von bis 70 %. Dabei bilden sich die Produktionskosten einerseits durch die Höhe der Verarbeitungskosten und der Erlöse für die Nebenprodukte und zum anderen durch die Höhe der Deckungsbeiträge der Konkurrenzprodukte zur Zuckerrübe und den Zuckerrübenerträgen.

Am Ende entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Zuckerwirtschaft nach der Marktliberalisierung  vor allem über den Zuckerpreis in Europa und am Weltmarkt. Und in dieser Hinsicht sieht es derzeit nicht sehr günstig aus, wie ein Blick auf die derzeitigen europäischen Zuckerpreise am Terminmarkt in London verdeutlicht.

Zuckerpreise auf Zweijahrestief gefallen

London Zucker
© Olaf Zinke

Am europäischen Terminmarkt in London sind die Zuckerpreise seit dem vorigen Herbst um etwa 40 Prozent auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Für die neue Ernte (Dezembertermin) wurde der Weißzucker in London zuletzt nur noch für rund 356 USD je t (etwa 302 Euro) gehandelt und damit 40 Prozent unter dem sehr hohen Preisniveau des vorigen Jahres von zweitweise 595 USD je t (504 Euro).

Aber nicht nur am europäischen Markt befinden sich die Zuckerpreise auf Talfahrt. Auch am Weltmarkt haben die sich verändernden Angebotsverhältnisse im neuen Wirtschaftsjahr für einen sehr kräftigen Preisrutsch gesorgt.

Der Preis für Rohzucker an am Weltmarkt bzw. an der Börse in New York (Sugar #11) lag Ende September nur noch bei umgerechnet 288 USD je t (244 Euro). Hier summiert sich der Preisrückgang  von Oktober 2016 bis Ende September 2017 auf etwa  42 %. Noch etwas niedrigere Zuckerpreise gab es zuletzt um August 2015 und davor im Jahr 2008.

Anfang Oktober haben sich die Zuckerpreise in Europa und am Weltmarkt zwar wieder etwas erholt. Dennoch ist Niveau weiterhin sehr niedrig.  

Anbau- und Produktionsrückgang zu erwarten

Das Thünen-Institut hat in seiner Untersuchung, um die Markteffekte des Quotenausstiegs zu ermitteln, drei unterschiedliche Markt- und Preisszenarien bis zum Jahr 2020/21 unterstellt.

In einem Basisszenario bewegen sich die Weltmarktpreise für Rohzucker bis zum Jahr 2020 etwa um die Marke von 303 Euro je. In diesem Fall geht das Thünen-Institut davon aus, dass die Erzeugung von Zucker in Deutschland um fünf Prozent zurückgehen würde. Wachsen würde die Produktion bei diesen Preisen hingegen in Frankreich und in Polen.

Bei einem um 30 % niedrigeren Weltmarktpreis für Rohzucker von  etwa 212 Euro je t, könnte die Produktion in Deutschland hingegen (aus Kostengründen) um etwa ein Fünftel einbrechen. Ein um 60 % höherer Weltmarkpreis von etwa 485 Euro je t, würde die deutsche Erzeugung hingegen um ein Fünftel steigen lassen.

Ende September lagen die Weltmarkpreise allerdings nur bei 244 Euro. Sollte das Niveau so niedrig bleiben, würde das wohl einen deutlichen Rückgang des Rübenanbaus und der Zuckerproduktion in Deutschland (und wohl auch in anderen europäischen Ländern) in der nächsten Saison 2018/19 bedeuten.

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