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Verbot

Sieben Fakten zu Neonicotinoiden

agrarheute/aiz, Überarbeitung: Karl Bockholt
am
03.05.2018

Die drei neonikotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam sind jetzt nur noch im Gewächshaus erlaubt. Schon 2013 schränkte die EU-Kommission den Einsatz im Pflanzenschutz ein. 2018 folgt das Verbot im Freiland. Wir haben 7 Fakten zu den Neonicotinoiden zusammengestellt.

1. Neonicotinoide sind Nervengifte

Neonicotinoide sind eine Gruppe von hochwirksamen Insektiziden. Sie alle sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die sich an die Rezeptoren der Nervenzellen binden und so die Weiterleitung von Nervenreizen stören. Neonicotinoide wirken auf die Nervenzellen von Insekten weit stärker als auf die Nerven von Wirbeltieren. Die bekanntesten drei neonicotinoiden Wirkstoffe sind Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam.

2. Neonicotinoide werden vor allem als Beizen eingesetzt

Die meisten Neonicotinoide können zur Blattbehandlung, als Beizmittel und zur Bodenbehandlung eingesetzt werden. Etwa 60 Prozent der Anwendungen entfallen schätzungsweise aber auf Beizmittel und Bodenapplikationen, bislang vor allem in Raps und Rüben.

3. Neonicotinoide werden fürs Bienensterben mitverantwortlich gemacht

Seit Anfang der 2000er-Jahre stehen etliche auch in der Saatgutbeizung verwendete Wirkstoffe im Verdacht, für das Bienensterben mitverantwortlich zu sein. In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen sind seitdem die Wirkungen der Neonikotinoide auf die Bienen beschrieben. Die Ergebnisse sind recht unterschiedlich und teilweise konträr.

4. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht Risiken für Bienen

Nach Bekanntwerden neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über subletale Auswirkungen auf Bienen beauftragte die EU-Kommission die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Forscher der EFSA haben Risiken für Bienen identifiziert, die von den drei Neonicotinoid-Insektiziden Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam ausgehen.

  • Exposition durch Pollen und Nektar: Nur die Verwendung bei Nutzpflanzen, die für Honigbienen uninteressant sind, wurde als akzeptabel erachtet.
  • Gefahr durch Stäube: Ein Risiko für Honigbienen bestand bzw. konnte nicht ausgeschlossen werden, mit einigen Ausnahmen, wie bei der Verwendung für Zuckerrüben oder Nutzpflanzen, die in Gewächshäusern angebaut werden, und bei der Verwendung einiger Granulatformen.
  • Exposition durch Guttation: Nur die Risikobewertung für mit Thiamethoxam behandeltem Mais konnte abgeschlossen werden. Hier zeigen Feldstudien eine akute Wirkung auf Honigbienen, die dem Wirkstoff mittels Guttationsflüssigkeit ausgesetzt waren.

5. Saatgutbeizen mit den Wirkstoffen sind nun auch für Rüben verboten

Auf der Grundlage des Berichts der EFSA schränkte die EU-Kommission mit der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 485/2013 vom 24. Mai 2013 die zulässigen Verwendungen für drei neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Pflanzenschutzmitteln ein. Gemäß dieser Verordnung dürfen Pflanzenschutzmittel mit diesen Wirkstoffen nur noch für gewerbliche Anwendungen zugelassen werden. Weiter sind in bestimmten Kulturen Saatgut- und Bodenbehandlungen gar nicht mehr erlaubt und Blattbehandlungen nur nach der Blüte. So wurde etwa auch das Pflanzenschutzmittel Cruiser Osr zur Saatgutbehandlung im Raps verboten.

Bereits 2008 wurde die als besonders kritisch angesehene Saatgutbehandlung von Mais mit Neonicotinoiden in Deutschland verboten. Zehn Jahre später gilt das Verbot nun auch für Rüben.

Laut bisher geltender Durchführungsverordnung waren folgende Verbote von Interesse:

  • Weizen und Gerste: Saatgut- und Bodenbehandlungen sind nur dann erlaubt, wenn die Aussaat zwischen Juli und Dezember erfolgt. Blattbehandlungen sind verboten.
  • Mais, Raps, Sonnenblume: Saatgut- und Bodenbehandlungen sind verboten. Blattbehandlungen sind nur nach der Blüte erlaubt.

Zuckerrüben sind nun auch von dem Verbot betroffen, auch wenn sie gar nicht zum blühen kommen.

6. Das Verbot von behandeltem Saatgut gilt überall im Freiland

Laut Durchführungsverordnung der EU ist seit 1. Dezember 2013 auch die Verwendung und das Inverkehrbringen einer Reihe von Saatgutarten verboten, die mit Clothianidin, Imidacloprid oder Thiamethoxam behandelt wurden, es sei denn, das Saatgut wird in Gewächshäusern verwendet.

7. Das Verbot lässt Betroffene im Regen stehen

Das Echo auf das Verbot der drei neonicotinoiden Wirkstoffe im Freiland ist sehr geteilt. Während Imker und Umweltverbände es begrüßen, halten die Landwirtschaft und die Pflanzenschutz- und Saatgutindsutrie das Verbot für überzogen.

Für den Imkerbund.ist die Entscheidung eine Weichenstellung für Bienen - und Umweltschutz in der EU: So habe die EU-Kommission nach langem Tauziehen ihren Vorschlag durchsetzen können, "bienengefährliche Anwendungen von Insektiziden aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide zu verbieten."

Viele Fachleute warnen, dass Flächenspritzungen mit Pyrethroiden mangels Wirksamkeit bei relevanten Schädlingen die insektizide Beizung nicht ersetzen können. Neue Präparate sind nicht in Sicht.

Womöglich kehren längst vergessene Schädlinge und Krankheiten zurück auf den Acker.

So ackern Ostfriesen: Mais und Raps auf Dämmen

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