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Zuckerrüben

Zuckerrüben: Gärreste empfehlenswert!

von , am
18.06.2013

Vinstedt - Gärreste tun der Rübe gut: Das war einer von zahlreichen Tipps für Rübenanbauer auf dem diesjährigen niedersächsischen Zuckerrübentag nördlich von Uelzen.

Vorgestellt wurden die Ergebnisse eines Gemeinschaftsversuchs von ARGE Nord und LWK Niedersachsen, Gärreste aus Biogasanlagen zur Düngung einzusetzen. Geklärt werden sollte, in welcher Höhe der Stickstoff aus der organischen Düngung zur Deckung des Pflanzenbedarfs herangezogen werden kann, ohne Abstriche in der Qualität.
 
Die Ergebnisse waren positiv:
  • Die Düngung mit Gärresten zu Zuckerrüben ist empfehlenswert, insbesondere auf leichten Böden: Ausreichend ist die Ausbringung von 15 bis 20 m³ Gärrest pro Hektar im Frühjahr, mit einer mineralischen Startgabe in Höhe von 40 bis 60 kg N pro Hektar, bei Berücksichtigung des Nmin- und des Sollwertes.
  • Die angepasste Gärrestdüngung bringt keine negativen Veränderungen der Verarbeitungsqualität der Rüben mit sich.
  • Der TM-Ertrag kann mit einer gesteigerten N-Düngung nicht weiter angehoben werden. Er nimmt den gleichen Verlauf wie der Zuckerertrag.
  • Der Stickstoff aus dem Gärrest kann bei der Düngeplanung zu 70 Prozent angerechnet werden, P und K zu 100 Prozent.
  • Zu jedem verwendeten Gärrest sollte aufgrund stark schwankender Nährstoffgehalte eine Nährstoffanalyse berücksichtigt werden.

Schlitzsaat setzt sich durch

Im Mittelpunkt des Zuckerrübentages stand auch das Thema Schlitzsaat. Die Anwendung dieses Anbauverfahrens wurde nach ersten Versuchen im Jahr 2006 kontinuierlich ausgedehnt. Ausgehend von rund 500 ha im Anbaujahr 2007 sind in diesem Jahr etwa 5.600 Hektar auf diese Weise gedrillt worden. Das Verfahren ist für mehr als 400 rübenanbauende Betriebe im nördlichen Niedersachsen, auf Einzelflächen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg die alternative Rübenbestellung zu den bisher bekannten Anbauverfahren in Zuckerrüben geworden.
 
In Vinstedt wurden Demonstrationsstreifen mit unterschiedlicher Bearbeitungstiefe angelegt. Außerdem gab es den Vergleich der Verfahrensweise für sandige Böden zur Streifenlockerung und Aussaat "in einem Arbeitsgang" im Frühjahr, dem sogenannten Frühjahrsschlitz, sowie der Variante "absetzig" für Böden mit einem Tongehalt über 7 Prozent, bei dem die Lockerung im Herbst und die Aussaat im Frühjahr erfolgt (Herbstschlitz). Im Zuge der Geräteoptimierung besteht seit drei Jahren zusätzlich die Möglichkeit der Unterfußdüngung. Um beim absetzigen Verfahren den gelockerten Streifen beim Säen und Unterfuß-Düngen genau zu treffen, ist die GPS- und RTK-Technik zwingend erforderlich.

Vor- und Nachteile der Schlitzsaat

Vorteile der Schlitzsaat:
  • Optimaler Erosionsschutz durch Erhalt von Bodenstruktur sowie Bewuchs/Auflage (Zwischenfrucht/Strohmulch) zwischen den Rübenreihen. Wind- und Wassererosion sind nahezu ausgeschlossen.
  • Geringere Verdunstungsraten durch die Auflage der organischen Substanz (hoher Beschattungsgrad) zwischen den Rübenreihen.
  • Hohe Wasserinfiltration (organische Substanz im Oberboden).
  • Gute Befahrbarkeit der Zuckerrübenfläche (Frühjahr und Herbst) durch den Erhalt der gewachsenen Struktur.
  • Entlastung der Arbeitswirtschaft durch weniger oder schnellerer Arbeitserledigung.
  • Gleichmäßige und schnelle Ausbildung der Rübenwurzel durch die nahezu widerstandslose Durchwurzelung der Krume (Reihenlockerung).
  • Lange, gleichmäßige Rübenkörper bei der Ernte, "beinige" Rüben entstehen nicht.
Nachteilig ist, dass sich nicht alle Standorte für dieses Bestellverfahren eignen. Auf Böden mit Tongehalten von über acht Prozent ist eine optimale Saatbetteinbettung durch die fehlende Krümelstruktur im Oberboden und die Verfüllung und Rückverfestigung des gelockerten Bereichs nicht sicher gewährleistet. Außerdem ist das Risiko der Schädigung durch Schneckenfraß bei diesem System größer als bei Mulchsaaten mit Saatbereitung.

Gute Ernteergebnisse

Die Ernteergebnisse nach Einsatz des Schlitzverfahrens sind im Vergleich zum Mulchsaatververfahren mit Saatbettbereitung auf den Bodenarten Sand, lehmiger Sand, sandigen Lehm (Braunerden) und anlehmigen Standorten mit relativ hohen Lössanteilen (Parabraunerden) auf mindestens gleichem Niveau. Zu Vergleich der Verfahren laufen weiterhin Versuche in verschiedenen Regionen Niedersachsens.
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