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Kommentar

Artenschutz in Zeiten des Coronavirus

Sanitäter mit Maske vor Corona-Ambulanz
am Dienstag, 03.03.2020 - 14:36 (1 Kommentar)

Während der zweite Runde Tisch zum Aktionsprogramm Insektenschutz tagt, beschäftigt sich Deutschland mit der Verfügbarkeit von Mundschutzmasken und Nudeln.

Simon Michel-Berger Chefredakteur agrarheute

Stellen Sie sich vor, das politische Berlin diskutiert den Artenschutz und kaum jemanden interessiert es. Heute geschah genau das. Während der erste Runde Tisch zum Thema im November immerhin noch einen gewissen Widerhall auch außerhalb der landwirtschaftlichen Presse fand, sank die heutige Runde in der breiten Medienöffentlichkeit ähnlich wie ein Stein im Wasser. Der Grund: Das Coronavirus dominiert alle anderen Themen. Der Erreger sorgt gleichzeitig für leere Nudelregale in Supermärkten und entfacht eine Diskussion, ob Deutschland nicht mehr Mundschutzmasken vorhalten sollte.

Versorgungssicherheit...

So zeigt sich, für manche völlig überraschend, dass das Thema Versorgungssicherheit gerade in Zeiten globaler Märkte nicht als selbstverständlich angesehen werden kann. Schon befürchten Unternehmen Lieferengpässe, weil Schiffe in China wegen des Coronavirus nicht wie gewohnt beladen oder Ladungen gelöscht werden können. Globale Wettkämpfe um Ressourcen sind nicht neu – aber in Zeiten, in denen die Regale im Supermarkt immer voll sind, kann man schon einmal vergessen, dass es sie gibt.

... und Artenschutz

Mit unserer heimischen Landwirtschaft haben wir ein hohes Gut: Wir sind (noch) weitgehend in der Lage, uns selbst zu ernähren. Daran muss man denken, wenn man sich überlegt, was die Landwirtschaft noch alles neben der Ernährung leisten soll. Umwelt- und Artenschutz sind wichtige Aufgaben, denen sich die Landwirtschaft weder entziehen kann noch will. Doch wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir uns als Gesellschaft auch klarwerden, wie viel wir dafür bezahlen – sprich im Zweifel auch aufgeben – wollen.

gibt es nicht umsonst

Damit es möglichst billig und gut wird, lässt Deutschland viele seiner Medikamente im Ausland fertigen. Das funktioniert – unter anderem auch, weil die Umweltschutz- und Sozialstandards etwa in Indien niedriger sind als hierzulande. Es würde grundsätzlich auch in der Landwirtschaft funktionieren: In Deutschland hätten wir dann nur eine kleine aber extrem feine Produktion, die sich intensiv um Umwelt- und Tierschutz kümmert. Die breite Masse unserer Lebensmittel würden wir aus dem Ausland beziehen. Der Haken dabei: In diesem Fall würden wir uns von der Versorgungssicherheit verabschieden. Dass das nicht ohne Folgen ist, merken wir wegen des Coronavirus derzeit bei Mundschutzmasken. Wenn die Politik nicht die Frage nach dem Wert der Ernährungssouveränitat beantwortet, werden wir es früher oder später auch bei Nahrungsmitteln merken. Die leeren Nudelregale im Supermarkt wären dann nur ein kleiner Vorgeschmack.

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