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Zuckerrüben

Welt-Zuckermarkt bleibt überversorgt

© agrar-press
von , am
04.06.2013

Washington - Das Angebot am globalen Zuckermarkt wird in der Kampagne 2013/14 wieder reichlich ausfallen, so dass die Preise voraussichtlich noch längere Zeit unter Druck stehen werden.

Der Zuckerverbrauch wächst weiter kräftig. © BirgitH/pixelio
Zu dieser Einschätzung gelangt das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in seiner ersten Prognose für die anstehende Erntesaison, die erneut einen Spitzenertrag bringen soll. Die Washingtoner Experten prognostizieren eine weltweite Erzeugung von fast 174,9 Millionen Tonnen Zentrifugalzucker in Rohwert; das wären noch einmal rund 400.000 Tonnen oder 0,2 Prozent mehr als das geschätzte Rekordergebnis für die Kampagne 2012/13.
 
Den globalen Verbrauch an Zucker sieht das USDA im Prognosezeitraum um 2,3 Prozent auf 167,3 Millionen Tonnen steigen, womit dieser noch stärker als die Produktion zulegen würde. Dennoch würde im vierten Jahr in Folge die weltweite Erzeugung den Zuckerverbrauch im Nahrungsbereich übertreffen. An einen Abbau der Bestände ist daher laut USDA nicht zu denken; sie sollen sich weiterhin über der Marke von 38 Millionen Tonnen bewegen.

Überschüsse drücken auf die Preise

Die reichliche Verfügbarkeit des Süßstoffes am Weltmarkt hat seit Anfang 2011 zu einem spürbaren Preisrückgang auf dem internationalen Parkett geführt. Im Februar 2011 war für den Rohzucker-Kontrakt Nummer 11 in New York in der Spitze mehr als 35 cts/lb (600 Euro je Tonne) gezahlt worden; am 28. Mai wurde der Frontmonat dieses Futures zu Börsenbeginn für weniger als die Hälfte gehandelt, und zwar für 16,89 cts/lb (288 Euro je Tonne). Auch die Kurse für Weißzucker an der Londoner Börse befinden sich seit längerem im Rückwärtsgang. Der August-Kontrakt-2011 hatte Mitte Juli 2011 auf einem Höchststand von 876,3 US-Dollar je Tonne (677 Euro je Tonne) notiert; der entsprechende Kontrakt mit Endfälligkeit im August 2013 kostete vergangenen Dienstag zum Handelsstart mit 478,3 US-Dollar je Tonne (370 Euro je Tonne) rund 45 Prozent weniger.

Der Markt für Zucker im Fokus

Die Zunahme der globalen Zuckererzeugung lässt sich nach Einschätzung der USDA-Analysten in erster Linie auf den Anstieg der brasilianischen Produktion zurückführen. Diese soll 2013/14 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,8 Millionen Tonnen oder 4,7 Prozent auf 40,4 Millionen Tonnen steigen und sich damit auf fast ein Viertel der gesamten Weltproduktion belaufen. Die Zuckererzeuger in dem südamerikanischen Staat haben ihre Anbauflächen zwar nur leicht um 0,5 Prozent auf 9,8 Millionen Hektar ausgeweitet; doch insbesondere die günstigen Klimabedingungen in den südlichen Regionen des Landes lassen höhere Hektarerträge erwarten.

Große Exportmengen in Brasilien verfügbar

Insgesamt sollen rund 640 Millionen Tonnen Zuckerrohr in der aktuellen Saison geerntet werden; das wären acht Prozent mehr als 2012/13. Davon werden schätzungsweise 48 Prozent für die Zuckerproduktion verwendet; etwas mehr als die Hälfte dürfte für die Herstellung von Ethanol genutzt werden. Bei einem weitgehend stabil erwarteten Verbrauch von 11,3 Millionen Tonnen für den menschlichen Konsum wird Brasilien 2013/14 so viel Zucker für den Export zur Verfügung haben wie niemals zuvor. Das US-Agrarressort rechnet mit einem Anstieg der Ausfuhrmenge um sechs Prozent auf 29,3 Millionen Tonnen Rohwert; das wäre fast die Hälfte der weltweit insgesamt exportierten Menge. Wichtigste Kunden für den von Brasilien vornehmlich exportierten Rohzucker sind China, Russland, Algerien, Ägypten, und Bangladesch. Größter Abnehmer für brasilianisches Ethanol waren zuletzt die Vereinigten Staaten, gefolgt von Jamaika.

Indien bleibt größtes Verbrauchsland der Erde

Für Indien als weltweit zweitgrößten Zuckerproduzenten erwartet das US-Landwirtschaftsministerium in den kommenden Monaten eine sinkende Erzeugung. Insbesondere aufgrund geringerer Hektarerträge sollen im Vergleich zum Vorjahr 2,1 Millionen Tonnen oder 7,7 Prozent weniger Zucker raffiniert werden und die Produktion 2013/14 nur noch bei 25,3 Millionen Tonnen liegen. Zu dieser Entwicklung dürfte auch beitragen, dass die indischen Verarbeiter mehr Zuckerrohr für die Herstellung des unraffinierten Gur-Zuckers (Jaggery) verwenden wollen, da dessen Marktpreise aus ihrer Sicht eine wirtschaftlich lukrativere Vermarktung bieten. Indien wird auch 2013/14 mit Abstand der weltweit führende Konsument von Zucker bleiben; das USDA erwartet einen Anstieg des Nahrungsverbrauchs um 2,0 Prozent auf 26,0 Millionen Tonnen.

Indien liberalisiert den Zuckermarkt

Wegen des voraussichtlich geringeren heimischem Angebotes dürfte der Importbedarf steigen; die US-Experten rechnen hier gegenüber dem Vorjahr mit einem Zuwachs um 200.000 Tonnen oder gut 15 Prozent auf insgesamt 1,5 Millionen Tonnen. Auf der Exportseite wird mit einer Steigerung um 9,1 Prozent auf 600.000 Tonnen gerechnet; zu Zeiten der weltweiten Hochpreisphase wurden von Indien in den Kampagnen 2010/11 und 2011/12 jeweils deutlich mehr als drei Millionen Tonnen ausgeführt. Mit Spannung werden auf dem Subkontinent die möglichen Auswirkungen einer im April 2013 in Kraft getretenen Marktliberalisierung erwartet. Danach entfällt für die Hersteller die Pflicht, 10 Prozent ihrer Zuckerproduktion verbilligt an den Staat abtreten zu müssen, damit diese Menge an arme Bevölkerungsschichten abgegeben werden kann. Zudem sind die Zuckerfabrikanten auch nicht mehr an zeitlich festgelegte Verkaufsvolumen gebunden, die die Preisstabilität fördern sollten.

Stabile Verhältnisse in der EU erwartet

In der Europäischen Union dürfte die Zuckererzeugung in der Kampagne 2013/14 nach Einschätzung der US-Analysten aufgrund etwas besserer Hektarerträge um 2,0 Prozent auf gut 15,9 Millionen Tonnen Rohwert steigen. Bei stabilem Verbrauch von 18,1 Millionen Tonnen und einem durch die Abkommen mit der Welthandelsorganisation (WTO) gedeckelten Exportvolumen von 1,5 Millionen Tonnen wird die Mehrproduktion zum überwiegenden Teil in die Lager gehen; die Bestände sollen um 4,7 Prozent auf 3,1 Millionen Tonnen anwachsen. Zudem rechnen die Washingtoner Experten mit einer gleichbleibenden EU-Einfuhr von 3,8 Millionen Tonnen.

Handelsabkommen mit Kolumbien und Peru

Während der USDA-Ausblick auf 2013/14 wenig Änderungen am EU-Zuckermarkt verspricht, erwartet der Marktspezialist Peter de Klerk vom Handelshaus Czarnikow für die darauffolgenden Jahre eine Entspannung, nachdem die Zuckernachfrager in der Gemeinschaft zuletzt über Versorgungsengpässe und hohe Preise klagten. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg geht de Klerk davon aus, dass die Zuckerlieferungen in die EU aus Ländern mit Präferenzabkommen steigen werden. Angesichts des großen Preisunterschiedes zwischen Weltmarkt und EU-Markt dürften die Präferenzländer verstärkt ihre Erzeugung in die Gemeinschaft verkaufen und den eigenen Bedarf durch höhere Importe decken, so der Zuckerexperte. Neue Handelsabkommen mit Peru, Kolumbien und anderen Zentralamerikanischen Staaten würden zudem zusätzlich 260.000 Tonnen Zucker in die Gemeinschaft bringen.

Thailand setzt Expansionskurs fort

Wieder auf Expansionskurs befindet sich nach dürrebedingter Pause im Wirtschaftsjahr 2012/13 die thailändische Zuckerwirtschaft. Für 2013/14 sagt das Washingtoner Agrarressort eine Zunahme der thailändischen Zuckererzeugung um gut sechs Prozent auf die neue Rekordmarke von 10,5 Millionen Tonnen voraus. Gestützt wird die Produktionsausweitung in dem asiatischen Königreich durch den Neubau von Zuckerfabriken, von denen es mittlerweile 51 im Land gibt. Dem steht lediglich eine Produktionsanlage für Ethanol gegenüber, in der weniger als ein Prozent der Zuckerrohrernte verarbeitet wird. Die höhere Erzeugung wird Thailand trotz des steigenden Eigenbedarfs in die Lage versetzen, die Exporte weiter auszudehnen. Das USDA schätzt das Ausfuhrvolumen für 2013/14 auf 8,5 Millionen Tonnen; das wären gut sechs Prozent mehr als im Vorjahr und für das Land die größte jemals am internationalen Markt verkaufte Menge.
  • Umrechnungskurs ein US-Dollar = 0,7728 Euro

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