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Landwirtschaft und Gesellschaft

Bauernproteste: Heftige Empörung über BR-Sendung

Bauernprotest in München
am Freitag, 15.11.2019 - 18:28 (1 Kommentar)

Wie tief der Frust bei vielen Bauern sitzt, zeigen die machtvollen Proteste der letzten Tage und Wochen. Auch mit den Medien liegt man im Clinch.

Demo-Bonn2

Doch die Proteste haben schon viel bewirkt: Die Politik bewegt sich und auch die Gesellschaft scheint stärker für die Probleme der Bauern sensibilisiert zu sein. Ein wichtiger Faktor des Erfolges ist sicher die Bewegung „Land schafft Verbindung“. Diese hat in kurzer Zeit so viele Landwirte wie nie zuvor mobilisiert und auf die Straße gebracht. Allein in Bayern sollen nach Angaben der Gruppe mittlerweile mehr als 10.000 Bauern Mitglied sein.

Am Donnerstag haben Landwirte aus ganz Deutschland in Hamburg auf der Konferenz der Umweltminister Flagge gezeigt und ihre Forderungen vorgetragen. Bereits am Mittwoch hatten bayerische Bauern in Bad Füssing und in Passau demonstriert und dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder eine Resolution übergeben.

In Passau diskutierten die Landwirte mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zum Thema "Landwirtschaft am Pranger". Rund 700 Landwirte mit 150 Traktoren waren nach Angaben der Polizei vor Ort. Das alles hat es in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben. 

Empörung über BR-Sendung eskaliert

Traktoren auf dem Odeonsplatz in München

Außerdem kam es zuletzt immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Landwirten und Medien und der Sicht der Medienmacher auf die Landwirtschaft. Viele Bauern empfinden die Berichterstattung als sehr einseitig und landwirtschaftsfeindlich.

Nun ist eine Auseinandersetzung offenbar eskaliert: Es geht um eine Sendung des Bayerischen Fernsehens (BR) und die verantwortliche Redakteurin. Bayerische Landwirte werfen den Sendungsmachern vor, über die Ursachen der landesweiten Proteste nicht angemessen und fair berichtet zu haben.

Dabei geht es vor allem um eine Aussage, die am Abend des 22. Oktober in der BR-Rundschau gemacht wurde. Dort hieß es: „dass immer mehr Agrarwissenschaftler, Politiker und Verbraucher im Vorfeld einer neuen GAP-Runde wissen wollen, wie 5 Mrd. Euro Flächenprämien pro Jahr aus der 1. Säule für deutsche Landwirte in Zukunft besser verteilt werden können. Gesagt wurde auch, dass viele Biobauern offenbar nicht hinter den Protesten stünden, sondern die gesellschaftlichen Forderungen nach einer "nachhaltigen Landwirtschaft" teilten und noch einiges mehr.

Sehr viele Bauern waren über diese Aussagen empört. Auch der Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Walter Heidl, hat sich schriftlich beim Sender über die Aussagen beschwert. Nachhören kann man den genauen Wortlaut der Sendung leider nicht mehr - das Bayerische Fernsehen hat diese nämlich aus seiner Mediathek entfernt. 

Online-Petition und eine neue Sendung

Traktoren bei der Bauerndemonstration in Hamburg

Am Freitag Abend (16.11) soll eine Diskussionsrunde in der BR-Sendung „Unser Land“ die Vorwürfe klären und die Positionen noch einmal deutlich machen. Möglich, dass die strittigen Fragen bei der Sendung ausgeräumt werden. Wahrscheinlich ist das aber nicht – denn die Probleme sind eher grundsätzlicher Natur.

Einige Landwirte wollten deshalb nicht bis zu der Sendung warten. Sie haben eine Online-Petition zur Absetzung der verantwortlichen Redakteurin aufgesetzt. Dort heißt es unter anderem: "Die verantwortliche Redakteurin ist anscheinend der Meinung, dass Landwirtschaft nicht nachhaltig ist. Dann ist das eine persönliche Meinung. Wir wollen das erhalten was uns Generationen vorher überlassen haben. Bitte verlassen Sie den Posten wenn Sie nichts von Landwirtschaft verstehen". Bis Freitag Abend hatten bereits 5120 Landwirte die Online-Petition unterstützt.

Die Auswahl der Gäste für die Sendung am Freitag spricht durchaus für eine kontroverse Diskussion. Eingeladen sind die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, BBV-Präsident Walter Heidl, der AbL-Chef von Bayern, Josef Schmid, und Prof. Friedhelm Taube. Letzterer hält die neue nochmals verschärfte Düngeverordnung für nicht streng genug. Auch die von den Bauern kritisierte Redakteurin des BR nimmt teil. Von "Land schafft Verbindung" ist offenbar niemand eingeladen worden. Dennoch darf man auf die Diskussion gespannt sein.

Sendung auf nächsten Freitag verschoben

Am Freitag teilte der Bayerische Rundfunk (BR) alledrings mit: Wegen eines Streiks wird die geplante Sondersendung des Landwirtschaftsmagazins "Unser Land" verschoben. Neuer Termin ist der nächste Freitag, der 22. November, um 19:00 Uhr.

Dafür läuft heute Abend bei "Unser Land": Weizen im Visier: Macht dieses Grundnahrungsmittel krank?

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