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Niederlande

Bauernproteste: „Die Politik in Den Haag ist total durchgedreht“

Bauernproteste in den Niederlanden gegen die geplanten Umweltauflagen
am Montag, 18.07.2022 - 10:50 (1 Kommentar)

Kein Austausch, Planungsunsicherheit und von der Regierung im Stich gelassen. So fühlen sich viele niederländische Landwirte. agrarheute hat vor Ort nachgefragt.

Seit Wochen protestieren niederländische Landwirte gegen die von der Regierung geplante Stickstoffverordnung. Die Emissionen von Stickoxiden und Ammoniak sollen bis 2030 um 50 Prozent gesenkt werden. In Naturgebieten sind es mehr als 70 Prozent. In diesen betroffenen Gebieten ist die Sorge um die eigene betriebliche Existenz besonders groß. Um das Ziel der Umweltauflagen zu erreichen, müssten nach Einschätzung der Behörden etwa 30 Prozent der Tierhalter ihren Betrieb aufgeben. Doch was sagen die niederländischen Landwirte dazu? agrarheute hat vor Ort nachgefragt.

„Die nationale Planung und die Interessen der Bauern kommen nicht überein“.

Niederländische Milchviehhalter Wietse Duursma

Wietse Duursma aus Bellingwolde in der Gemeinde Westerwolde im Nordosten der Niederlande ist Milchviehhalter und sieht in seiner Region nicht so viele Landwirte von den Auflagen der Regierung betroffen. Ganz anders ist jedoch die Lage besonders im Süden des Landes. Aus Solidarität hat auch er vor zwei Wochen zusammen mit etwa 50.000 Landwirten an einer Demonstration teilgenommen. „Die nationale Planung und die Interessen der Bauern kommen nicht überein. Es müsste ein runder Tisch zusammenkommen mit Vertretern, sowohl aus der Politik als auch von den jeweiligen Bauernverbänden, um sich zu einigen und die Forderungen letztendlich umsetzen zu können“, sagt Wietse Duursma.

„Es ist total verrückt was hier im Land gerade passiert“.

Geschwister Vroege aus Dalen mit einem 1.200er Milchviehbetrieb

Ähnlich ist die Lage auch beim Familienbetrieb Vroege in Dalen, ebenfalls im Nordosten der Niederlande. Der Milchviehbetrieb mit knapp 1.200 Kühen zählt zu einem der größten in der Gegend.  „Es ist total verrückt was hier im Land gerade passiert“, sagt Elma Vroege. Zwar sei diese Region nicht so stark betroffen, wie andere Ortschaften im Land, jedoch hat sich auch bei ihnen eine gewisse Unsicherheit breit gemacht. „Es gab einfach zu viele Änderungen in zu kurzer Zeit. Das hat den Sektor kaputt gemacht“, sagt die Tierhalterin. Die Unwissenheit in der Politik und keine langfristigen Strategien erschweren die Planungsgrundlage der Landwirte. „Wir wollen beispielsweise den Jungviehstall neu bauen. Auch andere Gebäude sind in die Jahre gekommen“, sagt Elma Vroege. Doch die aktuelle Lage verunsichere die Tierhalter.

Niederländische Bauern blockieren Autobahnen

Wie groß der Unmut der niederländischen Landwirte ist, zeigen die mittlerweile unzähligen Protestaktionen. Erst letzte Woche Freitag (15.07.) haben niederländische Landwirte mit ihren Treckern mehrere Autobahnen blockiert. Die Proteste führten zu mehreren Hundert Kilometer Staus, wie die Verkehrsdienste am Freitag mitteilten.
Besonders hart traf das auch so manchen Urlauber, schließlich gingen nicht nur in Niedersachsen sondern auch in Teilen der Niederlande die Sommerferien los. Nach Angaben der Behörden behinderten neben Treckern auch Lastwagen den Verkehr. 

LSVD-Sprecher Lee kündigt massive Bauernproteste an

Nach den großen und anhaltenden Bauernprotesten in den Niederlanden kündigt LSVD-Sprecher Anthony Robert Lee auch in Deutschland Aktionen an. Diese sollen über bisherige Solidaritätsbekundungen für die Kollegen in den Niederlanden hinausgehen, wie das folgende Facebook-Video zeigt.

Laut Lee sei es noch nie so einfach gewesen, die Bauern in Deutschland auf die Straße zu bekommen. Allein die derzeit noch laufende Ernte hätte bislang eine Massenbewegung verhindert. Die aber werde nach Aussage des LSVD-Sprechers noch kommen.

Mit Material von Facebook, Twitter

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