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Rübenherbizide

Unkrautbekämpfung in Rüben: Das letzte Jahr im alten System

Unkrautbekämpfung in Rüben
am
25.02.2019

Die Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben steht vor einem gewaltigen Umbruch. 2020 werden die wichtigen Wirkstoffe Chloridazon, Phenmedipham und Desmedipham voraussichtlich wegfallen. Das Conviso-Anbausystem wartet noch auf seine Zulassung.

Die junge Rübenpflanze ist besonders konkurrenzschwach. Sie wächst langsam, schließt spät die Reihen und mag Beschattung gar nicht. Niedrige Luft- und Bodentemperaturen stressen die Zuckerrübe in der Jugend zusätzlich.

Das A und O ist also ein störungsfreier Start ins Leben. Der lässt sich – in Bezug auf die Unkrautkonkurrenz – durch eine zielgenaue Behandlung gewährleisten.

Neben den Gräsermitteln und den Totalherbiziden können elf verschiedene Wirkstoffe eingesetzt werden. Das hört sich zunächst komfortabel an. Allerdings ist das Wirkungsspektrum der einzelnen Wirkstoffe sehr schmal. Daher setzten viele Rübenanbauer in den letzten Jahren wohldosierte Wirkstoffcocktails ein.

Wirkstoffpalette schrumpft

In diesem Jahr lassen sich die bekannten Produkte noch einmal nutzen – mit Betonung auf noch, denn die Herbizidversorgung steht vor einem Umbruch: Ab 2020 fällt auf jeden Fall der Wirkstoff Chloridazon in Rebell Ultra weg. Die Zulassung wurde nicht mehr verlängert. In diesem Jahr dürfen die Restmengen letztmalig eingesetzt werden.

Aufgrund der gefahrenbasierten Bewertung von Pflanzenschutzmitteln auf EU-Ebene werden womöglich zwei weitere Wirkstoffe von der Liste der zugelassenen Substanzen verschwinden: Phenmedipham (PMP) und Desmedipham (DMP), die unter anderem in Betanal maxxPro, Betasana Trio oder Belvedere Extra enthalten sind.

Beide Kontaktwirkstoffe sind ein wesentlicher Bestandteil der Herbizidstrategien in Rüben und nicht oder nur sehr schwer ersetzbar. Eine Entscheidung auf EU-Ebene wird für diesen Monat erwartet.

Was die Alternativen können

Um vorbereitet zu sein, hat die Beratung bundesweit Versuchsserien ohne die betroffenen Produkte durchgeführt. Eingesetzt wurde bereits ein Prüfmittel aus Triflusulfuron (beispielsweise in Debut) und Lenacil (enthalten in Betanal maxxPro), das die Zulassung in Deutschland noch erhalten muss. Die Ergebnisse waren erwartungsgemäß wechselhaft.

Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens einer der beiden kritisierten Wirkstoffe erhalten bleibt, um vor dem Hintergrund bestehender und zu erwartender neuer Resistenzen weiterhin eine Alternative zu haben.

Ein konkretes Beispiel: Die Bekämpfung des Weißen Gänsefußes basiert ohne die Kontaktwirkstoffe hauptsächlich auf Metamitron, bekannt aus Goltix Gold - und auch dieser Wirkstoff ist von Resistenz betroffen.

Wirkstoffe, die Phenmedipham und Desmedipham 100-prozentig ersetzen können, sind bisher nicht in Aussicht. Die mechanische Unkrautbekämpfung wird damit wieder interessanter.

Vorsaatbehandlung ist entscheidend

Zunächst sind vor der Saat alle vorhandenen Unkräuter zu beseitigen. Das kann mithilfe von Glyphosatprodukten erfolgen oder durch eine effektive mechanische Bearbeitung wie etwa einer Frühjahrsfurche.

Die unterschiedlichen Glyphosatpräparate unterscheiden sich beispielsweise im Anwendungszeitraum und in der möglichen maximalen Wirkstoffmenge pro Hektar. Der Einsatz vor der Saat ist am wirkungssichersten.

Bei der mechanischen Bekämpfung muss das Altunkraut sicher absterben und darf nicht nur vorübergehend verschüttet werden. Größere Unkräuter mit den „normalen“ Rübenherbiziden zu bekämpfen, ist deutlich schwieriger und teurer.

So früh wie möglich behandeln

Als weiterer Grundsatz bleibt erhalten: Neu auflaufende Unkräuter müssen möglichst im Keimblattstadium bekämpft werden. Nachtfröste, Wind und Regen erschweren manchmal das Einhalten dieses Ansatzes. Oft ist die erste Behandlung im Nachauflauf (NAK 1) davon betroffen. Bedenken Sie bei Ihrer Entscheidung, dass verspätete Behandlungen einen höheren Wirkstoffeinsatz erfordern, der wiederum die Verträglichkeit beeinflusst.

Neben den Unkräutern sind auch die Ungräser in den Zuckerrüben möglichst umfassend zu bekämpfen. Zunehmende Resistenzen erschweren besonders die Ackerfuchsschwanzbekämpfung.

Die FOP-Produkte wie etwa Agil wirken schon länger nicht mehr ausreichend. Mittlerweile lässt auch bei den DIM-Präparaten (Focus Ultra, Select) die Wirkung nach.

Ein wichtiges Hilfsmittel im Resistenzmanagement sind genaue Aufzeichnungen: Notieren Sie sich den Erfolg der Gräserbehandlung auf den einzelnen Flächen. Wirkt beispielsweise Focus Ultra nicht mehr ausreichend, lassen sich mit Select noch bessere Erfolge erzielen.

Auch der umgekehrte Fall ist möglich: Focus wirkt besser als Select. Im Extremfall ist auch ein kombinierter Einsatz beider Produkte in voller Aufwandmenge möglich, um das Ungras einigermaßen zu beherrschen.

Fazit

In diesem Jahr können Sie noch alle bekannten Zuckerrübenherbizide einsetzen, bevor für den Rübenanbau 2020 gravierende Änderungen drohen. Passen Sie Tankmischungen auf die Verunkrautung an und bringen Sie sie möglichst zum optimalen Termin aus. Das gilt auch für die Gräserherbizide zur Ackerfuchsschwanzbekämpfung.

Mit Material von Dr. Holger Kreye, LWK Niedersachsen

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