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Precision Farming

Zukunft Pflanzenschutz: Ackerbau ohne Herbizide?

Sensor von agricon auf einem Traktor
Norbert Lehmann, agrarmanager
am
28.11.2016

Der Pflanzenschutz steht vor einem grundlegenden Umbruch. Experten gehen davon aus, dass Unkräuter in zehn Jahren wirtschaftlich ohne Herbizide bekämpfbar sind.

„Wir erleben im Pflanzenschutz einen nie gekannten Umbruch“, sagte der Leiter des JKI-Instituts für Anwendungstechnik Dr. Jens Karl Wegener vergangene Woche im Rahmen der 74. Internationalen Tagung Landtechnik des VDI in Köln. Jahrzehntelang habe die Technik auf das Ziel hingearbeitet, „einen Teelöffel Wirkstoff möglichst gleichmäßig auf einer Fläche von einem Hektar zu verteilen“.

Doch die Vorzeichen hätten sich geändert und die Zukunft liege in der teilflächenspezifischen Ausbringung, erläuterte der Leiter des Instituts für Anwendungstechnik am Julius-Kühn-Institut (JKI).

Sensortechnik macht große Fortschritte

Jens Karl Wegener

Die teilflächenspezifische Applikation braucht laut Wegener zwei Komponenten: zum einen eine Spritze, die unterschiedliche Wirkstoffe durch Direkteinspeisung unabhängig und getrennt von einander ausbringen kann. Und zum anderen eine Sensortechnik, die Schaderreger und Unkräuter auf der Fläche erkennt und bewertet. Ein entsprechendes Pflanzenschutzgerät wurde auf der Agritechnica 2015 vorgestellt und prämiert.

Die sensorbasierten Systeme fehlten noch, aber ihre Entwicklung werde in den nächsten Jahren große Fortschritte machen, prognostizierte Wegener. Für den Obstbau sei bereits eine Sensortechnik vorhanden, die Lücken zwischen den Bäumen erkenne und Einsparungen von 20 bis 60 % der Aufwandmenge ermögliche.

Individuelle Behandlung

Peter Pickel

Prof. Peter Pickel, der Vorsitzende des VDI-Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik (VDI-MEG), entwarf die Zukunftsvision, dass in 20 Jahren jede Pflanze auf dem Feld individuell behandelt und optimal versorgt werde.

Pickel stellte die Ergebnisse einer Umfrage unter den Mitgliedern der VDI-MEG vom Oktober 2016 vor. Darin äußerten 80 % der Teilnehmer die Einschätzung, dass es in zehn Jahren möglich sein werde, Unkräuter in bestimmten Kulturen sensorisch zu erkennen und wirtschaftlich zu bekämpfen, und zwar ohne Herbizide. Stattdessen kämen vor allem mechanische, aber auch thermische Verfahren zum Einsatz.

85 % der Teilnehmer gehen davon aus, dass in zehn Jahren Pilzkrankheiten von Sensoren erkannt und gezielt bekämpft werden können.

Mechanische Unkrautregulierung: Der Trend geht zur Sensorsteuerung

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