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GroKo

Agrarminister Christian Schmidt verliert im Posten-Poker

Ursprünglich potenzielle Landwirtschaftsminister der GroKo
© agrarheute
von am
09.02.2018

Der geschäftsführende Landwirtschaftsminister Christian Schmidt ist ein Opfer der Koalitionsgespräche geworden. Staatssekretär Aeikens übernimmt wichtige Termine.

Staatssekretär Hermann Onko Aeikens
Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium © BMEL/Thomas Koehler/photothek.net

Nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD steht noch nicht offiziell fest, wer künftig das Bundeslandwirtschaftsministerium leitet. Da das Ressort aber laut Koalitionsvertrag sicher an die CDU geht, ist der CSU-Politiker Christian Schmidt für diesen Posten auf jeden Fall aus dem Rennen.

Bereits Anfang der Woche sagte Schmidt, der noch immer geschäftsführend Landwirtschafts- und auch Verkehrsminister ist, seinen Eröffnungsrundgang der Messe Fruit Logistica in Berlin ab – krankheitsbedingt, wie es heißt. Sein beamteter Staatssekretär Hermann Onko Aeikens sprang kurzfristig in die Bresche.

Auch die Biofach, die am kommenden Mittwoch in Nürnberg ursprünglich von Christian Schmidt eröffnet werden sollte, wird mit dem Staatssekretär Vorlieb nehmen müssen. Schmidt wird stattdessen am politischen Aschermittwoch der CSU teilnehmen.

Das dürfte dem einen oder anderen Vertreter der Ökobranche ohnehin besser gefallen. Für viele Befürworter des biologischen Anbaus ist Christian Schmidt seit seiner einsamen Entscheidung für die Verlängerung der EU-Wirkstoffzulassung von Glyphosat nämlich ein rotes Tuch.

Auf mehr Gegenliebe stößt der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär des Verteidigungsministeriums möglicherweise bei der Münchener Sicherheitskonferenz, die er ab dem 16. Februar drei Tage lang besuchen möchte.

Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministers versicherte, die Terminplanung von Christian Schmidt stehe in keinem Zusammenhang mit dem Ausgang der Koalitionsverhandlungen oder irgendwelchen Personalentscheidungen. Der Minister gehe "ganz normal und mit vollem Engagement" seinen Amtsgeschäften nach.

Kein freiwilliger Abgang als Agrarminister

Die Deutsche Presse-Agentur spekuliert, Schmidt habe in den Koalitionsgesprächen möglicherweise seinen Job im Kabinett in dem Moment verloren, als sein Parteichef Horst Seehofer den Deal mitmachte, das Agrarministerium an die CDU abzugeben, um das künftig CSU-geführte Innenministerium auszubauen.

Auf derzeit kursierenden Listen der CSU-Kabinettsmitglieder taucht Schmidt bisher nicht auf.

Freiwillig dürfte das nicht so sein. Er hatte in mehreren Interviews klar ausgesprochen, gern als Landwirtschaftsminister weitermachen zu wollen.

Auch die noch neue Rolle des Verkehrsministers sagte Schmidt offenbar zu, wie nicht zuletzt seine Äußerungen während einer Pressekonferenz auf der Grünen Woche im Januar in Berlin zeigten. Das Verkehrsministerium immerhin bleibt in Händen der CSU. Doch als künftiger Ressortchef gilt CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer.

Mit Material von dpa
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