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DLG- Wintertagung in Münster

Ist der Agrarstandort Deutschland zu retten?

DLG-Wintertagung-2020
am Mittwoch, 19.02.2020 - 14:12 (Jetzt kommentieren)

Weltmarkt, Premiummarkt oder doch Ausstieg aus der Landwirtschaft? Auf der DLG-Tagung in Münster geht es um Lösungen für den Agrarstandort Deutschland.

Damit wir in Deutschland auch in 30 Jahren noch wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe haben, müssen alle Gruppierungen eine gemeinsame Vision entwickeln. Davon ist der DLG-Präsident und Landwirt Hubertus Paetow überzeugt.

Auf der Wintertagung der DLG in Münster diskutierten Experten und praktische Landwirte über den Agrarstandort Deutschland und wo die Rettung liegen könnte: Im Weltmarkt, im Premiummarkt oder kommt es doch zum Marktausstieg?

Laut Hubertus Paetow zwingen die politischen Entscheidungen rum um die Landwirtschaft, von Düngeverordnung über Insektenschutzprogramm bis hin zur Nutztierhaltungs-Verordnung dieses Thema geradezu auf. „Finden wir tatsächlich eine Form der Nachhaltigkeit, die sowohl eine ökonomisch tragfähige als auch eine ökologisch und ethisch akzeptierte Agrarproduktion ermöglichst?“

Statement von Hubertus Paetow

Marktausstieg ist keine Lösung

Der Marktausstieg ist für den DLG-Präsident keine Lösung. Das würde nur dazu führen, dass man es selbst nicht mehr in der Hand hat, nach welchen Standards die Nahrungsmittel erzeugt werden. Wer die globalen Aspekte der Nachhaltigkeit beim Tier- und Klimaschutz oder die Biodiversität im Blick hat, dem bietet der Marktausstieg keine Lösung.

Würde man den Weltmarkt betrachten, so seien deutsche Landwirte bei vielen Agrarprodukten international konkurrenzfähig, obwohl im Wesentlichen nur noch der Faktor Boden subventioniert würde.

Allerdings geht das laut Hubertus Paetow nur so lange gut, wie die Produktion in ihren Rahmenbedingungen nicht wesentlich aufwändiger organisiert wird. Dies sei aber – vor allem in Deutschland – grad in Gefahr. Zum Beispiel ließen sich mit eingeschränktem Werkzeugkasten beim Pflanzenschutz und hohen Ansprüchen an eine artgerechte Tierhaltung keine exportfähigen Produkte herstellen. „Im Gegenteil, das eröffnet Chancen für andere Spieler, auch auf den inländischen Märkten“, sagt Hubertus Paetow. Der deutsche Verbraucher habe – zum Beispiel verglichen mit Frankreich - keine hohe Präferenz für einheimische Produkte.

Nachhaltigkeit verkaufen

Eine Lösung könne deshalb sein, die Nachhaltigkeit der Produktion mit zu verkaufen – gerade international. Der Präsident bringt das Beispiel China. Dort stehen nach diversen Skandalen auf deren heimischen Markt deutsche Milchprodukte hoch im Kurs.

Für einige Landwirte könne sicher auch der Premiummarkt eine Lösung sein. Hier ist laut Hubertus Paetow allerdings der Verbraucher der Pferdfuß. Denn der sei sehr viel weniger bereit für Premiumprodukte auch Premiumpreise zu bezahlen, als er sagt.

Alle Märkte im Blick haben

In der Podiumsdiskussion galt dann weitestgehend Konsens: Um den Agrarstandort Deutschland langfristig positiv zu entwickeln, sollten landwirtschaftliche Betriebe alle Optionen im Blick behalten. Hubertus Paetow sagt: „Für jeden Standort und Betriebstyp wird es einen erfolgreichen Weg in die Zukunft geben, es ist nur nicht für alle derselbe.“

Entscheidend sei, dass die Politik – und auch die Gesellschaft – nun endlich verlässliche Rahmenbedingungen setzt. Am besten mit flexiblen, zielorientierten Maßnahmen. „Wir sollten neben der Diversität bei den Arten eben auch eine Diversität bei den landwirtschaftlichen Geschäftsmodellen anstreben.“

Der Agrarstandort Deutschland sei im hohen Maß von politischen Entscheidungen abhängig. Aber die Landwirte hätten es auch selbst in der Hand. Indem sie kreativ und investitionsfreudig sind. Hubertus Paetow hat großes Vertrauen darin, dass es dann auch in 30 Jahren noch Landwirtschaft in Deutschland gibt.

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