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Zuckerrüben

Rübenkrankheiten: Immer weniger Fungizide verfügbar

Behandlung von Blattkrankheiten in Rüben
am Freitag, 26.04.2019 - 13:38

Die Bekämpfung von Blattkrankheiten in Rüben steht auf wackeligen Beinen. Wirkstoffe verlieren die Zulassung oder ihre Wirkung. Zugleich sind die Preise im Keller. Damit ist es wichtiger denn je, Befall vorzubeugen und das Risiko zu bewerten.

Der gezielte Fungizideinsatz gegen Blattkrankheiten ist ein wichtiger Baustein im Rübenanbau. Die Erreger können erhebliche Ertragsverluste verursachen. Noch lassen sie sich gut kontrollieren. Aber: Es droht auch hier der Wegfall wichtiger Fungizide, beispielsweise von Epoxiconazol. Gleichzeitig nehmen die Wirkungsverluste und erste Resistenzen zu.

Zu den wichtigsten Blattkrankheiten zählen Cercospora, Ramularia, Echter Mehltau und Rübenrost. Außerdem kann Phoma auftreten. Der Befall ist aber nur selten wirtschaftlich bedeutsam. Wechselhaftes Wetter mit Regen und Temperaturen über 20 °C fördern die Krankheiten. Ihr Erstauftreten und der weitere Verlauf hängen neben der Witterung auch von der Rübenfruchtfolge, der Anbaudichte in der Nachbarschaft und der Sorte ab.

Wichtig ist daher ein andauerndes Beobachten der Bestände. Beregnungsstandorte sind besonders gefährdet. Das Zusatzwasser schafft bei hohen Temperaturen ein optimales Mikroklima für Infektionen.

Sorten unterschiedlich anfällig

Immer wieder zeigen sich in den Versuchen der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen deutliche Unterschiede im Befall der einzelnen Sorten. Die Eigenschaften der ausgedrillten Sorten bestimmen also direkt eine Bekämpfungsnotwendigkeit.

Die Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamts weist in erster Linie die Anfälligkeit gegenüber Cercospora und Mehltau aus. Dabei gehen die Bewertungen für Mehltau deutlich weiter auseinander als die für Cercospora. In Feldversuchen unterscheiden sich die Sorten aber auch beim Cercospora-Blattbefall deutlich. Eine Einstufung der Ramulariaanfälligkeit liegt nur für wenige Sorten vor. In jedem Fall kann der Anbau blattgesunder Sorten den Fungizideinsatz deutlich reduzieren.

So bewerten Sie Befall richtig

Die Nachbarschaft zu vorjährigen Rübenflächen kann denn Befallsdruck deutlich erhöhen. Hier sind regelmäßige Bestandskontrollen nötig. Entnehmen Sie dafür zufällig 100 Blätter aus dem mittleren Blattapparat und untersuchen sie auf Symptome.

Die Bekämpfungsschwellen ergeben sich aus der Anzahl von Blättern mit mindestens einem Blattfleck von Cercospora, Ramularia oder Mehltau. Bei frühen Infektionen sind die Bekämpfungsschwellen deutlich niedriger als bei späten. Folgende Grenzen gelten:

  • bei Frühinfektionen bis 31. Juli: mehr als 5 von 100 Blättern befallen,
  • Hauptinfektionen bis 15. August: mehr als 15 Prozent befallene Blätter,
  • Spätinfektionen ab 15. August: mehr als 45 Prozent befallene Blätter.

Ist die Grenze überschritten, sollten Sie zeitnah mit einem Fungizid behandeln. Die Dauerwirkung der Mittel kann bei voller Aufwandmenge bis zu drei Wochen betragen, abhängig von der Witterung mit

Beregnung oder Niederschlag, Hitze und Stress. Ein Auslassungsfenster ermöglicht die Kontrolle des Befallsverlaufs im Vergleich zur behandelten Fläche.

Mit regelmäßigen Feldprüfungen auch nach einem Fungizideinsatz lassen sich rechtzeitige Folgebehandlungen planen. Online-Entscheidungshilfen und die Daten der Blattkrankheitsmonitorings der amtlichen Dienste und anderer Berater finden Sie in den Internetportalen der Zuckerunternehmen und bei www.isip.de.

In den verschiedenen Anbauregionen Deutschlands unterscheiden sich das Klima und damit der Befallsbeginn und der Epidemieverlauf deutlich. Bei frühem Befall mit Cercospora ist häufig ein zweimaliger Fungizideinsatz notwendig, bei sehr starkem Druck können sogar drei Behandlungen erforderlich sein.

agrarheute-Exklusivübersicht: Diese Rübenfungizide können Sie nutzen

Bereits von Resistenzen bedroht

Achten Sie in Spritzfolgen unbedingt auf einen Wirkstoffwechsel, um Resistenzen entgegenzuwirken. Diese nehmen vor allem bei Cercospora zu. Zwei Wirkstoffgruppen sind betroffen:

  • Strobilurine: Resistenzen sind in Süddeutschland und in den südeuropäischen Nachbarstaaten bereits weit vorangeschritten.
  • Azole: Wirkungsverluste im Feld sind zu befürchten, weil in Labortests regional unterschiedlich stark ein sogenanntes „Azol­shifting“ erkennbar ist. Der Wirkungsverlust der Azole ist vergleichbar mit den lange bekannten Resistenzen von Septoria tritici im Weizen. Das bedeutet, dass künftig mehr Azolwirkstoff nötig wird oder in der Rübe mehrmals appliziert werden muss, um eine vergleichbare Wirkung gegenüber Cercospora zu erzielen. Der Wirkungsverlust der einzelnen Azole unterscheidet sich je nach Standort.

Weiteren Resistenzen beugen Sie daher mit gesunden Sorten und mit einem Wirkstoffwechsel bei Spritzfolgen vor. Die Auswahl des Produkts hängt vom Bekämpfungsschwerpunkt und von einer gewünschten Dauerwirkung ab.

Die Azole tragen dabei die Hauptbekämpfungsleistung. Solo-Anwendungen von reinen Strobilurinen wie Ortiva oder reduzierte Aufwandmengen von Strobilurin-Azol-Produkten (Juwel, Sphere) müssen unbedingt vermieden werden! Ortiva (0,5 l/ha) sollte mit einem Azol gemischt werden, beispielsweise mit 1,0 l/ha Rubric oder 0,6 l/ha Duett Ultra.

Empfehlungen bei frühem Befall

Bei einem frühen Befallsbeginn bietet Sphere ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für den Spritzstart. Das Mittel kombiniert Azoxystrobin mit Cyproconazol. Vergleichbare Azol-Strobilurin-Kombinationen sind unter anderem die neu zugelassenen Mittel Amistar Gold (Azoxystrobin plus Difenoconazol) und Mercury Pro (Azoxystrobin plus Cyproconazol).

Nach der Vorlage eines dieser Präparate lässt sich mit Blick auf das Resistenzmanagement beim zweiten Termin Epoxiconazol nachlegen, etwa mit Rubric. Sollte ein dritter Einsatz nötig sein, ist das Fungizid Score (Difenoconazol) denkbar.

Empfehlungen bei spätem Befall

Bei einem späten Befallsbeginn mit Cercospora ab Ende Juli können Duett Ultra mit 0,6 l/ha oder Rubric mit 1,0 l/ha zum Einsatz kommen. Auch bei Ramularia hat sich Rubric als wirkungsvoll erwiesen. Folgebehandlungen sollten jeweils mit dem anderen Azol erfolgen.

Beim Azol Cirkon ist die Zulassung ausgelaufen; Reste dürfen aber 2019 noch aufgebraucht werden.

Kupfer wohl für 120 Tage erlaubt

Gegen Cercospora ist für das Kupferpräparat Funguran Progress eine Sonderzulassung für 120 Tage beantragt. Sollte diese Zulassung wie in den letzten Jahren erteilt werden, ließe sich dieses reine Kontaktmittel als Antiresistenzbaustein gut mit anderen Fungiziden kombinieren. Die Anwendung wäre wie im letzten Jahr nur dort zugelassen, wo bereits Resistenzen nachgewiesen wurden.

Eine gute Wirkung von Funguran Progress bestätigt sich in Versuchen der LWK Niedersachsen, in anderen Bundesländern und auch in Österreich. Als Kontaktmittel ist es nicht resistenzgefährdet, kostet aber rund 19 Euro/kg.

Es empfiehlt sich dort, wo schon Wirkungsverluste der anderen Wirkstoffgruppen aufgetreten sind oder ein extremer Befall mit Cercospora vorliegt. In diesen Fällen lässt es sich gut in halber Aufwandmenge (1,25 kg/ha) mit einem Azol kombinieren. Unter normalen Befallsbedingungen gelten die oben genannten Empfehlungen.

Fazit

Die Bekämpfung von Blattkrankheiten in Rüben wird zunehmend schwieriger. Wirkungsverluste und Resistenzen nehmen zu und einige Mittel oder gar Wirkstoffgruppen verlieren ihre Zulassung.

Damit ist eine integrierte Krankheitsbekämpfung nötig. Dazu gehört unbedingt alles, was Befall vorbeugt, also Sortenwahl, Fruchtfolge, Bodenbearbeitung und ein Bekämpfen nach Schwellenwerten mit wechselnden Wirkstoffen zur Resistenzvermeidung.

Mit Material von Dr. Bernhard Werner, LWK Niedersachsen

Gekoppelte EU-Zahlungen im Rübenanbau