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Zuckerrüben

Auch im Südwesten: Zukunft für Zuckerrüben

von , am
15.03.2012

Zuckerrübenbauer müssen sich - nicht zuletzt wegen der Reform der Zuckermarktordnung - auf mehr wirtschaftlichen Druck einstellen. Wie das geht, erforscht das Zukunftsprojekt Zuckerrübe.

© Mühlhausen/landpixel
Im Jahr 2009 wurde im Südwesten von Rheinland-Pfalz das Zukunftsprojekt Zuckerrübe mit breiter politischer Unterstützung über alle Fraktionen hinweg ins Leben gerufen. Jetzt gibt es erste Ergebnisse.
 
Ein Schwerpunkt wird auf die Bekämpfung der Rübennematoden gelegt, denn sie verursachen in der Region erhebliche Ertragseinbußen. Im vergangenen Jahr wurden deshalb hunderte von Standorten im Land auf das Vorkommen dieses Schädlings untersucht.

Nematoden erfolgreich bekämpfen

Das Ergebnis: Nur noch sehr wenige Regionen in Rheinland-Pfalz und in Südhessen gelten als befallsfrei. Insbesondere entlang des Rheingrabens und um die Zuckerfabrik in Offstein herum könne ein Nematodenbefall praktisch vorausgesetzt werden, so Ellen Hartmann, Mitarbeiterin im Gemeinschaftsprojekt. In diesen Regionen sollten nur noch nematoden-tolerante Sorten angebaut werden. Standardsorten reagieren auf Nematodenbefall mit deutlichen Ertragseinbußen. Die auf dem Markt befindlichen resistenten Sorten konnten in den Versuchen zwar den Nematodenbefall deutlich reduzieren, haben aber ein deutlich geringeres Ertragspotenzial, so dass sich der Anbau nicht rechnet.
 
Als Ergebnis der Beratungstätigkeit konnte der Anbau von toleranten Sorten auf rund 50 Prozent der Anbaufläche im Verbandsgebiet der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer gesteigert werden.
 
Winterraps in der Fruchtfolge
 
Der Anbau von Winterraps in Zuckerrübenfruchtfolgen scheint nach den Ergebnissen des 2009/10 im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes durchgeführten Nematoden-Monitorings durchaus möglich zu sein. Allerdings setzt diese Integration eine termingerechte Ausfallrapsbekämpfung zur Unterbrechung des Entwicklungszyklus von Heterodera schachtii voraus. Dabei kommt es vor allem auf den Bekämpfungszeitpunkt an, denn die Bodenbearbeitung bzw. die Applikation von Herbiziden muss unbedingt rechtzeitig bei einer Temperatursumme von 250 °C erfolgen, um den Fangpflanzeneffekt positiv nutzen zu können. Der Zeitpunkt ist bei normaler Witterung etwa 14 bis 16 Tage nach dem Auflaufen des ersten Ausfallrapses erreicht.
 
In Teilprojekt 3 (Umweltwirkungen veränderter Zuckerrübenanbausysteme in Trockengebieten) wird die Populationsdynamik von Nematoden unter Winterrüben untersucht. Weiterhin soll die Frage geklärt werden, ob Wasser in einer Winterrüben-Fruchtfolge effizienter genutzt werden kann. Derzeit stehen jedoch noch keine schossfesten Sorten zur Verfügung.
 
Bessere Infrastruktur schaffen
 
Ein weiterer Projektschwerpunkt liegt auf der Verbesserung der ländlichen Flächen- und Infrastrukturen durch Flurbereinigung und Wegeausbau. Ziel dieses Teilprojektes ist eine Abschätzung der aus verbesserten Schlag- und Bewirtschaftungsstrukturen entstehenden Effekte. Als ein erstes Zwischenergebnis wurde im Rahmen des Teilprojektes eine Wegebaubroschüre als Handbuch für Praxis und Politik erstellt. Sie behandelt die wichtigsten Fragestellungen rund um das Thema ländlicher Wegebau und dient somit Landwirten, Vertretern der Politik sowie anderen Interessenten als wichtige Entscheidungshilfe.

Hintergrund

Das "Gemeinschaftsprojekt zur Erhaltung und Förderung eines zukunftsfähigen Zuckerrübenanbaus in Rheinland-Pfalz", so der genaue Name, wurde als Reaktion auf die Reform der Zuckermarktordnung ins Leben gerufen. Denn durch die Marktordnungsreform sind die Zuckerrüben anbauenden Betriebe einem erhöhten wirtschaftlichen Druck ausgesetzt, und etliche Betriebe haben den Rübenanbau eingestellt.
 
 
Ziel: Regionale Strategie erarbeiten
 
Gesamtziel des Projektes ist die Erarbeitung einer regionalen Strategie für einen nachhaltigen Anbau von Zuckerrüben in den rheinland-pfälzischen Anbauregionen vor dem Hintergrund stark veränderter Rahmenbedingungen (Zuckermarktreform, Ausdehnung des Anbaus nachwachsender Rohstoffe, Klimawandel). Dabei sollen pflanzenbauliche Handlungsoptionen entwickelt bzw. bereits vorhandene neu bewertet werden. Zudem werden Verbesserungen der Infrastruktur im Zuckerrübenanbau angestrebt und Kostensenkungspotentiale ermittelt.
 
Das Gemeinschaftsprojekt gliedert sich in folgende fünf Teilprojekte:
  • Teilprojekt 1: Management von Nematoden-Populationen in Zuckerrüben-Raps-Fruchtfolgen unter Einbeziehung der Ausfallrapsbekämpfung
  • Teilprojekt 2: Auswirkungen von Zwischenfrüchten auf den Krankheits- und Schädlingsbefall im Zuckerrüben- und Rapsanbau
  • Teilprojekt 3: Umweltwirkungen veränderter Zuckerrübenanbausysteme in Trockengebieten
  • Teilprojekt 4: Verbesserung der Flächeninfrastruktur in rheinhessisch-pfälzischen Zuckerrübenbetrieben
  • Teilprojekt 5: Ermittlung von Verbesserungsansätzen der Beratungsstrategie und/oder -umsetzung
 
Der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. und die ARGE Zuckerrübe Südwest führen das Projekt, das noch bis Ende des Jahres läuft, in Zusammenarbeit mit dem Dienstleistungszentrum ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück durch. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt das Projekt durch eine vierjährige finanzielle Förderung der Forschungsaktivitäten.
 
Über bisher drei Bachelor-Arbeiten und eine Magisterarbeit sind auch die Fachhochschule Bingen sowie die Universität Mainz in das Gemeinschaftsprojekt integriert.  

Täglich 800 Lastwagen mit Zuckerrüben

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