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Neonicotinoidbeize

Notfallzulassung: Zwei Drittel der Rübenanbauer tauschen Saatgut aus

Rübensaatgut
am Freitag, 22.01.2021 - 06:05 (Jetzt kommentieren)

Virusübertragende Blattläuse haben 2020 große Schäden hinterlassen. Jetzt gibt es eine Notfallzulassung, viele Anbauer greifen zu.

Die Saatgutbestellung bei Zuckerrüben ist längst gelaufen – im ersten Jahr ohne insektizide Beize.

Nachdem viele Bundesländer Notfallzulassungen für die neonicotinoide Rübenbeize Cruiser 600 FS erhalten haben, nutzten viele Rübenanbauer die Option, bereits bestelltes Saatgut zu tauschen. Das berichtet der Rheinische Rübenbauer-Verband (RRV). Rund 63 Prozent der rheinischen Anbauer haben von dem Angebot Gebrauch gemacht.

Dass der Anteil nicht noch größer war, führt der RRV-Vorsitzende Bernhard Conzen auf „die hohen ökologischen Anforderungen, die an die Cruiser-Beize geknüpft sind und an den verantwortungsvollen Umgang der Rübenanbauer mit dem Thema“ zurück.

Amtlicher Dienst, Zuckerfabriken und Anbauerverband hätten schnellstmöglich über die Anwendungsauflagen informiert.

Ohne neonicotinoide Beize nehmen Flächenbehandlungen zu

Auf den verbleibenden rund 37 Prozent der rheinischen Rübenflächen wird nun Saatgut ohne neonicotinoiden Schutz vor Blattlausbefall eingesetzt. Hier rechnet Conzen mit Flächenbehandlungen gegen Blattläuse mit Insektiziden nach dem Schadschwellenprinzip.

„Wir wissen aber, dass aufgrund des permanenten Läusezuflugs im Frühjahr hierüber kein ausreichender Schutz vor der Vergilbungskrankheit zu erzielen ist. Die Cruiser-gebeizten Parzellen reduzieren aber hoffentlich den Gesamtbefallsdruck erheblich und erzeugen für die übrigen Rübenflächen so etwas wie Herdenimmunität“.

Notfallzulassungen gegen virusübertragende Blattläuse

Die Notfallzulassungen des Beizmittels in diversen Bundesländern waren eine Folge des massiven Befalls mit viröser Rübenvergilbung 2020. Die Krankheit lässt sich derzeit nur über die Bekämpfung der Virus-übertragenden grünen Blattläuse eindämmen.

Cruiser 600 FS enthält den Wirkstoff Thiamethoxam aus der Gruppe der Neonicotinoide und wurde für 120 Tage zugelassen.

90 Prozent der rheinischen Rübenflächen mit Virus befallen

Im abgelaufenen Anbaujahr wiesen rund 90 Prozent der Rübenparzellen im Rheinland Befall mit viröser Vergilbung auf. Die Befallsstärke schwankte zwischen 1 und über 50 Prozent.

Unter Befall waren im Schnitt 34 Prozent Ertragsverlust festzustellen. Dort sei kein wirtschaftlicher Rübenanbau mehr möglich, sagte Conzen. Würde sich der Befall 2021 wie von Wissenschaftlern vorhergesagt nochmals ausbreiten, wäre die Existenz der rheinischen Rübenanbauer bedroht.

Zwar sei man in der Rübenkampagne 2020 mit rund 75 t/ha „noch mit einem blauen Auge davon gekommen“, doch die Spanne läge infolge von Vergilbung und Trockenheit zwischen 25 und 100 t/ha. Gleichzeitig sei die Zahl der rheinischen Rübenanbauer gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent zurückgegangen.

NABU kritisiert Notfallzulassungen

Der Landesverband Baden-Württemberg des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) äußerte sich kritisch zu den Notfallzulassungen der Neonicotinoide für den Rübenanbau.

5 Milliardstel Gramm des Wirkstoffs Thiamethoxam reichten aus, um eine Honigbiene zu töten. Der Verband warnte zudem vor einer Schädigung der Gewässerfauna.

Mit Material von RRV, AgE
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