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Blattkrankhheiten

Rübenkrankheiten: Bei Cercospora und Co. nicht zu lange warten

Cercospora in einem Rübenbestand
am Dienstag, 26.05.2020 - 06:03 (Jetzt kommentieren)

Resistenz vermeiden, heißt sinnvoll kombinieren und volle Mengen nach Schadschwellenprinzip einsetzen. So bleiben die Rüben gesund.

Blattkrankheiten können massiv Zuckerertrag kosten. Die Pilze effektiv zu kontrollieren, wirkt sich damit direkt auf die Wirtschaftlichkeit des Rübenanbaus aus. Die größten Schäden können Cercospora und Ramularia verursachen. Mehltau und Rübenrost treten ebenfalls auf, verursachen aber nicht so hohe Schäden.

  • Cercospora-Blattflecken: nur 2 bis 3 mm klein und rund mit scharf abgegrenztem, rötlich-braunem Rand. Die Konidienträger sind als kleine schwarze Punkte zu erkennen.
  • Ramulariaflecken: unregelmäßig geformt und 3 bis 8 mm groß. Brauner, häufig nur schwach ausgeprägter Rand zum gesunden Gewebe.
  • Mehltau: typischer, weißer und flächiger Pilzrasen. Breitet sich bei hohen Tagestemperaturen und kühlen Nächten mit Tau, sowie in anfälligen Rübensorten rasend schnell aus. Bei starkem und frühem Befall Mitte Juli deutliche Ertragseinbußen.
  • Rübenrost: nur 0,5 bis 1,5 mm sehr kleine Flecken. Die Rostpusteln platzen auf und die Sporen entweichen. Wirtschaftlicher Schaden nur bei sehr starkem Befall.
  • Bakterielle Blattflecken: wegen der dunklen Ränder leicht mit Cercospora zu verwechseln. Treten bei feuchtkühlem Wetter und nach Blattbeschädigungen durch Starkregen oder Hagel auf. Relativ große, unregelmäßig geformte Flecken ohne Pilzrasen, nicht bekämpfbar.

Beobachten und schnell handeln

Ramulariaflecken an Zuckerrüben

Erste Blattflecken durch Pilze können schon kurz nach dem Bestandsschluss auftreten. Besonders gefährdet sind Felder in Tallagen, in Nachbarschaft zu Rübenfeldern mit starkem vorjährigen Befall oder zu früheren Rübenmieten. Die Anfälligkeit der angebauten Sorte spielt für den Befallsbeginn dagegen eine untergeordnete Rolle. In robusten Sorten baut sich der Befall aber deutlich langsamer auf als in anfälligen Sorten.

Das wöchentliche Monitoring der Pflanzenschutzdienste und Anbauerverbände ist die Basis für den Warndienst, der die Rübenbauer zur eigenen Bestandskontrolle aufruft. Dabei werden aus dem mittleren Blattapparat zufällig 100 Rübenblätter entnommen und auf Befall durch Cercospora, Ramularia, Mehltau und Rost kontrolliert. Die Behandlungsschwelle ist erreicht, wenn bis Ende Juli 5 Prozent der Blätter Befall zeigen. Bis Mitte August gilt die Schwelle von 15 Prozent und danach von 45 Prozent für eine Erstbehandlung.

Sind diese Werte erreicht, sollte so schnell wie möglich mit Fungiziden behandelt werden. Verzögerungen führen zu weiterem Infektionspotenzial, das ein erfolgreiches Bekämpfen der Krankheitserreger unnötig erschwert.

Bei frühem Befallsbeginn, also bis Mitte Juli, empfehlen sich in Regionen ohne Strobilurinresistenz Kombinationen aus Strobilurin- und Azolwirkstoffen, gefolgt von Azolen zur Folgebehandlung. Bei späterem Befallsbeginn ab August sind die Ergebnisse der reinen Azole genauso gut wie Kombinationen aus Strobilurin und Azol.

Die Wirkung der Fungizide hält rund drei Wochen an. Danach muss, abhängig vom Wetter und vom Befallsdruck, die Bestandskontrolle wieder aufgenommen werden. Nur so lässt sich der Behandlungstermin einer Folgespritzung ermitteln. Für die Folgebehandlung gilt dann der Schwellenwert von 45 Prozent befallener Blätter. 

Immer mehr resistente Erreger

Cercospora-Blattflecken an Zuckerrüben

In den letzten Jahren war bei Cercospora eine zunehmende Strobilurinresistenz zu beobachten. Tritt sie auf, sind alle Wirkstoffe der Gruppe der Strobilurine unwirksam.

Bei den unterschiedlichen Azolen ist die Situation etwas entspannter. Dennoch treten auch hier Probleme auf. Einerseits ist regional eine langsam nachlassende Wirkung zu beobachten, das sogenannte Shifting. Andererseits verlieren einzelne Wirkstoffe ihre Zulassung. Beispielsweise dürfen Fungizide mit Epoxiconazol nur noch bis diesen Herbst verkauft werden und müssen bis zum Herbst 2021 verbraucht sein.

Um die Lage zu entspannen, können Mischungen mit Kontaktfungiziden erfolgreich sein: In einem dreijährigen Versuch hat die unbehandelte Kontrolle einen bereinigten Zuckerertrag (BZE) von 10,2 t/ha erreicht; mit einer reinen Azolbehandlung waren es 12,3 t/ha. Mit der Mischung aus Azol und Funguran Progress beziehungsweise Azol und Tridex DG waren jeweils 13,7 t/ha möglich.

In den letzten Jahren wurden bereits für beide Mittel Ausnahmegenehmigungen erteilt. Tridex DG enthält das aus Krautfäulemitteln bekannte Mancozeb, Funguran Progress ist ein Kupferpräparat. Auch für 2020 wurden Ausnahmegenehmigungen und eine reguläre Zulassung beantragt.

Resistenzen wirksam vermeiden

Empfohlene Spritzfolgen gegen Rübenkrankheiten je nach Resistenzen

Resistenzen lassen sich nur vermeiden, wenn die breite Praxis die nötigen Behandlungsstrategien umsetzt (siehe nebenstehende Übersicht). Zusätzlich sind alle Instrumente, die das Infektionsrisiko reduzieren, soweit wie möglich zu nutzen. Das beginnt bereits bei der Sortenwahl. Bevorzugen Sie bei vergleichbarem Ertrag blattgesunde Sorten.

Die volle Leistung der Fungizide ist nur bei rechtzeitigem Einsatz zu Befallsbeginn möglich. Wirkstoffwechsel, günstige Anwendungsbedingungen und die volle zugelassene Aufwandmenge helfen, dem Auftreten von resistenten Stämmen vorzubeugen. Eine wendende Bodenbearbeitung nach den Rüben kann den Infektionsdruck für das Folgejahr reduzieren.

Mit Material von Harald Bauer, ARGE Zuckerrübe Südwest

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