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EU-Agrarpolitik

Agrarverbände: EU-Kommission sitzt „im Elfenbeinturm“

Kommission-Timmermans_smb
am Freitag, 19.06.2020 - 22:14 (1 Kommentar)

Pekka Pesonen, Generalsekretär von Copa-Cogeca – einem Zusammenschluss europäischer Bauern- und Genossenschaftsverbände – kritisiert die Vorschläge der EU-Kommission im Rahmen der „Farm-to-Fork“ Strategie und fordert mehr Realitätssinn von der Brüsseler Behörde.

Bei einem Pressetermin am 19. Juni warnte Pesonen: „Einige Vorschläge in ‚Farm-to-Fork‘ sind sehr ehrgeizig. Wir werden sie wahrscheinlich nicht ohne Weiteres erreichen können.“ Konkret bezog er sich dabei auf die Vorgaben, den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren und den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Agrarflächen bis zum gleichen Jahr auf 25 % zu erhöhen. Kritisch sieht Pesonen auch das Ziel der EU-Biodiversitätsstrategie, den Anteil der streng geschützten europäischen Landflächen mit hohem Wert für die Artenvielfalt bis 2030 von derzeit 3 % auf 10 % zu erhöhen.

EU-Kommission muss Rahmenbedingungen schaffen

Wie der Generalsekretär betonte, seien die europäischen Landwirte nicht gegen Umweltschutz. Vielmehr gehe es ihnen darum, die natürlichen Rohstoffe auf bestmögliche Weise zu nutzen. Die EU-Kommission müsse den Landwirten Rahmenbedingungen schaffen, um die Vorgaben von Farm-to-Fork und der Biodiversitätsstrategie auch erfüllen zu können.

Pesonen erklärte: „Wenn wir weniger chemischen Pflanzenschutz wollen, brauchen wir auch eine entsprechende schnelle Zulassung nichtchemischer Substanzen.“ Hierzu habe sich die Kommission leider nicht verpflichtet. Auch müsse, wenn mehr Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen würden, klar sein, wie die verbleibenden Flächen den Ertragsausfall ausgleichen könnten. Letzteres sei besonders wichtig zu einer Zeit, wo Europa in der Folge von Corona auf eine Rezession zusteuere.

Landwirte brauchen bessere Erlöse am Markt

Schließlich warnte Pesonen auch davor, dass das Ausbauziel beim Ökolandbau zu ehrgeizig sei. Wörtlich sagte er: „Wenn zu stark angeschoben wird, ist die Wirtschaftlichkeit des Ökomarktes gefährdet.“ Wichtig sei es unter anderem, dass die Lebensmittelkette besser funktioniere. Die Landwirte müssten am Markt einen höheren Erlös für ihre Produkte erzielen können.

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