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Bodenverbesserung

Zwischenfrüchte: Welche Mischung passt für meine Fruchtfolge?

Zwischenfruchtmischung mit Phacelia
am Montag, 20.07.2020 - 14:00 (Jetzt kommentieren)

Wenn Raps folgt, dürfen keine Kreuzblütler in die Zwischenfruchtmischung. Doch was sollte vor Getreide oder als Mischung zum Verfüttern stehen? Hier unsere acht Tipps.

Zwischenfrüchte erfüllen vielfältige Aufgaben im Boden, für die Folgekultur oder als Futterreserve in der Trockenzeit. Doch welche Zwischenfruchtmischung passt zu meiner Fruchtfolge? Das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) in der Eifel gibt acht Anbautipps.

Entscheidend ist in jedem Fall eine schnelle Jugendentwicklung: Sie bestimmt die Stärke der Unkrautunterdrückung.

1. Zwischenfrüchte für Rapsfruchtfolgen

Kohlhernie an einer Rapswurzel

Vermeiden Sie in Rapsfruchtfolgen Zwischenfrüchte, an denen sich Krankheiten wie Verticillium, Sclerotinia oder Kohlhernie vermehren kann. Dazu gehören vor allem Kreuzblütler.

Betriebe, die Mais und Raps anbauen, sollten ihre Zwischenfruchtbestände regelmäßig kontrollieren. Häufig laufen größere Mengen Ausfallraps in den Zwischenfrüchten auf und wachsen dort ungebremst.

Hier besteht ein erhebliches Potential zur Vermehrung von Kohlhernie. Der Verzicht auf Kreuzblütler in der Zwischenfruchtmischung hilft in solchen Fällen auch wenig. Verzichten Sie dann besser auf einen Zwischenfruchtanbau, zumindest fürs Grenning.

Rauhafer (Sandhafer) und Phacelia sind im Hinblick auf den Raps neutral. Phacelia kann aber durchaus Verticillium und – je nach Vegetationsdauer – auch Sclerotinia bekommen. Ramtillkraut ist eher negativ zu bewerten, weil es Sklerotinia fördert. Gut eignen sich Buchweizen, Gräser, Lein und Leguminosen wie Alexandrinerklee.

2. Zwischenfrüchte für Maisfruchtfolgen

Mais stellt keine phytosanitären Ansprüche, die gegen oder für eine Zwischenfruchtanbau sprechen. Sie müssen nur für die Fruchtfolge passen. Achten Sie allerdings auf die sortenspezifischen Eigenschaften.

Bei Gelbsenf ist die Blüheigenschaft zu berücksichtigen: Ist das Ziel ein möglichst lange blühender Bestand, sollten Sie frühe Sorten einsetzen. Für einen möglichst hohen Biomasseertrag gilt das Gegenteil, weil mit dem Erreichen der Blüte der größte Biomassezuwachs beendet ist.

3. Zwischenfrüchte für Getreidefruchtfolgen

In reinen Getreidefruchtfolgen sind die Einschränkungen am geringsten. Bei der Wahl sollten dann Saatzeitpunkt und Nutzen im Vordergrund stehen. Vermeiden Sie wegen der nahen Verwandtschaft Rauhhafer.

Soll Stickstoff gebunden werden, bieten sich Leguminosen in Reinsaat oder als Gemenge an. Beim Fokus auf eine Bodenlockerung sollten Sie Tiefwurzler wie Ölrettich wählen.

Auch reines Ackerfutter bietet für die Fruchtfolge Vorteile. Fällt die Wahl auf Weidelgräser oder andere nicht abfrierende Arten, steht in der Regel im Frühjahr eine intensivere Bearbeitung oder ein chemischer Pflanzenschutz an.

4. Zwischenfrüchte für Futterzwecke

Nach den trockenen Jahren 2018 und 2019 und den geringen Futtererträge in diesem Jahr bleibt die Versorgungslage mancherorts angespannt. Der Zwischenfruchtanbau zur Futternutzung ist in diesem Jahr wieder interessant.

Die Zwischenfrucht muss sowohl in die Fruchtfolge als auch zu den Ansprüchen der Tierart an die Futterqualität passen. Für Hochleistungsmilchvieh ist eine möglichst hohe Energiekonzentration bei günstigem Rohfasergehalt wichtig. Hier bieten sich besonders schnellwüchsige Weidelgräser an. Sie lassen sich gegebenenfalls mit kleinkörnigen Leguminosen wie Alexandrinerklee oder Perserklee mischen.

Weil die Zwischenfrucht noch im Ansaatjahr geerntet wird, gilt sie im Sinne der Düngeverordnung als Zweitfrucht: Eine Düngebedarfsermittlung ist Pflicht! In diesem Fall gilt nicht die pauschale Höchstgrenze von 30 kg/ha Ammoniumstickstoff bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff.

5. Zwischenfruchtanbau mit Gräsern

Weidelgrasbestand

Einjähriges und Welsches Weidelgras kann bereits im Juli und bis spätestens Anfang September (einjähriges) beziehungsweise 1. Oktober (Welsches) gesät werden. Die Gräser verwerten Stickstoff optimal und treiben nach der Nutzung wieder aus. Eine gute Winterbegrünung entsteht.

Im Frühjahr kommt das einjährige Weidelgras wieder ins Schossen und Ährenschieben. Damit ist eine kombinierte Sommer- und Winterzwischenfruchtnutzung möglich, die sich gut in Maisfruchtfolgen integrieren lässt. Die Frühjahrsnutzung gleicht die geringeren Erträge im Herbst aus.

Beim Zwischenfruchtanbau zur ausschließlichen Herbstnutzung ist das einjährige Weidelgras mit seinem etwas höheren Ertragspotential vorzuziehen. Bei früher Aussaat empfehlen sich späte einjährige Weidelgrassorten; hier ist ein höherer Ertrag zu erwarten.

Im Schnitt sind im Herbst 30 dt/ha TM zu erwarten. Mit seinem Blätterreichtum und dem Bedarf eines Vernalisationsreizes fürs Ährenschieben ist das Welsche Weidelgras energiereicher und strukturärmer als das einjährige Weidelgras.

In einjährige Weidelgrasmischungen lassen sich 1,0 bis 1,5 kg/ha Winterraps einmischen. Hier sind die bei den Rapsfruchtfolgen beschriebenen Probleme zu beachten.

Beim Einmischen von Leguminosen und dem Anbau von Leguminosen als Hauptfrucht in der Fruchtfolge sind die Anbaupausen einzuhalten. So lassen sich Krankheitserreger und Schädlinge eindämmen, die die sogenannte Leguminosenmüdigkeit fördern.

6. Die richtige Zwischenfruchtmischung

Hafer-Futtererbsen-Sommerwicke-Gemenge bilden eine hervorragende Zwischenfruchtmischung, die sich ergänzt. Hafer dient als Stützfrucht für die rankenden Futtererbsen und Wicken. Diese unterdrücken Unkräuter.

Für das Beratungsgebiet Rheinland-Pfalz hat das DLR die Mischungs- und Sortenempfehlung für Grünland und Ackerfutterbau 2020 bis 2021 herausgebracht.

7. Grünroggen als Zwischenfrucht

Grünroggen wird als Winterzwischenfrucht im Herbst vor dem Saattermin bei Körnernutzung ausgesät. Allerdings ist die Aussaat auch noch bis spät im Oktober möglich. Die früheste Ernte ist zum Grannenspitzen (BBCH 49) bei ca. 20 % TM.

Im DLR-Versuchsstandort Kyllburgweiler (Eifelkreis) ließen sich im letzten Jahr durchschnittlich 100 dt/ha TM ernten.

Wichtig zu wissen: Roggen braucht viel Wasser. Bei Trockenheit nimmt er die Wasserreserve des Bodens stark in Anspruch und die folgende Hauptkultur kann schlechter auflaufen und Ertragseinbußen zeigen.

8. Zwischenfrucht fürs Greening

Zwischenfrüchte zum Greening werden mit dem Faktor 0,3 angerechnet. Um greeningfähig zu sein, muss der Mix aus mindestens zwei Arten aus einer vorgegebenen Liste bestehen. Keine darf mehr als 60 % Samenanteil haben. Gräser werden hier nicht unterschieden!

Die Aussaat muss zwischen dem 16. Juli und 1. Oktober erfolgen. Die Zwischenfrucht muss bis zum 15. Januar stehen bleiben. Auch muss nach der Zwischenfrucht im Folgejahr eine Hauptkultur folgen. Nach Düngeverordnung ist in diesem Jahr noch eine organische Düngung erlaubt.

Mit Material von DLR Eifel
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