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Zuckerrüben

Nordzucker will in Rohrzuckerproduktion einsteigen

von , am
19.03.2014

Die Nordzucker AG strebt den Einstieg in die Rohrzuckerproduktion an und plant dafür den Bau einer Fabrik in Sambia. Die AbL befürchtet dadurch mehr Druck auf die Rübenpreise.

Die Nordzucker AG will zukünftig auch Zucker aus Zuckerrohr gewinnen und vermarkten. © Mühlhausen/landpixel
"Die limitierten Wachstumschancen in Europa bei gleichzeitig steigender europäischer Produktion und einer 2017 endenden Zuckermarktordnung lenken den Blick in attraktive Wachstumsregionen wie Afrika und Asien, wo die Nachfrage nach Zucker deutlich wächst.", erklärte das Unternehmen gestern in einer Pressemitteilung. Ziel der Prüfungen sei es, den Einstieg in die Rohrzuckerproduktion und den Aufbau einer regionalen Vermarktung von Zucker für das Unternehmen vorzubereiten.
 
Im Gespräch sei der Bau einer Rohrzucker-Fabrik in Sambia für rund 300 Millionen Dollar (215 Millionen Euro) einschließlich der nötigen Infrastruktur. Jedoch sei laut Unternehmensaussage bis jetzt noch nichts konkret entschieden.
 

Heimische Rübenpreise bald unter Druck?

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kritisiert das Vorhaben vehement. Die Mitglieder befürchten nach dem Wegfall der EU-Marktordnung fallende Rübenpreise. Der AbL-Landesvorsitzende Ottmar Ilchmann unterstützte den Widerstand innerhalb der Nordzucker gegen dieses Projekt. Besonders gravierend sei dieses Vorhaben vor dem Hintergrund, dass 2017 mit dem Wegfall der EU-Marktordnung auch die bisherige Sicherung der Rübenpreise durch mengenbegrenzende Rübenquoten wegfalle.
 
Die Zuckerkonzerne könnten dann bestimmen, wer für sie die Rüben zu welchen Bedingungen anbauen dürften. Hinzu komme, dass die Zuckerunternehmen sich längst nicht mehr so stark auf die heimischen Rübenbauern angewiesen sähen und stattdessen auch auf den Einsatz billiger Zuckerersatzstoffe wie Isoglucose, von Import-Rohrzucker aus unfairem Anbau oder auch auf die Gründung von Tochterfimen an Billig-Standorten anderer Länder setzten.
 

Rübenbauern kämpfen um angemessene Preise

Das Management der rübenverarbeitenden Unternehmen, die sich nur noch formal in der Hand von Rübenanbauern befänden, nutze die Entwicklung aus, dass immer mehr Landwirte die Produktion aufgeben müssten, dann als bloße Anteilseigner im Konzern verblieben und deshalb verstärkt nur noch an Dividenden statt an Rübenpreisen interessiert seien.
 
Selbst bei der vorübergehend guten Marktlage für Zucker in den letzten Jahren hätten deshalb die Rübenanbauer-Verbände nur mit massiven Protesten einen angemessenen Anteil an den hohen Gewinnen der Zuckerkonzerne für die Landwirte sichern können. Dies sei auch in diesem Jahr nicht anders gewesen.
 

Nordzucker: 'Der Verantwortung bewusst'

"Wir werden unsere Rübenverarbeitung in Europa mindestens auf dem derzeitigen Niveau weiterführen und uns gleichzeitig die Tür auf den afrikanischen Markt öffnen, wenn es realistisch und sinnvoll machbar ist. Unsere Zuckerproduktion innerhalb der EU wird nicht durch unsere Aktivitäten in Subsahara-Afrika oder anderen Regionen beeinflusst werden." so CEO Hartwig Fuchs. Die Nordzucker AG sei sich ihrer Rolle und ihrer Verantwortung in diesem Prozess vollständig bewusst und werde alle notwendigen Fragestellungen vor einem Einstieg verantwortungsvoll prüfen, heißt es von Unternehmensseite.
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