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Zuckerrüben

Zuckermarktordnung: Wie soll es weitergehen?

von , am
15.11.2011

Mehr Wettbewerb oder nicht? Während die zuckerverwendende Industrie ein Ende des Quotensystems fordert, setzen der Hessische Bauernverband, Südzucker und Verarbeiter auf eine Verlängerung.

Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet der Südzucker AG einen Gewinnrückgang im Segment Zucker von 376 Millionen Euro. © Mühlhausen/landpixel
Zuckerindustrie: Abschaffung des Quotensystems ist richtig
 
Die zuckerverwendende Industrie hat die Europäische Kommission für das geplante Auslaufen der Zuckerquoten zum 30. September 2015 gelobt. Der EU-Zuckermarkt brauche mehr Wettbewerb, kein starres Quotensystem, betonte Karsten Daum vom InfoZentrum Zuckerverwender (IZZ). Mehr Wettbewerb zwischen den Unternehmen der Zuckerindustrie sei angesichts des hoch konzentrierten Marktes notwendig. Über das "Wie" müsse noch eine genauere Diskussion stattfinden, betonte Daum.
 
Fest stehe, dass die Quote heute den Markt behindere. Sie trage maßgeblich zum aktuellen Versorgungsengpass bei. Nach Ansicht des IZZ reicht die Abschaffung des Quotensystems aber noch nicht aus, um den Zuckermarkt zu reformieren. Auch der Zollsatz für Weißzucker müsse dringend abgesenkt werden. Bei der letzten Reform von 2006 sei zwar der europäische Referenzpreis für Weißzucker gesenkt worden, nicht aber der Zollsatz. Darüber hinaus fordert das IZZ zollfreie Einfuhrkontingente für fertig raffinierten Weißzucker zur Verarbeitung im Rahmen bilateraler Handelsabkommen. Es müsse möglich sein, in Zeiten einer knappen Versorgung mit Zucker unbürokratisch auf Importzucker aus anderen Regionen ausweichen zu können.

Bauernverband, Rübenverbände und Südzucker: Marktordnung bis 2020 beibehalten

Vor dem Hintergrund einer Rekordernte an Zuckerrüben in diesem Jahr haben der Hessische Bauernverband (HBV), verschiedene Rübenanbauverbände und Vertreter der Südzucker AG indes eine Beibehaltung der Zuckermarktordnung bis 2020 gefordert. Der durchschnittliche Zuckerrübenertrag pro Hektar sei in Hessen in dieser Saison um geschätzte zehn Prozent auf 76 Tonnen gestiegen, erläuterte HBV-Präsident Friedhelm Schneider.
 
Aus der diesjährigen Gesamternte von 1,15 Millionen Tonnen (t) Rüben könnten rund 184.000 t Zucker gewonnen werden. Damit sei es möglich, mehr als 90 Prozent der Einwohner Hessens mit heimischem Zucker zu versorgen. Ein hoher Selbstversorgungsgrad sei in einer zunehmend globalisierten Welt wichtig, unterstrich Schneider. Die EU-Zuckermarktregelung sichere die Zuckerversorgung zu angemessenen Preisen und schütze die Verbraucher vor starken Preis- und Mengenschwankungen des von Brasilien beherrschten Weltmarktes.
 
Schneider wandte sich entschieden gegen die jüngsten Vorschläge der EU-Kommission, die Zuckermarktordnung nach 2015 abzuschaffen. Das würde den Rübenanbau in Hessen aufs Spiel setzen und die Existenz der Landwirte und der Zuckerfabrik Wabern ernsthaft gefährden.
 
Der Vorsitzende des Verbandes der Zuckerrübenanbauer Kassel, Georg  Koch, hob hervor: "Durch die Vorschläge der EU-Kommission zur erneuten Veränderung der Zuckermarktordnung und die Abschaffung der Zuckerrübenquoten werden unsere Landwirte verunsichert."
 
Der Vorsitzende des Verbandes Wetterauer Zuckerrübenanbauer, Herwig Marloff, stellte fest, dass das in Hessen einzig verbliebene Zuckerwerk Wabern zur Auslastung auf die Wetterauer Rüben angewiesen sei.
 
Manfred Kröhl, der im Geschäftsbereich Zucker/Rüben der Südzucker AG für den Bereich Logistik/Nebenprodukte verantwortlich ist, kritisierte ebenfalls den Legislativvorschlag der EU-Kommission, wonach unter anderem die geltenden Quoten und Preisregelungen auf dem Zuckersektor nicht über den 30. September 2015 hinaus verlängert werden sollen. Die Entwicklungen der letzten zwei Jahre auf dem internationalen Zuckermarkt hätten gezeigt, wie wichtig ein ausreichender Selbstversorgungsgrad auch zur Dämpfung der Preisvolatilität sei. Das bestehende Mengenmanagement sei deshalb in Verbindung mit den Rübenmindestpreisen weiterhin ein unverzichtbares Instrument. "Südzucker hält daher in Übereinstimmung mit dem EU-Parlament eine Fortsetzung der gegenwärtigen EU-Zuckerpolitik bis mindestens 2020 für notwendig, um angesichts des hochvolatilen Weltmarktes die Versorgung der heimischen Verbraucher und der Weiterverarbeiter auch weiterhin zu gewährleisten sowie Planungssicherheit für die Landwirtschaft und die Zuckerindustrie zu haben", so Kröhl.

GUS-Partner wollen Zuckerimporte aus der Ukraine bis Ende 2013 beschränken

Russland, Weißrussland und Kasachstan, aber auch einige weitere Mitglieder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) wollen auf importierten Weißzucker aus dem Partnerland Ukraine in den kommenden zwei Jahren einen Einfuhrzoll von 340 US-Dollar je Tonne erheben. Das gehe aus einem, jetzt vom ukrainischen Kabinett veröffentlichten Abkommen über die Schaffung einer Freihandelszone hervor, das Mitte Oktober von den GUS-Regierungschefs unterzeichnet worden war, berichtet der Kiewer Agrarinformationsdienst APK-Inform.
 
Das Papier, das bilaterale Freihandelsabkommen zwischen den einzelnen GUS-Ländern ersetzen soll, könnte noch von nationalen Parlamenten ratifiziert werden.
 
Die Ukraine hat seit Langem Einschränkungen für Zuckerexporte - vor allem ins benachbarte Russland - moniert. Nach Unterzeichnung des Freihandelsabkommens hatte Ministerpräsident Nikolai Asarow die Unzufriedenheit vor allem über Ausnahmen vom Freihandelsregime betont und erklärt, diese nur akzeptiert zu haben, weil für deren Außerkraftsetzung konkrete Fristen festgesetzt worden seien. Auf Zucker dürfte es nämlich ab 2014 keinen Einfuhrzoll mehr geben.

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