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Beizmittel

Notfallzulassungen für Neonicotinoide: Immer mehr Ausnahmen in der EU

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Karl Bockholt, agrarheute
am
07.12.2018

Nach dem Verbot für Neonicotinoide Beizen häufen sich die Ausnahmen in etlichen EU-Ländern. Gibt es auch in Deutschland bald Notfallzulassungen?

Werden für Neonicotinoide Beizen demnächst auch in Deutschland Notfallzulassungen erteilt? In vielen EU-Länder ist das bereits Realität, etwa für Rübenbeizen.

Unterschiedliche Zulassungssituationen in den EU-Ländern

In Belgien sind neonicotinoide Rübenbeizen von Mitte Februar 2019 bis Mitte Juni 2019 wieder erlaubt. Auch Polen hat eine befristete Zulassung für Neonics. Weiter erlaubt Ungarn den Einsatz von Anfang März bis Ende Juni 2019, Tschechien von Anfang Februar bis Ende Mai 2019. In Österreich soll in Kürze eine entsprechende Zulassung für das kommende Frühjahr in Kraft treten. Ähnliche Ausnahmegenehmigungen wurden in den vergangenen Jahren auch in Finnland oder Großbritannien erteilt.

Dabei hatte eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten erst im April 2018 dem Vorschlag der EU-Kommission zugestimmt, die drei Neonicotinoide Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin im Freiland zu verbieten. Auch die deutsche Bundesregierung sprach sich für den Vorschlag aus.

Notfallzulassungen auch in Deutschland?

Nach Medienmeldungen will Deutschland das Verbot nun wieder lockern. Mit den Notfallzulassungen ist das möglich. Sie greifen, wenn keine anderen Möglichkeiten zur Bekämpfung verfügbar sind. In Deutschland wollen offenbar die Firmen Syngenta und Nufarm eine Notfallzulassung beantragen. 

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat wiederholt betont, dass bienengefährdende Wirkstoffe vom Markt genommen werden müssen. Jetzt gibt es aber anscheinend Pläne für die Notfallgenehmigungen von Rübenbeizen. Dafür gibt es viele gute Gründe:

  • Das Saatgut wird mit Neonicotinoiden nur in geschlossenen Räumen behandelt.
  • Zuckerrüben blühen während des einjährigen Anbaus überhaupt nicht.
  • Die tropfenförmige Abgabe von Tauwasser durch die Rübenblätter ist für Bienen relativ bedeutungslos.
  • Folgekultur ist in 90 Prozent Getreide. Das ist für Bienen weniger attraktiv. So ist bei Rübenbeizen auch hier nur von einem vergleichsweise geringen Risiko auszugehen.
Mit Material von AgE

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