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Trockenheit

Zwischenfrucht: Mit Direktsaat Wasser sparen

Auflaufende Zwischenfrucht in Direktsaat
am Dienstag, 17.09.2019 - 13:43 (Jetzt kommentieren)

Erfolgreicher Zwischenfruchtanbau und Trockenheit – oft ein Widerspruch. Wasserschutzberater aus Rheinland-Pfalz haben es diesen Sommer in Direktsaat getestet.

Um Zwischenfruchtbestände unter trockenen Bedingungen etablieren zu können, bietet sich die Direktsaat an. Wenn es gelingt, Regenwürmer für sich arbeiten zu lassen, müssen Unkrautsamen und Ausfallgetreide nicht durch wiederholte Bodenbearbeitung zum Keimen angeregt und mit erneuter Bodenbearbeitung zum Absterben gebracht werden.

Torsten Feldt, Wasserschutzberater am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz aus Oppenheim, berichtet von seinen Erfahrungen. „Die Zwischenfrucht wird mit einer Direktsaatmaschine in die Stoppel unter das kurz gehäckselte Getreidestroh gesät. Dieses Verfahren ist besonders wasserschonend, da der Boden nur minimal bewegt wird.“

Die DLR-Berater haben in diesem Sommer einen Versuch und einige Praxisflächen in der südlichen Weinstraße und Mittelhaardt in Direktsaat betreut. Die Aussaat erfolgte zwischen dem 24. und dem 26. Juli 2019.

Mulchauflage hält Wasser im Boden

Ein Ziel: Stickstoffmineralisation durch unnötige Bodenbearbeitung beim Zwischenfruchtanbau vermeiden. Je mehr Luft, besonders durch tieflockernde Bearbeitung, in den Boden gelangt, desto mehr Stickstoff kann durch die Mikroorganismen im Boden mineralisiert und ggf. in nicht pflanzenverfügbare Bodenschichten verlagert werden. Das ist nach Möglichkeit zu vermeiden.

Durch eine intensive Bodenbearbeitung und Saatbettbereitung geht der Zwischenfrucht Wasser verloren. In Trockengebieten oder Regionen mit geringem Niederschlag reicht dann das vorhandene Wasser für die Keimung und eine Etablierung der Zwischenfrucht nicht aus.

Bei der Direktsaat konserviert eine Mulchschicht aus Stroh die Feuchtigkeit im Boden. Vorausgesetzt ist, dass das Stroh bei der Getreideernte gleichmäßig gehäckselt und verteilt wurde.

Vermeiden Sie überlange Stoppeln und sehr lang gehäckseltes Stroh! Optimal lässt sich solches Stroh nur durch diagonales Arbeiten zur Ernterichtung mit einem Strohstriegel verteilen. Das ist allerdings teuer und regt die Mineralisierung von Stickstoff im Oberboden an. Überlange Stoppeln sollten mit einem Mulcher eingekürzt werden.

Direktsaat im Schlitz mit Bodenschluss

Direktsaat

Direktsaatmaschinen unterscheiden sich in unterschiedlichen Modellen und Werkzeugen für die Saatgutablage. Das Scheibensech schneidet einen Schlitz in den Boden. Daneben läuft links und rechts ein Säschar. So wird vermieden, dass das Saatgut auf Stroh oder Ernteresten abgelegt wird und es nicht genügend Wasser zum Keimen hat.

Beim DLR-Versuch kam eine Ausstattungsvariante mit vier Saatgutbehältern und drei verschiedenen Saatablagemöglichkeiten zum Einsatz. Auf diese Weise lassen sich entweder drei unterschiedliche Komponenten jeweils in Einzelsaat oder mit entsprechendem Mischungsverhältnis gemeinsam aussäen.

Das Saatgut wird dabei entweder in der Zuleitung zum Säschar zusammengeführt oder einzeln links und rechts vom Scheibensech abgelegt. Eine Trennung kann von Vorteil sein, wenn Feinsämereien mit grobkörnigen Leguminosen zeitgleich gesät werden sollen.

Andruckrollen verschließen die Saatrille wieder. Sie rückverfestigen den Boden so, dass das Saatgut zeitnah keimt.

Minimaler Eingriff

Zwischenfrucht

Ohne GPS auf dem Schlepper ist keine Aussaat möglich: Die bestellte Fläche unterscheidet sich von der unbestellten nur durch leicht umgeknickte Stoppeln.

Auf eine flache Aussaat der Zwischenfrucht auf 1 bis 2 cm Tiefe wurde im Versuch verzichtet. Der Maschinenhersteller Novag empfiehlt 4 cm. Die Samen haben damit mehr Wasser zum Keimen und laufen durch den Schlitz des Scheibensechs auf.

Auch als Untersaat vor der Ernte möglich

Die Direktsaat wirkt sich positiv auf das Bodenleben aus. Wenn das Stroh beim Mähdrusch gleichmäßig verteilt wurde und eine Zwischenfrucht vorhanden ist, übernehmen Regenwürmer die Zersetzung. Sie konditionieren die Krume für die Folgekultur. Tiefgrabende Regenwurmarten graben bis 180 cm tief, wofür sie festen Boden benötigen.

Regenwürmer ernähren sich von abgestorbener Pflanzenmasse und ziehen die Erntereste zur Verdauung in ihre Röhren. Bei ausreichendem Regenwurmbesatz kann ein Acker binnen sechs Wochen leergeräumt sein.

Berater Feldt: „Deswegen kann die Zwischenfrucht auch bereits als Untersaat, auch noch kurz vor der Ernte, in eine Deckkultur ausgebracht werden, sodass sie nach der Getreideernte bereits etabliert ist.“

Mit Material von Torsten Feldt, DLR Oppenheim
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